Sechseläutenplatz
Probesitzen auf Zürichs neuem Platz: Gute Noten von der Bevölkerung

Die ersten Stühle sind auf Zürichs Sechseläutenplatz eingetroffen. Beim Rest gibts Lieferschwierigkeiten, sie sollen im Laufe der nächsten Woche kommen.

Matthias Scharrer
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Probesitzen auf dem Sechseläutenplatz
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«Als Begegnungsort gelungen»: Martin Baggenstoss testet Sitzbank.
«Bequem»: Eveline Lopez auf den Vorboten der Platzbestuhlung.
«Mehr Sofas»: Kreative Vorschläge von Nora Fux und Camilla Perotti.

Probesitzen auf dem Sechseläutenplatz

Matthias Scharrer

Unauffällig stehen sie am Rande des neu gestalteten Sechseläutenplatzes: Sechs Stahlstühle, Modell «Luxembourg», je acht Kilo schwer, angekettet an einen Laternenpfahl. Sie sind die Vorboten der neuen Sechseläutenplatz-Bestuhlung. Deren Ankündigung sorgte Anfang dieser Woche für rege Diskussionen. Der Grund: 10 der insgesamt 100 Stühle, die ab nächster Woche auf dem Platz stehen sollen, werden frei verschiebbar sein. Die restlichen 90 sind jeweils paarweise mit Stahlseilen verbunden. Das städtische Tiefbau- und Entsorgungsdepartement will so testen, wie anständig die Leute in Zürich sind: Falls nicht zu viele Stühle geklaut, im See versenkt oder zerstört werden, kommen in einem Jahr 100 weitere Stühle nach demselben System hinzu.

Noch steht aber nicht einmal fest, wann genau die ersten 100 Stühle eintreffen. Eigentlich sollten sie schon da sein – wie die langen Holzbänke, auf denen man sich seit Wochenbeginn niederlassen kann: «Ursprünglich wollten wir die Stühle und Bänke gleichzeitig aufstellen», erklärt Tiefbauamts-Sprecher Stefan Hackh auf Anfrage. «Dann hatte der Lieferant Terminprobleme.» Nun heisst es, die Stühle kämen im Verlauf der nächsten Woche. «Hoffnungsvollerweise» wisse er Anfang nächster Woche mehr, so Hackh. Die ersten sechs Stühle seien gestern für Fotoaufnahmen aufgestellt worden.

1642 Dort, wo heute der Sechseläutenplatz ist, erbaut die Stadt eine Verteidigungsanlage. Das Bauschänzli zeugt noch heute davon.
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1830 Die Bastion weicht einer Hafenanlage.
1880er und 1890er Entstehung der heutigen Quaianlagen und des Stadttheaters (heute Opernhaus).
1902 Erstmals wird der Böögg auf der Sechseläutenwiese verbrannt.
Zweiter Weltkrieg Im Rahmen der Anbauschlacht wird Raps auf der Sechseläutenwiese angepflanzt.

1642 Dort, wo heute der Sechseläutenplatz ist, erbaut die Stadt eine Verteidigungsanlage. Das Bauschänzli zeugt noch heute davon.

zvg

Probesitzende erfreut

Ungeachtet der Diskussionen und Lieferschwierigkeiten: Bei der Bevölkerung kommt das Sitzkonzept gut an. Auch wenn mit Vandalismus und Diebstählen zu rechnen sei: Einen Versuch sei es wert – so das einhellige Echo bei einer freilich nicht repräsentativen Umfrage des Schreibenden auf dem Platz. «Gut, dass man das probiert», sagt beispielsweise Eveline Lopez, die ihre Mittagsbratwurst auf einem der Stuhl-Vorboten verzehrt. Bequem seien die Stühle, findet Lilo Meier, die ebenfalls zu den Pionieren beim Probesitzen gehört.

Ein junger Mann, der dazukommt, schlägt vor: «Man könnte die Stühle für einen Franken vermieten und abends wieder einsammeln.» Einen Tipp hat auch der 17-jährige Nikolai Kohler, während er auf der Treppe vor dem Opernhaus Pasta aus einer Kartonschachtel verzehrt: «Am Wochenende würde ich die Stühle anketten. Dann sind abends zu viele Besoffene unterwegs.»

Sofas oder Flugzeug-Flügel

Kreative Vorschläge bringt auch das Gespräch mit Camilla Perotti und Nora Fux zutage. Die beiden 17-Jährigen haben sich auf den Steinplatten des Platzes niedergelassen. «Chillig» finden sie den neuen Sechseläutenplatz. «Sie könnten aber noch mehr Sofas und Sitzgelegenheiten hinstellen», meint Nora. «Oder so schaukelnde Stühle wie im Sihlcity. Oder Flugzeug-Flügel als Sitzgelegenheiten.» Es müsse etwas sein, das man nicht klauen könne. «Und es muss stilvoll sein, damit es zum Opernhaus passt», gibt Camilla zu bedenken.

Auf einer der massiven Holzbänke am anderen Ende des Platzes sitzt Martin Baggenstoss. «Der Platz ist als Begegnungsort gelungen», urteilt der ältere Herr. Positiv fällt ihm auf, dass die Bänke breit genug sind, sodass man auf beiden Seiten sitzen kann. Auf das Stuhlkonzept angesprochen, findet auch er: «Natürlich werden auch Stühle geklaut werden. Aber das heisst nicht, dass man das Konzept nicht ausprobieren soll.»

190 000 Franken lässt sich die Stadt die Stühle und Bänke mit Lieferung und Montage kosten. Angaben zum Stuhl-Stückpreis will Tiefbauamtssprecher Hackh nicht machen, da es sich um einen Spezialpreis handle. Im Handel kostet das Modell «Luxembourg» rund 250 Franken.