Bildende Kunst
Ragnar Kjartansson im Migros Museum in Zürich

Mit einer Ausstellung des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson hat das Migros Museum in Zürich seine renovierten Ausstellungsräume im Löwenbräu eröffnet. Die Videoarbeit «The Visitors» ist eine edelkitschige Hommage an die Musik und Freundschaft

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Ragnar Kjartansson Ausstellung im Migros Museum für gegenwartskunst
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Portrait des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson in seiner Videoinstallation «The Visitors»
Videoinstallation «The Visitors» des isländischen Künstlers Ragnar Kjartansson im Migros Museums für Gegenwartskunst

Ragnar Kjartansson Ausstellung im Migros Museum für gegenwartskunst

Keystone/Stefan Deuber

Die Ausstellungsfläche des Migros Museums für Gegenwartskunst beträgt 1300 Quadratmeter und setzt sich aus drei Räumen zusammen. Neu ist, dass diese sich auf zwei durch einen Lift und eine Treppe verbundenen Stockwerken befinden. Im Vergleich zum «alten» Museum hat die Institution an Übersichtlichkeit gewonnen. Und sie verfügt im Erdgeschoss - auch das neu - über zwei offene Räume, die permanent für die hauseigene Sammlung reserviert sind.

Die erste Sammlungsausstellung widmet sich der zeitgenössischen Skulptur. Ausgewählt hat die Kuratorin Judith Welter Arbeiten von Phyllida Barlow, Jimmie Durham, Daniel Knorr und Mark Leckey.

Besuch in einer Villa bei New York

Der Raum im oberen Stock ist riesig. Wie geschaffen für Ragnar Kjartanssons Videoinstallation "The Visitors», die im Hinblick auf die Zürcher Ausstellung entstanden ist. Man tritt durch einen Vorhang und taucht ein in die Räume einer fast 200-jährigen Villa am Ufer des Hudson River in Upstate New York.

Neun die ganzen Wände bedeckende Filme umfasst die Installation. Neun Filme, die den Blick gleichzeitig auf die Veranda und in acht Räume der Villa lenken und ein 53 Minuten dauerndes synchrones Schauspiel offenbaren.

Die Protagonisten sind der Künstler und mindestens acht seiner Freundinnen und Freunde, die sich singend, summend und im leisen bis kräftigen Spiel ihrer Instrumente - Cello, Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon - allesamt dem gleichen Song hingeben.

Verbunden sind sie durch Mikrofone und Kopfhörer und so entsteht tatsächlich «ein ausgedehnter Strom synchronisierter Musikklänge», wie es im Ausstellungsbuch «Ragnar Kjartansson. To Music» heisst.

Konventioneller Musikteppich

Eine Woche hat der Besuch des Künstlers und seiner Freunde in der gediegenen Villa gedauert. Entstanden ist ein Werk, das vorerst gefangen nimmt, schon bald aber ermüdet und schliesslich langweilt.

Grund sind die aufgesetzte Hingabe der Musikerinnen und Musiker und der konventionelle soft-poppige Musikteppich, den sie knüpfen. Dass die Musik auf einem Gedicht der 1976 geborenen isländischen Performerin Ásdís Sif Gunnarsdottír basiert und immer wieder in den Refrain «einmal mehr bin ich in meine weibliche Art verfallen» mündet, vermag den Eindruck nicht zu verbessern.

Zum Schmunzeln immerhin bringt einen Ragnar Kjartansson. Er spielt die Gitarre im Badezimmer, genauer, er sitzt in der vollen Badewanne und zupft selbstvergessen die Saiten. Die Szene trägt dazu bei, dass die Installation nicht nur als edelkitschig, sondern auch als schräg und skurril bezeichnet werden darf.

Elaine Sturtevant in der Kunsthalle

Gleichzeitig mit dem Migros Museum hat im Löwenbräu auch die Kunsthalle eine neue Ausstellung eröffnet: Die 1930 geborene US-Amerikanerin Elaine Sturtevant zeigt hier unter dem Titel «Image over Image» Werke der letzten 50 Jahre. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Moderna Museet in Stockholm.