Frauenzentrale
Präsidentin der Frauenzentrale: «Die Parteien sind in der Pflicht»

Was am Sonntag passiert ist, hat Andrea Gisler, Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale, zwar nicht überrascht, aber dennoch enttäuscht, wie sie rückblickend sagt.

Anna Wepfer
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Andrea Gisler, die Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale.

Andrea Gisler, die Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale.

AZ

Dass unter den 34 Zürcher Abgeordneten für den Nationalrat nur gerade 10 Frauen sind, findet die Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale Andrea Gisler «ernüchternd».

Es werde immer so getan, wie wenn die Frauenanteile in Politik und Wirtschaft zwar langsam, aber stetig zunähmen. «Nun hat sich wieder einmal gezeigt: Wird das Thema nicht beackert, passiert gar nichts, die Zahl der Frauen geht gar zurück», so Gisler.

Forderung nicht erfüllt

Tatsächlich kommt der neue Frauenanteil gefährlich nahe an den Tiefststand von 1991, als neun Zürcherinnen im Parlament sassen. Später lag die Zahl bei 14, dann bei zwölf Frauen. Die von der Frauenzentrale geäusserte Forderung «Ein Drittel reicht nicht» ist mit dem aktuellen Zürcher Frauenanteil von 29 Prozent längst nicht erfüllt.

Parteipräsidenten im Fokus

Schuld am Negativtrend sind aus Gislers Sicht vor allem die Parteien. Sie hätten das Thema vernachlässigt, weil die Frauenfrage sich nicht mehr so akut stelle wie vor zwanzig oder dreissig Jahren. Dies erkläre auch, warum ausgerechnet bei den traditionell frauenfreundlichen Grünen mit Marlies Bänziger und Katharina Prelicz-Huber gleich zwei Frauen abgewählt wurden.

Damit die weibliche Vertretung bei den Wahlen 2015 nicht noch weiter schrumpft, will die Frauenzentrale ab sofort die Kantonalparteien ins Gebet nehmen. Mit Ausnahme der CVP steht an jeder Parteispitze ein Mann, wobei bei den Grünen und der GLP je eine Frau zum Co-Präsidium gehört. «Wir müssen die Männer besonders auf das Thema sensibilisieren», sagt Gisler.

Freiwillige Quote

Ihr Ziel ist, dass Frauen auf allen Wahllisten angemessen und auf aussichtsreichen Positionen vertreten sind. Um das zu erreichen, schlägt Gisler eine Art freiwillige Frauenquote vor. Die Parteien müssten sich diese selbst auferlegen und weit im Voraus darauf hinarbeiten, dass sie die Vorgabe bei den nächsten Wahlen auch tatsächlich erfüllen.

Gleichzeitig gibt Gisler, die selbst für die GLP kandidiert hat, zu bedenken, dass Quoten unschön und unter Frauen umstritten seien. Gerade junge Frauen empfänden das als entwürdigend. «Quoten sind aber besser als gar nichts», sagt Gisler. «Und jetzt muss etwas geschehen.»