Bildung
Projekt «Zeppelin» startet mit Förderung für Kleinkinder in 14 Gemeinden

Kinder aus Familien mit psychosozialen Risiken sollen nicht schon mit Entwicklungsdefiziten in den Kindergarten kommen. Ihre Förderung muss gleich nach der Geburt beginnen. Dies ist der Kern des neuen Förderprogramms mit dem Namen «Zeppelin 0-3».

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Ein Förderprogramm unterstützt in 14 Zürcher Gemeinden Kleinkinder

Ein Förderprogramm unterstützt in 14 Zürcher Gemeinden Kleinkinder

Keystone

ZEPPELIN stehe für «Zürcher Equity Präventionsprojekt Elternbeteiligung und Integration», wie Urs Strasser, Rektor der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH), heute vor den Medien erklärte.

Das HfH-Projekt fördert Kinder in deren ersten drei Lebensjahren. Indem es die Eltern eng mit einbezieht, hilft es diesen, ihre Kinder selbst besser zu verstehen und zu fördern. So sollen die Kinder später in der Schule erfolgreicher sein. Im Fokus hat ZEPPELIN Familien mit Belastungen wie soziale Isolation, Randständigkeit, Armut, psychische Probleme oder Gewalt. Wie eine seit Herbst 2009 laufende Machbarkeitsstudie in Dietikon zeigt, sind dies grösstenteils Familien mit Migrationshintergrund.

Programm PAT macht Sprachförderung

Das Projekt arbeitet mit einem in den USA entwickelten und den hiesigen Verhältnissen angepassten Förderprogramm, genannt PAT. Eingesetzt wird es von eigens dazu ausgebildeten Mütterberaterinnen. Sie besuchen die Familien bis zu viermal pro Monat, wenn nötig mit einer interkulturellen Übersetzerin. Zudem treffen sich die Projektfamilien einmal pro Monat zum Austausch.

Ein zentrales Ziel sei die Sprachförderung, so Projektleiter Andrea Lanfranchi. Dabei sind sowohl die Herkunftssprache als auch Deutsch wichtig. Den Eltern würden etwa praktische Übungen und Spiele vorgeschlagen, sie würden darin bestärkt, ihre Sprache zu pflegen und auf die Vorteile der Mehrsprachigkeit ab Kleinkindalter hingewiesen.

Unterstützte Mütter weniger überfordert

Die Erfahrungen der Machbarkeitsstudie zeigten laut Lanfranchi nach einem Jahr zwar noch «keine markanten Effekte». Es zeichneten sich aber doch erste Erfolge ab. So kämen etwa unterstützte Mütter tendenziell besser mit der Erziehung klar, als die Mütter in der Kontrollgruppe. Und bei den Kindern erkenne man Anzeichen einer besseren Sprachentwicklung.

Früh gestellte Weichen

HfH-Rektor Strasser erinnerte daran, dass in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes die Weichen für dessen soziale, emotionale und geistige Entwicklung gestellt würden. Bei Kindern aus psychosozial belasten Familien könne man es sich nicht leisten, bis zum Kindergarteneintritt zu warten, bevor man etwas tue. Denn «dann ist es für viele dieser Kinder bereits zu spät».

Die zahlreichen Angebote für Schulkinder können dann die bereits vorhandenen Defizite kaum mehr ganz ausgleichen. Laut Lanfranchi klaffen die Fähigkeiten von neu eingeschulten Kindern zunehmend auseinander: «Immer mehr Kinder können immer mehr - immer mehr können immer weniger».

Studie in 14 Gemeinden

Die Studie startet nun im September in 14 Zürcher Gemeinden. Sie wird 252 Familien umfassen, wovon 132 am Programm teilnehmen und 120 als Kontrollgruppe die gemeindeüblichen Angebote erhalten, wie Lanfranchi sagte. Die Aufteilung erfolge nach dem Zufallsprinzip. Das Projekt steht unter dem Patronat der Schweizerischen UNESCO- Kommission. Es dauert bis Sommer 2015, wie es an der Medienkonferenz hiess, und kostet total 3,1 Millionen Franken.

Praxispartner ist das Amt für Jugend und Berufsberatung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich, das sich auch an der Finanzierung beteiligt. Beiträge kommen zudem von verschiedenen Stiftungen. Den Kostenanteil für die Forschung, 0,6 Millionen Franken, trägt der Nationalfonds. (sda/san)