Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp und wie sie alle heissen – spätestens seit diesem Jahr sind sie den allermeisten Zürchern ein Begriff. Als Dadaistinnen und Dadaisten erhielten sie im 100. Jubiläumsjahr der Kunstbewegung enorme Aufmerksamkeit. Der alternative Zürcher Radiosender Lora setzt diesem «Rausch der Hommagen» das Blablaradio-Festival entgegen. Über den Äther und bei öffentlichen Livesendungen aus dem Innenhof des Lora-Studios an der Zürcher Militärstrasse stellen die Macher die weltweite Bedeutung der Dada-Bewegung infrage.

Kunst und Literatur gegen den gängigen Kanon, so könnte die kulturelle Strömung umschrieben werden, die 1916 in Zürich geboren wurde. Obwohl die Protagonisten ihre Haltung stets als universelle Wahrheit verstanden, gilt Dada als primär europäische Bewegung. Doch diese Auslegung greife zu kurz, sagt Felipe Polanía, Projektleiter des Blablaradio-Festivals: «Proteste, Chaos, und Rebellion gegen den Kunstkanon gab es auch ausserhalb von Europa. Nur wurden solche ästhetischen Erfahrungen aus der eurozentristischen Perspektive heraus der Krone Dada untergeordnet.» Radio Lora wolle zwar durchaus auch Dada feiern, doch nicht als grosse universelle Wahrheit, sondern als eine Expression unter vielen in einer vielfältigen Welt, sagt er.

Poetry-Slam auf Arabisch

Das Blablaradio-Festival rückt daher die Gemeinsamkeiten der Bewegung mit anderen künstlerischen Erfahrungen in der Welt in den Fokus. In seinem Spezialprogramm setzt das Radio Lora vom kommenden Donnerstag bis zum Sonntag insbesondere auf aussereuropäische radiotaugliche Kunstformate, wie Spoken Word, experimentelle Musik, Lautgedichte, Audiokunst oder Radiofeatures. Im Radiocafé, dem Live-Programm im Innenhof des Studios stehen abends ab 18 Uhr internationale Künstler wie etwa die Poetry Slammerinnen Farah Chamma aus Dubai oder das Kamran Ensemble aus Kurdistan, Irak und der Schweiz. Deren Auftritte werden gleichzeitig auf Radio Lora übertragen.

Spoken Word in Arabisch, Farsi oder Spanisch vor Schweizer Publikum? Kein Problem, sagt Polanía. Seine Muttersprache sei Spanisch und er habe kaum Kenntnisse in Arabisch. «Dennoch empfinde ich beispielsweise die Texte von Farah Chamma als etwas sehr Schönes. Schliesslich hat jede Poesie auch eine lautmalerische Komponente», so der Projektleiter des Blablaradio-Festivals. Dass im Radiocafé diversen Sprachgruppen eine Plattform eingeräumt wird, entspreche aber auch der generellen Ausrichtung des Radios Lora.

In dessen normalen Programm finden sich Sendungen in 18 verschiedenen Idiomen. Am Festival treten dennoch einige Schweizer und europäische Künstler auf. So etwa die Laut- und Audio-Experimentalisten Duo Archipiel aus Spanien oder die Electro Post Punk Band Kings Queer aus Paris. So soll der Anti-Eurozentrismus denn auch nicht zum Hauptinhalt des Blablaradio-Festivals verkommen, sagt Polanía: «Es geht uns darum, Berührungspunkte und Schnittflächen weltweiter Protest-Kunst aufzuzeigen.»

Das Blablaradio-Festival von Radio Lora ist vom 21. bis zum 24. Juli auf 97,5 MHz oder über DAB+ auf 202.928 MHz zu hören. Ab 18 Uhr beginnen die Livesendungen mit diversen Auftritten im Innenhof der Militärstrasse 85a, 8004 Zürich.