Meilen

Psychisch Kranke werden seit 100 Jahren in der Klinik Hohenegg behandelt

In der Klinik Hohenegg ob Meilen werden seit hundert Jahren psychisch Kranke behandelt (Archiv)

In der Klinik Hohenegg ob Meilen werden seit hundert Jahren psychisch Kranke behandelt (Archiv)

Die Zürcher Privatklinik Hohenegg feiert ihr 100- jähriges Bestehen. Was als 1912 Einrichtung für nerven- und gemütskranke Frauen gegründet worden war, ist heute eine renommierte Klinik für Männer und Frauen mit breit gefächertem Angebot.

Vor hundert Jahren wurde oberhalb der Zürichseegemeinde Meilen die psychiatrische Klinik Hohenegg eröffnet worden.

Heute ist sie ein Kompetenzzentrum für Burnout und Lebenskrisen, für Depressionen und Angsterkrankungen sowie für Psychosomatik. Schwerpunkte sind zudem Zwangserkrankungen, posttraumatische Störungen und Substanzabhängigkeiten.

Spende machte den Anfang möglich

Schon in den 1880er Jahren macht sich der junge Zürcher Hausarzt Theodor Zangger (1864-1940) Sorgen, weil er in seiner Praxis immer mehr nerven- und gemütskranke Menschen antrifft, wie die Hohenegg in ihrem geschichtlichen Exkurs zum Jubiläum schreibt. Die staatlichen Anstalten wie das Burghölzli sind hoffnungslos überfüllt.

In Zangger reift die Idee einer privaten, christlich geführten gemeinnützigen Nervenheilanstalt. Er macht sich auf die Suche nach Spendengeldern. Den grosszügigen Anfang macht eine Patientin, die ihm die Hälfte ihres Vermögens - 200 000 Franken - testamentarisch vermacht.

Ansonsten kommen die Spenden anfangs zögerlich. Bis Ende 1905 gehen 12918 Franken ein. Drei Jahre später sind es aber bereits über 400 000. Die für das Klinikprojekt bestimmte Osterkollekte 1909 der evangelisch-reformierten Landeskirche bringt nochmals 22000 Franken ein.

Heruntergekommenes Bauerngut

Katholische Geistliche, die bei der Sammlung der Reformierten mitmachen wollen, werden vom Churer Bischof zurückgepfiffen. Immerhin fliesst dann aus der Privatschatulle in Chur doch noch eine «namhafte Summe», wie es in der Jubiläumsschrift heisst.

Nun kann die Suche nach einem geeigneten Objekt losgehen. Zangger entdeckt es in einem heruntergekommenen Bauerngut oberhalb von Meilen. Entstehen sollen zunächst drei Häuser für weibliche Patienten, ein Ärzte- und Verwaltungs- sowie ein Wirtschaftsgebäude mit grosszügigem Umschwung. Landreserven ermöglichen spätere Erweiterungen.Die drei Patientenhäuser - je eines für Ruhige, Unruhige und Halbruhige - umfassen total 120 Betten. Für den Anfang ist ein Personalbestand von zwei Ärzten, zwölf Schwestern und zwölf Lernschwestern vorgesehen.

Entstehen soll ein Betrieb nach modernstem Standard. Zangger besichtigt verschiedene Einrichtungen im Ausland. Und auch den designierten Chefarzt Conrad Escher schickt er auf Weiterbildungsreise. Er soll sich mit den aktuellsten Behandlungsmethoden vertraut machen.

4 bis 14 Franken pro Tag

Am 19. Oktober 1912 erfolgt die feierliche Eröffnung des «Sanatoriums Hohenegg bei Meilen». Das Wetter sei miserabel gewesen, so die Jubiläumsschrift. Wohl deshalb seien von 120 geladenen Gästen grade mal deren 70 gekommen. Am 31. Oktober tritt die erste Patientin ein. Ende 1912 sind es schon 62.

Die Patientinnen sind in drei Klassen unterteilt. Die Tages- Pensionspreise - einschliesslich ärztliche Behandlung, Pflege und vier Mahlzeiten - belaufen sich laut Jubiläumsschrift auf 4 Franken in der 3. Klasse, 8 Franken in der 2. und 12 bis 14 Franken in der 1. Klasse.

Männliche Patienten erst nach 1950

Ab 1917 bis in die 1930er Jahre sammelt man Geld für eine Männerabteilung. Da aber für viele Patientinnen gerade Männer die Ursache sind, dass sie in der Klinik Schutz suchen, soll eine Männerklinik weit weg entstehen. Schliesslich verzichtet man ganz.

Ab Mitte der 1950er Jahre nimmt die Klinik aber hin und wieder leicht erkrankte Männer auf. Und seit den 1960er Jahren wird sie gemischtgeschlechtlich betrieben.Seit Herbst 2005 ist die Privatklinik Hohenegg AG im Besitz der gemeinnützigen Stiftung Hohenegg. Diese hat ein Aktienkapital von einer Million Franken und ist Rechtsnachfolgerin des 1912 gegründeten Vereins zum Betrieb des «Sanatoriums Hohenegg bei Meilen», wie aus einem aktuellen Fact-Sheet der Klinik hervorgeht.

Stiftung ist Besitzerin

Verteilt auf drei Häuser bietet die Hohenegg heute 70 Betten - die meisten in Einzelzimmern. Die Klinik hat den Status eines Vertragsspitals, zugelassen für Halbprivat- und Privatabteilungen. Staatliche Leistungen erhält sie nicht. In der Klinik arbeiten rund 140 Personen auf 110 Vollzeitstellen.

Seit Herbst 2005 ist die Privatklinik Hohenegg AG im Besitz der gemeinnützigen Stiftung Hohenegg. Diese hat ein Aktienkapital von einer Million Franken und ist Rechtsnachfolgerin des 1912 gegründeten Vereins zum Betrieb des «Sanatoriums Hohenegg bei Meilen», wie aus einem aktuellen Fact-Sheet der Klinik hervorgeht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1