Zürich
Private balgen sich um den Bau des neuen Fussballstadions

Vorbei ist es mit der Aussichtslosigkeit, die den Zürcher Stadtrat und viele Fussballfreunde befiel, nachdem das Projekt für ein öffentlich finanziertes neues Stadion im Herbst an der Urne gescheitert war.

Marius Huber
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Ein neuer Versuch wird gestartet, dass doch noch ein Stadion zustande kommt (Archiv)

Ein neuer Versuch wird gestartet, dass doch noch ein Stadion zustande kommt (Archiv)

Keystone

Gleich fünf private Investoren haben kürzlich bei der Stadt ein Dossier eingereicht, in dem sie Auswege aus der vermeintlichen Sackgasse skizzieren. Das hat Kuno Gurtner, Sekretär des Finanzdepartements, gestern auf Anfrage bekannt gegeben.

Die Stadt hatte potenzielle Interessenten aufgefordert, ihre Ideen genauer zu erläutern – insbesondere, wie sie die Probleme der Finanzierung, des Verkehrs und des Lärms lösen wollen. Details will Gurtner noch nicht verraten. Zunächst werde sich eine Arbeitsgruppe die Dossiers näher anschauen. Auch zu den Namen der Investoren schweigt er sich aus. Trotzdem ist einiges schon bekannt.

Da ist zunächst das Projekt der Immobilienfirma Halter, die in Luzern am Stadionbau beteiligt war. Sie hat gestern bestätigt, dass sie zusammen mit den beiden Fussballklubs FCZ und GC ein Dossier bei der Stadt eingereicht hat. Ihre Idee ist es, das Stadion an einem neuen Ort zu errichten, womöglich ausserhalb der Stadtgrenze. Am bisherigen Standort auf dem Hardturmareal will sie Wohnungen und Büros bauen, mit denen sie den Stadionbetrieb querfinanziert – räumlich getrennte Mantelnutzung heisst das Zauberwort. Kritiker bezweifeln allerdings, dass die Credit Suisse (CS) bei so etwas mitziehen würde. Die Bank hat der Stadt das Hardturmareal einst zum Vorzugspreis von 50 Millionen Franken überlassen, unter der Bedingung, dass dort ein Stadion entsteht. Ansonsten hat sie ein Rückkaufsrecht. Sie dürfte wenig Interesse daran haben, dass eine andere Firma von den Sonderkonditionen profitiert und auf ihrem Land mit einer Überbauung das grosse Geld macht.

Der «gute Draht» zur CS

Konventioneller ist die Idee jener unbekannten Investoren, die der frühere GC-Präsident Fritz Peter ins Spiel gebracht hat. Dieser bestätigte gestern, auch sie hätten ein Dossier eingereicht. Demnach wollen sie ein Stadion mit maximal 25 000 Plätzen am alten Standort bauen, und zwar mit «sanfter Mantelnutzung» – also ohne ein Einkaufszentrum, das viel Verkehr ins Quartier brächte. Nebenan soll wie beim gescheiterten Projekt der Stadt eine Wohnüberbauung entstehen, aber dichter und mit mehr Wohnungen. Dazu bräuchte es wohl Sonderbewilligungen.

Zuversichtlich stimmt Peter, dass seine Investoren einen «guten Draht» zur CS hätten. Das könnte ein Hinweis auf ein Engagement des Immobilienriesen Swiss Prime Site (SPS) sein. Deren CEO Markus Graf war jahrelang Immobilienchef der Credit Suisse. Die SPS gab gestern zwar keinen Kommentar. Dem Vernehmen nach beschäftigt sie aber in Zürich einen Projektverantwortlichen mit Verbindungen zur CS und Nähe zum Fussballgeschäft. Zudem hat die Firma die Jelmoli-Gruppe übernommen, die in Genf am Stadionbau beteiligt war. Ein augenfälliger Kandidat ist auch die Firma HRS, die bereits Stadien in St. Gallen, Neuenburg und Biel gebaut hat. Sie verriet gestern aber nicht, ob sie ein Dossier eingereicht hat.

Bei einem der fünf Investoren mit im Boot sind die Architekten des gescheiterten Projekts der Stadt, Burkard Meyer, mit einem überarbeiteten Entwurf. Wer sie finanziell unterstützt, geben sie indes nicht bekannt.