Arbeitsgericht

Querschnittlähmung: Asylbewerber fällt vom Kirschbaum – Bauer haftet

Die schriftliche Begründung des Urteils ist 72 Seiten lang. (Symbolbild)

Das Arbeitsgericht Andelfingen hat geurteilt, dass ein Landwirt grundsätzlich für die Folgen eines Arbeitsunfalls haftet, der sich im Juli 2011 ereignete. Damals fiel ein Asylbewerber vom Baum, als er Kirschen pflückte.

Passiert ist es im Juli 2011. Damals pflückte ein Asylbewerber – der hin und wieder für einen Bauern arbeitete – Kirschen auf dem Hof dieses Bauern im Zürcher Weinland. Dann fiel er vom Baum; seither ist er querschnittgelähmt. So schilderten es die Beteiligten vor dem Arbeitsgericht, wie die «Andelfinger Zeitung» berichtet. Uneinig sei man sich in anderen Punkten gewesen. Stand der Asylbewerber auf einer Leiter oder auf dem Baum? Handelte es sich um Arbeitszeit oder pflückte der Asylbewerber die Kirschen selbstständig nach Feierabend?

Wie Gerichtspräsident Lorenz Schreiber gegenüber der Weinländer Lokalzeitung sagte, habe das Gericht nun einen Entscheid gefällt. Gemäss dem Urteil – es ist 72 Seiten lang – muss der Landwirt für die Folgen des Unfalls haften. Der Asylbewerber sei aufgrund seiner mangelhaften Sprachkenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten nicht in der Lage gewesen, alleine komplexere beziehungsweise gefährlichere Arbeiten auszuführen, heisst es sinngemäss in der Urteilsbegründung. Der Bauer hätte den Asylbewerber nicht alleine Kirschen pflücken lassen dürfen. Seitens Landwirt bestehe ein gewisses Verschulden in der mangelnden Beaufsichtigung, finden die Richter.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Berufung ist möglich. Wird das Urteil rechtskräftig, wäre der Landwirt zu Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen verpflichtet. Wie hoch diese wären, ist noch offen. (az)

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