Zürcher Obergericht
Psychiater wegen Weitergabe intimer Details verurteilt

Ein Unternehmen muss nicht alles über seine Angestellten wissen - auch wenn diese krank werden: Das Zürcher Obergericht hat am Dienstag einen Psychiater wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses verurteilt.

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Der Psychiater gab intime Details über den Angestellten weiter. (Symbolbild)

Der Psychiater gab intime Details über den Angestellten weiter. (Symbolbild)

Keystone

Das Obergericht verurteilte den Psychiater zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 160 Franken. Es bestätigte damit das Urteil der Vorinstanz, des Zürcher Bezirksgerichtes.

"Es hätte augenfällig sein dürfen, dass solche Details nicht an einen Arbeitgeber gehen dürfen", sagte der Richter zum Verurteilten. Dies sage einem doch nur schon der gesunde Menschenverstand.

Der Beschuldigte ist seit vielen Jahren als Psychiater tätig, unter anderem in einem Zürcher Gefängnis und für die Begutachtung von IV-Fällen. Seit 2014 ist er selbstständig.

Dieser Fall, der ihm nun eine Verurteilung bescherte, war jedoch eine Premiere für ihn. Er sollte im Auftrag einer Zürcher Sprachschule untersuchen, ob einer ihrer Angestellten arbeitsfähig ist oder nicht. Hintergrund war ein längerer Arbeitskonflikt.

"Es war das erste Mal, dass ich einen Auftrag direkt von einem Arbeitgeber bekommen habe", sagte der Psychiater vor Gericht. "Rückblickend hätte ich wohl abklären sollen, welche Angaben ein Arbeitgeber erhalten darf und welche nicht", räumte er etwas zerknirscht ein. Er habe aus der ganzen Sache gelernt.

Details über das Eheleben

Viel ist es nämlich nicht, was ein Arzt einem Arbeitgeber weitergeben darf: Gemäss der so genannten Standesordnung der FMH, einer Sammlung von Ärztepflichten, hat ein Arbeitgeber keinerlei Anspruch darauf, die Diagnose zu erfahren. Ein Unternehmen muss nur wissen, ob und wie lange ein Angestellter arbeitsunfähig ist.

Der Bericht des beschuldigten Psychiaters war jedoch sieben Seiten lang und beleuchtete nicht nur detailliert den Arbeitskonflikt, sondern auch das Eheleben des angeschlagenen Mitarbeiters, die Gründe für seine Kinderlosigkeit und seine finanziellen Verhältnisse.

Geschildert wurde zudem ein typischer Tagesablauf und welches emotionale Klima in seinem Elternhaus geherrscht hatte. Berichte in diesem Detaillierungsgrad werden normalerweise nur für Gerichte oder die IV erstellt.

Das Argument des Psychiaters, dass der Sprachschul-Mitarbeiter vor der Sitzung aber eine Erklärung unterzeichnet habe, in der er ihn vom Berufsgeheimnis entbunden habe, liess das Gericht nicht gelten.

Diese Entbindung habe nur für jene Angaben gegolten, die im Rahmen eines normalen Arztzeugnisses erhoben würden - nicht aber für einen Bericht voller Intimitäten. Dass der Mann bei der viel zu detaillierten Befragung mitgemacht habe, heisse noch lange nicht, dass die Daten auch weitergegeben werden dürften.

Das Urteil kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.