Zürich
Polizei wertet Videomaterial nach Fussball-Derby aus

Von den Krawallen während des Zürcher Fussball- Derbys vom Sonntagabend zwischen dem Grasshopper Club und dem FC Zürich existieren zahlreiche Videoaufzeichnungen. Spezialisten der Zürcher Stadtpolizei werden das Material im Laufe der Woche sichten.

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Werden an einem Fussballmatch Pyros oder Petarden gezündet, soll das Spiel sofort abgebrochen werden. Diese "Nulltoleranz" forderte der Vorsteher des Stadtzürcher Sportdepartements, Gerold Lauber, am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Er suche deshalb so rasch wie möglich mit den Klubverantwortlichen das Gespräch.

Die Stadt als Eigentümerin des Letzigrund-Stadions und die Klubs als Veranstalter der Spiele könnten nur gemeinsam etwas erreichen, ist der für den Sport verantwortliche Zürcher CVP-Stadtrat überzeugt. "Tragen die Klubs die Nulltoleranz mit, kann man bei der Liga etwas erreichen", sagte Lauber.

Die Swiss Football League (SFL) betonte in einer Mitteilung vom Montag, sie arbeite mit Hochdruck zusammen mit den Klubs und der Polizei daran, Beweismaterial zusammenzustellen. Personen, die Leib und Leben von Zuschauern gefährdeten, hätten in Schweizer Stadien nichts verloren.

Die 226. Begegnung der beiden Zürcher Stadtrivalen Grasshoppers Club und FC Zürich wurde am Sonntagabend rund 14 Minuten vor Spielende abgebrochen, weil es auf den Zuschauerrängen zu Ausschreitungen gekommen war. Jemand hatte zuvor brennende Fackeln in den Zuschauersektor geworfen.

Videos sollen Aufschluss bringen

Von den Krawallen auf den Zuschauerrängen existieren zahlreiche Videoaufzeichnungen. Für die Sicherheit im Stadion ist das Stadionmanagement der Stadt Zürich und in dessen Auftrag eine private Sicherheitsfirma verantwortlich. Diese übergibt nun das Videomaterial der Zürcher Stadtpolizei.

 Beispiel aus dem Jahr 2011: Vermummte GC-Fans provozieren. Darauf stürmten FCZ-Fans von der Südkurve durch die neutrale Osttribüne und warfen eine Leuchtpetarde.
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 Schiedsrichter Sascha Kever unterbrach die Partie, da er der Meinung war, die Sicherheit sei nicht mehr gewährleistet.
 Als das Spiel abgebrochen wurde, führte GC mit 2:1.
 Die Stadtpolizei Zürich konnte Zusammenstösse ausserhalb des Stadions dank konsequenter Trennung der Fangruppen verhindern, wie sie am späteren Sonntagabend selber mitteilte.
 Im Verlauf des Abends hätten nämlich rund hundert Risikofans des FCZ im Kreis 5 noch einmal die Konfrontation mit gegnerischen Fangruppen gesucht.
 Die Clubleitungen zeigten sich nach dem Spiel ratlos. "Ich bin sprachlos", sagte GC-Präsident Roland Leutwiler gegenüber der "Tagesschau" im Schweizer Fernsehen.

Beispiel aus dem Jahr 2011: Vermummte GC-Fans provozieren. Darauf stürmten FCZ-Fans von der Südkurve durch die neutrale Osttribüne und warfen eine Leuchtpetarde.

Keystone

"Spezialisten werden das Material im Laufe dieser Woche auswerten", sagte Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "Wenn die Bilder gut und die Leute darauf erkennbar sind, kann das Material in die Ermittlungen einbezogen werden."

Von den vier am Sonntag Verhafteten war am Montag noch ein 28-Jähriger wegen Verdachts auf Körperverletzung in Haft. Bis am Dienstag entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob er in U-Haft muss.

Gitterzäune als erste Massnahme

In den spielfreien Wintermonaten werden nun "massive bauliche Massnahmen" im Letzigrund vorgenommen. Die verschiedenen Fan-Sektoren werden durch schwere Gitter voneinander abgetrennt. Solche werden auch zwischen dem Spielfeld und den Zuschauertribünen aufgestellt. "So braucht es später vielleicht auch weniger Sicherheitspersonal im Stadion", sagte Lauber.