Es sind unverkennbar Zürcher Trams, die in den Werkhallen von Bombardier Transportation in Wien derzeit gebaut werden. Neben dem typischen blau-weissen Anstrich, den alle Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) haben, gibt es im Innern der Trams ein weiteres typisches Merkmal: Holzsitze, die an diejenigen der Mirage-Trams erinnern.

Überhaupt sei das Design des Innenraums «eine Hommage» an die in den 1960er-Jahren gebauten Trams, von denen die letzten vor rund zehn Jahren ausgemustert wurden. VBZ und Bombardier boten Medienschaffenden am Freitag Gelegenheit, die jüngste Generation der Zürcher Trams zu besichtigen und darin ein erstes Mal Platz zu nehmen. 

Die neuen Holzsitze sind das auffälligste Detail. Sie werden auf Kundenwunsch wieder eingeführt, wie VBZ-Chef Guido Schoch sagte. Die Cobra-Trams und das Vorgängermodell Tram 2000 haben gepolsterte Sitze mit Stoffbezug. Die neuen Holzsitze unterscheiden sich deutlich von denjenigen der Mirage-Trams. Statt der relativ einfachen Wölbungen der alten Holzsitze gibt es nun einen ergonomisch geformten Sitz aus Buchenholz.

Der fast schon speckig anmutende Glanz der alten Sitze weicht einem edlen Matt. Und vor allem: Die neuen Holzsitze wirken zumindest beim kurzen Probesitzen deutlich bequemer. Natürlich erhofft man sich von den Holzsitzen wiederum eine sehr hohe Lebensdauer.

Nach einem langen Rechtsstreit um die Auftragsvergabe für den Bau neuer Trams für die Verkehrsbetriebe muss es nun schnell gehen: Die ersten beiden Exemplare des Zürcher Flexity-Trams gehen derzeit im Wiener Werk von Bombardier Transportation in die letzte Phase der Montage und sollen im November mit Schwertransportern auf der Strasse nach Zürich gebracht werden. Nach ausgiebigen Tests sollen sie ab Sommer 2020 regulär in Betrieb genommen werden.

Die VBZ brauchen dringend mehr Rollmaterial, unter anderem für den geplanten Ausbau des Angebots. Falls Fahrzeuge unerwartet ausfallen, etwa wegen Unfällen, könnte es laut Schoch rasch knapp werden. Und prompt kam es am Freitag zu einem Unfall: In Zürich Altstetten rammte ein Tram einen Lastwagen. Dieser kippte zur Seite, der Chauffeur wurde leicht verletzt. Bis 2024 sollen alle 70 neuen Flexity-Trams geliefert werden. Die VBZ haben zudem eine Option auf weitere 70 Stück.

Das neue Tram bietet

deutlich mehr Platz

Beim Zürcher Flexity-Tram handelt es sich um ein Plattform-Produkt, wie Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein sagte. Trotzdem sei das Schienenfahrzeug «ein echter Zürcher». Flexity-Trams von Bombardier verkehren unter anderem auch in Basel, auch für Wien werden gerade welche gebaut. Die Unterschiede zwischen den Fahrzeugen sind aber beträchtlich, vieles kann sozusagen massgeschneidert werden.

So sind die Zürcher Flexity beispielsweise 10 Zentimeter breiter als diejenigen in Basel. Die VBZ wollen sich mit dem Fahrzeug für die Zukunft rüsten, sprich, noch mehr Kapazitäten schaffen. Zwar verfügt das Flexity mit 91 Sitzplätzen nur gerade über einen Platz mehr als die Cobra-Trams. Das Tram, das mit 43 Metern rund 6 Meter länger ist als das Cobra-Tram, verfügt aber über deutlich mehr Stehplätze.

Für mehr Komfort soll auch ein Detail bei der Klimatisierung sorgen: die kühle Luft soll nicht wie üblich aus Lüftungsschlitzen strömen, sondern über die sogenannte Rieseldecke. Diese hat unzählige Lüftungslöcher. Dadurch soll unangenehme Zugluft vermieden werden.

Das Zürcher Flexity-Tram verfügt zudem noch über eine Neuheit, laut Schoch wahrscheinlich sogar eine «Weltneuheit»: LED-Leuchten an den Türen und an der Front des Trams signalisieren, ob sich ein kurzer Sprint zum Tram noch lohnt oder nicht. Leuchten die LED grün, können die Türen geöffnet werden. Bei Rot ist die Türschliessung aktiviert, das Tram also bald abfahrbereit. Beim Fahren wechselt die Farbe der LED-Bänder passend zum VBZ-Farbschema auf Blau.

Beim Design der Führerkabine stand vor allem die Sicherheit im Vordergrund. Das Sichtfeld für die Tramführerinnen und Tramführer wurde so weit wie möglich maximiert. Ein modernes System soll dabei helfen, Gefahren zu erkennen, konkret Fussgänger oder Fahrzeuge, die sich auf Kollisionskurs mit dem Tram befinden.

In einem ersten Schritt soll das System lediglich warnen. Technisch wäre es allerdings auch möglich, dass es selbstständig eine Notbremsung einleitet, um eine Kollision zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

Während bei der Sicherheit auf modernste Technik gesetzt wird, orientieren sich die VBZ nicht nur bei den Holzsitzen, sondern auch in anderen Bereichen wieder an Altbewährtem: Das Chassis des Trams besteht wieder aus Stahl und nicht wie beim Cobra-Tram aus Aluminium. Das erleichtert die Reparaturarbeiten nach Unfällen.

Und auch bei den Rädern der Schienenfahrzeuge wird wieder auf durchgehende Achsen gesetzt statt auf eine Einzelaufhängung der Räder. «Die Laufeigenschaften des Flexity-Trams sind deutlich besser als beim Cobra-Tram», sagte Schoch.

Vor allem in den Kurven sollen die Trams weniger quietschen, zudem soll die Abnutzung an Rädern und Schienen geringer sein.