Soundcloud: Interview mit Daniel Wyler, Projektleiter Uni Zürich

In unserem Kartenstapel finden Sie heraus, woher die Bürgerwissenschaft kommt und wieso sie derzeit einen Aufschwung erlebt. Lesen Sie nach, was es alles für Bürger-Projekte gibt:

CARDS: Bürgerwissenschaft

Das ganze Interview mit dem ehemaligen Prorektor der Universität Zürich Daniel Wyler gibt es hier zum Nachlesen:

Herr Wyler, die Uni Zürich baut ein Zentrum für Bürgerwissenschaften auf. Was ist das Ziel?
Daniel Wyler: Das Ziel ist, dass wir einen Ort haben, an dem Bürger und Forscher sich austauschen und Projekte mit Bürgern fachgerecht gemacht werden können. Wir arbeiten dabei mit der ETH zusammen.

Wann soll es losgehen?
Ich denke, in einem halben Jahr. Noch sind nicht alle Bewilligungen eingeholt.

Was genau ist die Rolle der Bürger bei Bürgerwissenschafts-Projekten?
Sie können Daten sammeln und Hinweise geben, was man mit solchen Daten machen könnte. Sie können auch etwas lernen, indem sie sehen, wie Wissenschaft funktioniert. Aber ihre Hauptrolle ist, dass sie Projekten zum Erfolg verhelfen, die ohne ihre Mitarbeit wahrscheinlich nicht gelungen wären. Wir machen das, damit Projekte besser werden und Fragen zur Sprache kommen, die ansonsten nicht kämen. Und damit die Ergebnisse am Schluss relevant sind – für die Forschung und die Gesellschaft.

Warum passiert das gerade jetzt?
Das gab es schon vor Jahrhunderten. Aber seit etwa 20 Jahren ist es im Aufschwung, weil man mit dem Internet und Smartphones Technologien hat, die den Leuten viel mehr Zugang zu den Wissenschaftlern geben – und umgekehrt.

Wo liegen die Schwierigkeiten, wenn Laien und Experten aufeinandertreffen?
Von akademischer Seite gibt es gewisse Bedenken, ob Leute, die nicht explizit als Wissenschaftler ausgebildet sind, gut arbeiten. Zudem gibt es neue Herausforderungen ans Managen von Projekten, an denen viele Leute beteiligt sind: Man muss die Leute informieren, transparent bleiben, den Sinn der Forschung erklären. Genau dabei soll das Citizen Science Center helfen, zusammen mit den Spielregeln, die wir ebenfalls erarbeitet haben.

Was sind die wichtigsten Spielregeln?
Dass man die Bürger, die an Forschungsprojekten mitarbeiten, möglichst vielfältig auswählt: Männer und Frauen, Junge und Alte, Leute mit verschiedenen Hintergründen. Das trägt dazu bei, dass die Daten, die man erhält, nicht in eine Richtung verzerrt sind. Zweitens müssen ethische Grundsätze eingehalten werden: Niemand soll sich ausgenützt fühlen, Datenschutz muss respektiert sein. Drittens braucht es Transparenz über das Ziel der jeweiligen Forschung. Viertens braucht es eine Anlaufstelle, an die sich die Leute wenden können – eben das geplante Center. Ein weiterer Punkt: Die Projekte sollen langfristig sein. Die Leute brauchen Zeit.

Gibt es genug Leute, die mitmachen wollen?
Ja. In Ländern wie den USA, wo man punkto Citizen Science schon weiter ist, beteiligen sich Hunderttausende. Unser Eindruck ist, dass die Leute gerne mitmachen. Sie werden ernst genommen, können einen Beitrag für etwas leisten, das wichtig ist – und etwas Neues lernen. Wir stellen uns vor, dass in der Schweiz mehrere Tausend Leute mitmachen würden.

Ist es auch eine Art Sparprogramm, dass die Wissenschaft auf günstige Helfer zurückgreift?
Nein. Wir wollen die Forschung ausweiten, neue Fragen stellen können und neue Forschungsgebiete eröffnen. Es ist sicher nicht billiger, denn es braucht Infrastruktur wie das geplante Center, und das kostet.