Es war am im November 2012, als der heute 35-jährige Betrüger aus dem Aargauer Bezirk Laufenburg in der Zürcher Sihlpost auftauchte und im Namen eines in Horgen wohnhaften Namensvetters einen Nachsendeauftrag durchführte. Mit einer nachgeahmten Unterschrift liess er die Post des ahnungslosen Unternehmers umleiten und kam auf diese Weise zu seinen Bankunterlagen. In einem zweiten Schritt bestellte der einschlägig vorbestrafte Schweizer bei der Crédit Suisse telefonisch zwei Bankkundenkarten für zwei seit längerem bestehende Konten und die erforderlichen PIN-Codes dazu.

CS-Konten monatelang geplündert

«Ich habe nach Gold geschürft und wenn es hat Gold hat, nehme ich es», rechtfertigte der Beschuldigte später sein Vorgehen. Sicher ist, dass er am 17. November 2012 bei einem Bankomaten beim Zürcher Paradeplatz erstmals von einem Konto des Geschädigten 8000 Franken bezog.

Die Anklageschrift schilderte danach, wie der Beschuldigte bis zum 11. März 2013 rund 55 weitere illegale Bezüge tätigte und insgesamt über 435 459 Franken für sich abzweigte. Die meisten Gelder hob er an einem CS-Bankschalter am Zürcher Flughafen ab. In den 114 Tagen sackte er durchschnittlich bis zu 7100 Franken für sich ein.

Geld grösstenteils verprasst

«Es ist unglaublich einfach, 100 000 Franken auszugeben, wenn es einem nicht gehört», gab der Täter später zu Protokoll. So bezahlte er mit einem grossen Teil der Beute nicht nur Schulden, sondern kaufte auch Luxusautos, kostspielige Uhren  und gönnte sich teure Ferien. Als ihn die Polizei im November 2013 endlich festnahm und er für 139 Tage in Untersuchungshaft verschwand, konnten die Fahnder nur noch 88 000 Franken sicherstellen.

Erstaunlich war, dass der wohlhabende Geschädigte sehr lange nichts bemerkt hatte. Erst als sich der Deliktsbetrag einer halben Million Franken näherte, wurde er misstrauisch und schaltete die Polizei ein.

Vier Jahre Freiheitsentzug

Da der Beschuldigte ein umfassendes Geständnis ablegte, kam es am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich zu einem kurzen Prozess. Der heutige Bootbauer-Lehrling führte aus, dass sein Vorgehen nicht gegen den Privatkläger persönlich gerichtet gewesen sei. Er habe ihn nicht einmal gekannt. Er wird versuchen, es wieder gut zu machen, sagte er.

Der Verteidiger setzte sich deshalb für eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren ein. Zwölf Monate davon unbedingt. Allerdings vergeblich.

So folgten die Richter umfassend den Anträgen der Staatsanwaltschaft und sprachen wegen mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie mehrfacher Urkundenfälschung anklagegemäss eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren aus.

Die Gerichtsvorsitzende stufte das geplante Vorgehen des Täters als raffiniert ein und verwies auf mehrere auch einschlägige Vorstrafen.

Geschädigter gegen CS

Trotz des Schuldspruchs konnte der heute 45-jährige Privatkläger nicht zufrieden sein. So wurden ihm bisher lediglich die beschlagnahmten 88 000 Franken zugesprochen. Für den weiteren Schaden will die Grossbank nicht aufkommen. So hatte diese gemäss ihren Angaben den Geschädigten monatlich mit Kontoauszügen beliefert. Da dieser dennoch keine Unregelmässigkeiten gemeldet hatte, könnte die CS jegliche Haftung ablehnen. Voraussichtlich wird noch ein Zivilgericht über diese wichtige Frage entscheiden müssen.