1. Mai in Zürich
Polizeivorsteher Leupi stellt Paradeplatz für 1.-Mai-Demo in Aussicht

Das 1.-Mai-Komitee ist enttäuscht: wieder kein 1.-Mai-Umzug über den Paradeplatz! Vielleicht nächstes Jahr, lässt Zürichs Polizeivorsteher Daniel Leupi ausrichten – falls dieses Jahr Randale ausbleibt.

Matthias Scharrer
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Polizei riegelt den Übergang von der Bahnhofstrasse zum Paradeplatz am 1. Mai 2010 ab. (key)

Polizei riegelt den Übergang von der Bahnhofstrasse zum Paradeplatz am 1. Mai 2010 ab. (key)

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Der 1. Mai ist ein Tag der Symbole und Rituale – und der Zürcher Paradeplatz ein symbolträchtiger Ort: Die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben hier ihre Hauptsitze. Marxistisch gesagt: Hier sitzt das Kapital. Kein Wunder, dass das 1.-Mai-Komitee, das zusammen mit dem Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich (GBKZ) den Tag der Arbeit in Zürich veranstaltet, den rituellen 1.-Mai-Umzug gerne an diesem Ort durchführen würde. Doch die Bewilligung dafür hat die Stadtpolizei Zürich einmal mehr verwehrt, wie das 1.-Mai-Komitee gestern mitteilte. Aus dem Communiqué der Dachorganisation zahlreicher linker Gruppierungen spricht Enttäuschung: «Dass uns am Tag der Arbeit nicht erlaubt wird, über einen der weltweit grössten Finanzplätze zu laufen und für die Anliegen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu kämpfen, ist befremdend.» In Zeiten der Wirtschaftskrise wäre ein Gang über den Paradeplatz «besonders wichtig.»

Aus den Zeilen des 1.-Mai-Komitees spricht indes auch leise Hoffnung: «Wir akzeptieren das, halten uns aber an die mündlichen Zusicherungen, dass im nächsten Jahr wieder ernsthaft über dieses Anliegen verhandelt wird.» Die Zusicherungen stammen von Daniel Leupi, Stadtrat der Grünen und Polizeivorsteher von Zürich, wie 1.-Mai-Komiteesprecher Luca Maggi auf Anfrage sagt.

Polizeidepartementssprecher Reto Casanova bestätigt: «Es stimmt, Stadtrat Leupi hat sich dahingehend geäussert, dass ein 1.-Mai-Umzug über den Paradeplatz nächstes Jahr ein Thema sein könnte.» Doch dann fügt er einschränkend hinzu: «Das hängt stark davon ab, ob es am 1. Mai zu Ausschreitungen kommt.»

Mit anderen Worten: Leupi, dem seit seinem Amtsantritt wiederholt zu lasches Vorgehen gegenüber gewaltbereiten linken Demonstranten vorgeworfen wurde, will das alljährliche Ritual der Gewalt am 1. Mai in Zürich durchbrechen – und bietet den Demonstranten dafür den symbolträchtigen Paradeplatz als Kundgebungsort an.

Laut Maggi führte zuletzt 2007 ein 1.-Mai-Umzug über den Paradeplatz – «friedlich», wie der 1.-Mai-Komiteesprecher und Parteikollege von Leupi betont. Ohnehin habe es am 1.-Mai-Umzug selber in Zürich schon lange keine Ausschreitungen mehr gegeben. Diese fanden jeweils im Zuge der sogenannten Nachdemos statt, die sich nach Abschluss der offiziellen 1.-Mai-Kundgebungen entwickelten. Der Umzug führt diesmal von der Lagerstrasse vorbei am Hauptbahnhof durch die Bahnhofstrasse, dann via Uraniastrasse zum Limmatquai in Richtung Bellevue und endet am Bürkliplatz. Eine Garantie, dass es am 1. Mai nicht zu Ausschreitungen komme, könne das 1.-Mai-Komitee freilich nicht abgeben, wie Maggi sagt: «Für die öffentliche Sicherheit ist die Polizei zuständig.»

Ob sich die gewaltbereiten Randalierer der Nachdemo durch die Aussicht auf einen Umzug über den Paradeplatz besänftigen lassen, bleibt fraglich.

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