Bezirksgericht Zürich
Prostituierte misshandelte ihre Töchter jahrelang

Was die beiden Mädchen erlebten muss die Hölle gewesen sein: Gewalt und seelische Zerstörung waren während Jahren alltäglich. Jetzt soll die Zürcherin dafür sechs Jahre ins Gefängnis.

Merken
Drucken
Teilen
Am Donnerstag muss sich die 40-jährige Zürcherin vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Am Donnerstag muss sich die 40-jährige Zürcherin vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Keystone

Am Donnerstag muss sich eine 40-Jährige Prostituierte vor Gericht verantworten. Grund für die Anklage: Sie soll ihre zwei Töchter, heute 13- und 10-jährig, brutal misshandelt haben. Prügel, Todesdrohungen, Würgen und Beschimpfungen seien seit zirka 2008 bis 2013 an der Tagesordnung gewesen, wie «20 Minuten» am Mittwoch berichtet.

Nach der Scheidung ihres Mannes wurde ein «folterähnliches und tyrannisches Erziehungssystem» alltäglich. Ein vermeintliches Fehlverhalten der Kinder wurde mit körperlichen oder seelischen Misshandlungen bestraft.

Laut Anklageschrift wurden die beiden Mädchen mit einer Kochkelle verprügelt. Die Mutter packte sie ausserdem am Hals bis Atemnot eintrat, Faustschläge wurden erteilt oder das Essen verweigert. Manchmal mussten die Kinder sogar am Boden schlafen.

Der Vater sei schuldig

Bei der jüngeren Tochter ging die 40-Jährige noch weiter: Sie musste sich nackt ausziehen und wurde in der Wohnung oder auch im Keller geschlagen. Weiter drohte die Mutter ihr mit der Schere einen Finger abzuschneiden.

Am 25. September 2013 brachte sie das von ihr zuvor massiv geschlagene Mädchen ins Kinderspital. Als Erklärung für die Verletzungen ihrer Tochter gab sie an, dass das Mädchen das Wochenende zuvor bei ihrem gewalttätigen Vater verbracht habe. Die Behörden wurden daraufhin eingeschaltet.

Erst zweieinhalb Wochen nach der Behandlung im Kinderspital wurden Vater und Mutter festgenommen. «Klar wäre es wünschenswert, schneller zu handeln, doch es gab einige Hürden», sagte der zuständige Staatsanwalt Michael Scherrer zu «20 Minuten».

6-jährige Freiheitsstrafe wird gefordert

Der unschuldige Vater wurde nach zwei Tagen freigelassen. Die beschuldigte Prostituierte sitzt noch in Haft. Am Donnerstag wird sie sich vor Gericht verantworten müssen. Der Staatsanwalt fordert für die Schweizerin mit bolivianischen Wurzeln eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Die beiden Kinder sind seit Oktober 2013 fremdplatziert. Die jahrelange Tortur der Mutter hat seine Spuren hinterlassen. Die Mädchen leiden an massiven psychischen Störungen, Traumatisierung und Depression, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. (amo)