Am Montag befasste sich das Bezirksgericht Zürich mit einer Auseinandersetzung zwischen einem Falschparker und einem Polizisten, beide mit serbischer Abstammung. Gemäss der "NZZ" klagte der Staatsanwalt beide Beteiligten an, da er sich nicht entscheiden konnte, wessen Aussagen glaubhafter sind.

Die Auseinandersetzung war die Folge eines Bagatellfalls. Der 45-jährige Monteur lieferte kurz vor Weihnachten 2016 ein Paket in Zürich ab und stellte dabei seinen Wagen für kurze Zeit ausserhalb eines Parkfelds ab. Als er zum Lieferwagen zurückkehrte, füllte der 41-jährige Polizist gerade einen Bussenzettel aus. Ohne Gruss und in aggressivem Ton soll der Beamte darauf dem Mann zugerufen haben, ob er ein Problem mit der Polizei habe.

Unvermittelt zugeschlagen

Nachdem der Verkehrssünder den Zuruf ignoriert, das Auto umparkiert und einen Telefonanruf zu Ende geführt hatte, schlug der Polizist unvermittelt mit beiden Fäusten zu und verletzte sein Gegenüber am Kopf. Laut Anklage machte er sich damit des Amtsmissbrauchs und der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig.

Wegen einfacher Körperverletzung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte wurde auch der Monteur angeklagt. Er soll den Polizisten auf Serbisch beschimpft, zu Boden geworfen und mit dem Fahrzeug beim Rückwärtsfahren gestreift haben.

Richter rügt Staatsanwalt

Ärztliche Gutachten belegen, dass beide Männer Verletzungen davontrugen. Der Polizist bemühte sich, den Richter davon zu überzeugen, dass es sich nicht um Körperverletzung, sondern nur um Tätlichkeiten gehandelt habe. Sein Gegner habe zudem keine Schmerzen gespürt und sogar gelacht haben, als er ihn unglücklicherweise mit der Faust im Gesicht getroffen habe.

Der Richter schloss sich dieser Interpretation an und verurteilte den Polizisten wegen Tätlichkeiten zu einer Busse von 600 Franken. Der Vorwurf des Amtsmissbrauchs, der den Mann wohl die Stelle gekostet hätte, wurde fallengelassen. Zeugenaussagen stützten die Version des Chauffeurs, welcher deshalb freigesprochen wurde. Der Richter rügte schliesslich den Staatsanwalt, da dieser den Fall auch mittels Strafbefehlen hätte lösen und der Staatskasse einige Kosten ersparen können.