Ausschreitungen
Polizeivorsteher Leupi: Einsatz war verhältnismässig

Der Zürcher Polizeivorsteher Daniel Leupi ist der Ansicht, der Polizeieinsatz vom letzten Wochenende am Bellevue sei verhältnismässig gewesen. Das sagte der Grüne Stadtrat am Mittwochabend vor dem Zürcher Stadtparlament, dem Gemeinderat.

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Ausschreitung am Zürcher Bellevue: Die Polizei setzte Gummischrot und Reizstoff ein
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Ausschreitung am Zürcher Bellevue: Die Polizei setzte Gummischrot und Reizstoff ein

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Es habe Leute gegeben, «die schlicht vom Einsatz überrascht wurden», sagte Leupi. Die Situation habe es mit sich gebracht, dass Passanten vom Tränengas in Mitleidenschaft gezogen worden seien. «Die Polizei musste damit Schlimmeres verhindern.»

Leupi wehrte sich gegen die Forderung, die Polizei hätte mehr Verhaftungen vornehmen müssen. «Wir mussten die Einsatzkräfte von Sanität und Feuerwehr vor groben Angriffen der Krawallanten schützen.»

Grüne: Jugendzentren allein genügen nicht

Das Anliegen der jungen Menschen nach kommerziellen Freiräumen sei zwar berechtigt. Der Stadtrat sei offen für den Dialog mit Leuten, die mitarbeiten wollten. Es gehe aber nicht an, einen der dichtgenutzten Plätze in Zürich einfach so zu besetzen.

Die Stadt müsse jungen Leuten, die unkonventionell und selbstbestimmt feiern wollten, Raum geben, sagte dagegen ein Vertreter der Alternativen Liste (AL). Mit Jugendzentren allein sei es nicht getan, fügte eine Sprecherin der Grünen an.

Eine anonyme Menge dürfe nicht in Zürich «die Sau rauslassen», sagte dagegen ein Vertreter der SVP. Die Polizei müsse frühzeitig eingreifen und die Täter wenn immer möglich verhaften. Die Partei forderte ein «Null-Toleranz-Prinzip».

Auch die FDP frage sich, weshalb es möglich gewesen sei, nur gerade zwei Personen festzunehmen, sagte ein Sprecher. Sie forderte die Party-Veranstalter auf, künftig Bewilligungen für Veranstaltungen einzuholen. «In Zürich gilt gleiches Recht für alle.»

Illegale Party endete in Krawallen

In der Nacht auf Sonntag hatten sich über 1000 Personen am Bellevue versammelt und zunächst eine illegale Party gefeiert. Rund 20 Personen kletterten auf das Dach eines Tramwartehäuschens. Als die Polizei sie bat, aus Sicherheitsgründen herunterzusteigen, kippte die Stimmung.

Einzelne Randalierer, die sich unter die Menge mischten, gingen gemäss der Polizei gezielt auf die Einsatzkräfte los. Sie griffen mit Pflastersteinen, Baumaterial und Flaschen an. Zudem zündeten sie Abfallcontainer an und schlugen Schaufensterscheiben ein.

Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Sachschaden auf rund 100'000 Franken. Acht Polizisten wurden während den Ausschreitungen leicht verletzt. Zwei junge Männer im Alter von 16 und 25 Jahren wurden verhaftet. Sie werden wegen Landfriedensbruch und in einem Fall auch wegen Drohung und Gewalt gegen Beamte angezeigt.