Preisvergabe
Das sind die drei inklusivsten Zürcher Firmen

Die kantonale Gleichstellungs-Fachstelle hat erstmals den Prix Inclusion vergeben. Drei Firmen wurden ausgezeichnet für die Förderung und den Einbezug ihrer vielfältigen Belegschaft und entsprechende Angebote.

Matthias Scharrer
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Workshop bei Ergosign. Die Firma ist einer von drei Trägern des Prix Inclusion 2023. In der Mitte: Toni Steimle, Direktor Ergosign Schweiz.

Workshop bei Ergosign. Die Firma ist einer von drei Trägern des Prix Inclusion 2023. In der Mitte: Toni Steimle, Direktor Ergosign Schweiz.

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Der Prix Balance, der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus hatte, ist Geschichte: Nach sechs Ausgaben löst ihn die kantonale Fachstelle für Gleichstellung nun durch den Prix Inclusion ab. Sie zeichnet damit Arbeitgebende aus, die sich besonders für die Förderung und den Einbezug ihrer vielfältigen Belegschaft einsetzen – und die innovative und erfolgreiche Praktiken und Angebote dazu umsetzen.

Der Preis soll die Inklusion von verschiedenen Generationen, von Menschen mit Behinderung sowie Menschen verschiedener sexueller Orientierung fördern, so Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung. Ein Grund für die Neuausrichtung des Preises sei, dass der Kanton Zürich bei der Umsetzung der Uno-Behindertenrechtskonvention Fortschritt mache.

Von 90 Arbeitgebenden, die am Wettbewerb teilnahmen, wurden am Mittwoch drei mit dem Prix Inclusion ausgezeichnet. Es sind dies: Ergosign, Decathlon und Hilti Schweiz.

Ein Avatar soll in Gebärdensprache übersetzen

Ergosign, eine internationale Design-Firma für digitale Produkte, die auch einen Sitz in Zürich hat, setze sich insbesondere für den barrierefreien Zugang von Menschen mit Hör- und Lesebehinderung ein, sagte Trachsel.

Aktuell forscht Ergosign etwa an der automatisierten Übersetzung von Gebärdensprache, wie Toni Steimle, Direktor von Ergosign Schweiz, auf Anfrage sagte. Ziel sei die Entwicklung eines Gebärdensprache-Avatars, der deutsche Laut- und Schriftsprache in Gebärdensprache übersetzt.

«Inklusion bedeutet für uns unter anderem Vielfalt bei den Mitarbeitenden», so Steimle weiter. «Es müssen verschiedenste Blickwinkel zum Tragen kommen, um ganzheitliche Lösungen zu entwickeln.» So komme die Belegschaft aus unterschiedlichsten Ländern und Altersklassen, Teilzeitarbeit und Homeoffice seien kein Problem – und zwei der drei Führungskräfte von Ergosign Schweiz seien Frauen.

Gezielt auch über 65-Jährige eingestellt

Der Sportartikel-Händler Decathlon engagiere sich stark für die Inklusion von Menschen mit Behinderung im Sport, sagte Trachsel. Auch die Beratungen in den Verkaufsstellen seien entsprechend ausgerichtet. Zudem stelle Decathlon gezielt auch über 65-Jährige ein und sorge dadurch für die Inklusion von Seniorinnen und Senioren.

Die Sportartikelfirma Decathlon erhielt ebenfalls den Prix Inclusion 2023 der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich.

Die Sportartikelfirma Decathlon erhielt ebenfalls den Prix Inclusion 2023 der Fachstelle für Gleichstellung des Kantons Zürich.

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Decathlon habe auch Mitarbeitende mit Lernschwierigkeiten, geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen integriert sowie entsprechende Praktika konzipiert, teilt Personalchef Stefan Bolt auf Anfrage mit. Die Firma wirbt für sich mit dem Slogan: «Ein Ort für alle.»

Anti-Diskriminierungs-Schulungen und Workshops

Der Baumaschinen-Hersteller Hilti Schweiz wiederum habe viel zur Förderung junger Frauen in Bauberufen getan, sagte Trachsel. «Wir fördern das Thema Diversität und Inklusion, wo wir können», betont Lea Ryter Ciampi, Personalchefin von Hilti Schweiz. Dazu gehörten beispielsweise auch Anti-Diskriminierungs-Schulungen und Workshops für Führungskräfte.

Angestellte von Hilti Schweiz gingen Nationalparks putzen. Die Firma trägt zur Förderung junger Frauen in Bauberufen bei.

Angestellte von Hilti Schweiz gingen Nationalparks putzen. Die Firma trägt zur Förderung junger Frauen in Bauberufen bei.

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Auch sie nennt Homeoffice und Teilzeitarbeit als wichtige Faktoren punkto Inklusion, zudem Vaterschaftsurlaub, Lohngleichheit und Frauen in Kaderfunktionen. So sei bei Hilti Schweiz der Anteil von Frauen in Kaderfunktionen mit über 20 Prozent höher als der Frauenanteil insgesamt.

Die Vergabe des Prix Inclusion beruht laut Trachsel im Wesentlichen auf Punkten, die die Mitarbeitenden jeweils ihren eigenen Firmen gaben. Eine Vorauswahl aus den ursprünglich über 160 Bewerbungen habe die Firma Great Place to Work getroffen, die weltweit Firmen nach wissenschaftlichen Methoden bewerte. Eine weitere Evaluation zum Thema Inklusion leistete die Fachstelle für Gleichstellung.