Hiltl Catering
Public Viewing im Güterbahnhof: «Allez les bleus» statt «Hopp Schwiiz»

Vom kommenden Freitag an könnte sich die grosse Eventhalle im Güterbahnhof in einen Fussball-Hexenkessel verwandeln. «Hopp Schwiiz»-Rufe wird man zwar nicht zu hören bekommen, aber vielleicht «Allez les bleus»?

Alfred Borter
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Eingang zum Public viewing im Güterbahnhof , wobei der rote Teppich noch durch einen grasgrünen ausgetauscht wird
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Im Güterbahnhof gibt es auch während der EM ruhige Ecken
Im Hof des Landesmuseums führte Hiltl Catering während der WM 2010 ein Public Viewing durch
Stimmungsvoller Nebenraum im Güterbahnhof, für Fussballfans, die es etwas ruhiger mögen
Im Jahr 2010 hatten die Schweizer an der Fussball-WM auch zu feiern
Public Viewing im Güterbahnhof Zürich

Eingang zum Public viewing im Güterbahnhof , wobei der rote Teppich noch durch einen grasgrünen ausgetauscht wird

Alfred Borter

Jetzt allerdings zeigen auf der riesigen, sieben Meter grossen LED-Wand noch keine Fussballcracks ihre virtuosen Kunststücklein mit dem Ball, vorderhand sieht man bloss drei Fussballer, die sich in den Rasen zu verbeissen scheinen. Der Text dazu hält humorvoll fest: «In jedem Fussballer steckt ein Vegetarier.»

Für das Witzchen gibt es einen Grund: Die Sujets, die auch in Form von Plakaten in der Stadt aufgehängt sind, weisen auf die Public-viewing-Location Güterbahnhof hin. Rolf Hiltl, der als Angehöriger der vierten Generation das traditionsreiche vegetarische Haus Hiltl in Zürich führt, schmunzelt: «Der Güterbahnhof ist ein toller Ort für einen solchen Anlass.»

Platz für 1000 Fans

In der Halle, in der insgesamt 1000 Fussballfans Platz finden, werden schon seit Jahren keine Eisenbahngüter mehr umgeladen; auf dem weitläufigen Areal haben sich vorübergehend Architekten, ein Altmetallhändler, ein Weinhändler und mehrere andere Firmen eingenistet, doch demnächst dürfte das alles der Vergangenheit angehören, denn die Bauten werden dem vom Volk bewilligten Polizei- und Justizzentrum Platz machen.

Mittendrin in den weitläufigen Gebäuden befindet sich die Halle, die Rolf Hiltl nun mit seinen Leuten in eine virtuelle Fussballarena verwandelt. Er hat Erfahrung: Während der Europameisterschaft 2008 hat er auf dem Münsterhof gewirtet, in einem «Magic Sky»-Zelt mit 30 Meter Durchmesser. 2010 besorgte er für das WM-Public-Viewing im Hof des Landesmuseums das Catering, und beides hat er in bester Erinnerung: es seien sensationelle Anlässe gewesen.

Public-Viewing im Güterbahnhof im Zürcher Kreis 4

Vom 8. Juni bis 1. Juli wird der Güterbahnhof im Zürcher Kreis 4 zum Fussball-Stadion für bis zu 1000 Fans. Alle Spiele werden live auf eine Sieben-Meter-LED-Wand und auf Plasma-Screens übertragen. Eintritt frei. Für Gruppen ab 15 Personen gibts VIP-Zonen.

Oktoberfest-Stimmung

Den Güterbahnhof als Ort für Events kennt er ebenfalls gut, hat er hier doch bereits etliche Anlässe für geschlossene Gesellschaften mit bis zu mehreren hundert Personen durchgeführt. «Der eignet sich auch hervorragend für ein Public Viewing», sagt er völlig überzeugt.

Die jetzt noch vorhandene Konzertbestuhlung wird rustikalen Tischen und Bänken weichen, verschiedene Bars werden aufgebaut, und für VIP-Gäste stehen Tribünen mit bester Sicht auf den gewaltigen LED-Bildschirm zur Verfügung. «Es soll fröhlich zu- und hergehen», lautet Hiltls Wunsch. «Ein bisschen Oktoberfestatmosphäre wäre mir recht.»

Doch wie soll Fussballfieber ausbrechen, wenn die Schweiz doch gar nicht an der Ausmarchung teilnehmen kann? Hiltl hat da keine Bedenken: Auch die Schweizer fiebern mit, jeder hat seinen Favoriten, und im multikulturellen Zürich gibt es auch genügend Tifosi oder Anhänger anderer Mannschaften, deren Spiel sie nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit Gleichgesinnten in einem stimmungsvollen Rahmen verfolgen, die Siege feiern und die Niederlagen beweinen wollen.

Abgesehen davon erinnert er daran: «Ich bin Unternehmer, und da ist immer auch ein bisschen Risiko mit dabei, aber ich bin grundsätzlich positiv gestimmt.» Damit es den Fans gefällt, wird einiges geboten. Hiltl ist stolz auf die technisch aufwendige Präsentation der Spiele auf verschiedenen Bildschirmen. Auch das Soundsystem sei toll.

Nicht nur Vegi-Menüs

Abgesehen davon kommt auch der Gaumen nicht zu kurz. Es bleibt nicht bei Lindenblütentee und Zaziki. Es gibt zwar die bekannten vegetarischen Hiltl-Gerichte, doch wer unbedingt eine Wurst braucht, um glücklich zu werden, kriegt diese, und zwar im Aussenbereich. «Dort ist ein Grill in Betrieb», erläutert Rolf Hiltl, der sich selber als Teilzeitvegetarier bezeichnet; der Grill wird von einem Drittunternehmen betreut. Dagegen ist Bier aus vegetarischer Sicht unbedenklich, ebenso ein Caipirinha, dafür muss man nicht ins Freie.

Hiltl selber outet sich übrigens als Fan der französischen Nationalmannschaft, seiner Frau zuliebe, die aus dem westlichen Nachbarland kommt, wie er erklärt. In diesem Sinne heisst es bei ihm: «Allez les bleus.» Doch ein bisschen gehöre auch Deutschland zu seinen Favoriten, bekennt er, denn seine Mutter stammt aus dem Nachbarland im Norden.

Wie lange er Anlässe im Güterbahnhof noch wird durchführen können, bevor die Gebäude abgerissen werden, weiss er nicht. Mindestens bis Ende Jahr. So lange läuft der jetzige Mietvertrag. Bis dann, und am liebsten noch etwas länger, möchte er noch einige schöne Anlässe durchführen.