Im Jahre 2011 erschoss ein 59-jähriger Kosovare seine Frau und die Leiterin des örtlichen Sozialamtes auf offener Strasse. Der Mann, der im psychiatrischen Gutachten als «herrschsüchtiger Patriarch» beschrieben wurde, war dem Sozialamt damals bereits seit Jahren als gewalttätiger Tyrann bekannt, der seine Frau und sechs Kinder verprügelte.

Mithilfe des Herbeizugs der Forensischen Psychiatrie will der Kanton Zürich erreichen, dass die Polizei Gewalttaten nicht „hätte verhindern können“, sondern effektiv verhindern kann. Seit rund einem Jahr wird die Kantonspolizei von der Fachstelle Forensic Assessment (FFA) darin unterstützt, aus auffälligen Personen wie Querulanten, Stalker und Täter von häuslicher Gewalt diejenigen herauszufiltern, von denen eine Gefahr ausgehe.

Potenzielle Gewalttäter werden aufgesucht

Laut «Tages-Anzeiger» werden die Personen, welche auf diese Art herausgefischt werden, von der Polizei frühzeitig kontaktiert und um ein Treffen gebeten. Dieses kann auch an einem neutralen Ort stattfinden. Oft würden die Täter in einem Stadium grosser Hilflosigkeit und Leidensdruck stehen, erklärt Elmar Habermeyer, Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Oft öffnet die Möglichkeit, sich mitzuteilen, bei den Gewaltgefährdeten schon ein Ventil. Durch das persönliche Aufsuchen kann der Person frühzeitig eine geeignete Therapie nahegelegt werden. Das psychiatrische Personal der FFA unterbreitet Polizei und Staatsanwaltschaft auch Vorschläge, wie sie konkret mit der betreffenden Person umgehen sollen.

Um Personen mit Gefahrenpotenzial schnellstmöglich zu identifizieren, sind in den Zürcher Gemeinden in verschiedenen Ämtern, darunter auch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), rund 200 Personen geschult worden. Sie stehen mit den Gewaltschutzstellen in Kontakt und würden diese über sogenannte Gefährder informieren.

Die FFA befindet sich gemäss «Tages-Anzeiger» noch in der Pilotphase. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Fachstelle, die in der Gewaltschutzstelle der Kantonspolizei integriert ist, ab 2016 fester Bestandteil der KAPO Zürich ist.