Gäste der Gartenbeiz des Restaurants Markthalle in den Viaduktbögen wurden am Samstag um 21.30 Uhr offenbar Zeugen eines plötzlichen Aufmarsches von rund 50 bis 100 vermummten Fussballfans. «Sie hatten Metallstangen in der Hand und schlugen damit gegen Lampenpfosten», sagt eine Augenzeugin gegenüber «20 Minuten online».

Im Bereich der Viaduktbögen sei es dann schliesslich zur Massenschlägerei gekommen. «Die FCZ-Fans sind mit Fäusten, Stühlen, Tischen und Stangen auf die GC-Fans losgegangen», wird im Bericht ein weiterer Augenzeuge zitiert. «Auf beiden Seiten waren die Beteiligten vermummt.»

Polizei setzte Gummischrot ein

Der Mob bestand gemäss dem am Montag erschienen Bericht aus militanten FCZ-Fans und lauerte mehreren Dutzend GCZ-Fans auf, die laut dem Bericht ebenfalls militant waren. Die GCZ-Fans waren nach dem Ende des Super-League-Spiels zwischen dem GCZ und YB zu Fuss unterwegs vom Letzigrund-Stadion Richtung GCZ-Fanlokal Sächs Foif an der Heinrichstrasse. Der Name des Lokals erinnert an den 3. März 2004, als der GCZ im Cup-Halbfinal den FCZ mit 6:5 bezwang, nachdem er bis zur 83. Minute noch mit 2:5 hinten lag.

Passanten, welche den Vorfall beobachteten, alarmierten die Stadtpolizei Zürich. Sprecher Michael Wirz sagte gegenüber «20 Minuten online», es habe einen kurzen Gummischroteinsatz gegeben.Danach hätten sich die Beteiligten in alle Richtungen aus dem Staub gemacht. Laut dem Bericht wurden bei der Massenschlägerei mehrere jugendliche GCZ-Fans verletzt. Einer davon hat Kopfverletzungen erlitten. Mindestens zwei GCZ-Supporter landeten im Spital. Es sei auch zu einer Anzeige wegen Körperverletzung gekommen. Die Ermittlungen seien im Gang.

Unnötige Provokation, gewalttätige Reaktion – das Muster ist bekannt

Doch – all der Rivalität zum Trotz – wieso kam es genau jetzt zu dieser brutalen Auseinandersetzung? Auf der Suche nach Gründen fällt eine Möglichkeit auf: Im Derby zwischen GCZ und FCZ von vorletzter Woche montierte der harte Kern der GCZ-Kurve auf dem Geländer vor der Kurve Fahnen von FCZ-Fans und zündete diese an, was für grosse Flammen und Gestank sorgte. Unter Hooligans gilt das als grosse Provokation, wie ähnliche Vorfälle zeigen. Man erinnere sich beispielsweise an den 2. Oktober 2011, der als «Schande von Zürich» in die Geschichte einging. Damals hissten Mitglieder der GCZ-Kurve verschmierte FCZ-Fahnen, woraufhin FCZ-Hooligans über die Tartanbahn zur GCZ-Kurve liefen und gefährliche Petarden mitten in die GCZ-Fans warfen. Das Spiel wurde dann abgebrochen.

Zu erwähnen bleibt: Die in die Schlägerei am Samstag involvierten Personen machen einen kleinen Teil der Zürcher Fanszene aus. Das Spiel GCZ gegen YB zählte bei bestem Wetter 6000 Zuschauer, von denen die meisten Fussball nicht als Anlass für Gewalt sehen. Ebenso beim Spiel FCZ gegen Thun (2:1), das am Sonntag ebenfalls bei bestem Wetter vor über 10'000 Zuschauern über die Bühne ging.

Die nächsten Heimspiele der beiden Zürcher Clubs finden statt am 10. August, wenn der FCZ gegen Sion antritt und am 20. August, wenn GCZ gegen St. Gallen spielen wird.