Zürich

Polizei- und Justizzentrum: Bald ragen Baukräne in den Himmel

Visualisierung: So soll das neue Zürcher Polizei- und Justizzentrum aussehen.

Visualisierung: So soll das neue Zürcher Polizei- und Justizzentrum aussehen.

Nach jahrelanger Planung, heftigen politischen Debatten und zwei Volksabstimmungen kann das Zürcher Polizei- und Justizzentrum (PJZ) endlich gebaut werden. Ab Mai sollen die Baukräne in den Himmel ragen. Den Auftrag hat die HRS Real Estate AG in Frauenfeld erhalten.

"Konzept und Detailplanung liegen vor, wir können der Generalunternehmung die fertigen Pläne übergeben", sagte der Projektdelegierte Hans-Rudolf Blöchlinger am Freitag in Zürich vor den Medien. Sekundiert wurde er von Sicherheitsdirektor Mario Fehr, Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) und Baudirektor Markus Kägi (SVP).

Den Zuschlag für die Realisierung des komplexen Gebäudes auf dem ehemaligen Güterbahnhof erhalten hat die HRS Real Estate AG. Die als Fussballstadionbauer bekannte Frauenfelder Generalunternehmung hat sich in der Endausmarchung gegen das Zürcher Unternehmen Steiner AG und die Implenia AG in Dietikon durchsetzen können.

Es sei ein "hartes Rennen" gewesen, stellte Blöchlinger fest. "Die drei Angebote lagen mit einer Abweichung von rund 3 Prozent erstaunlich eng beieinander". Die HRS offerierte einen Pauschalpreis von 387,8 Millionen, die Steiner AG 391,6 Millionen und die Implenia 398,5 Millionen Franken.

Den Ausschlag zugunsten der HRS gab das wirtschaftlich günstigste Angebot. Die Baukosten liegen damit lediglich 0,2 Prozent über dem vom Kantonsrat genehmigten, teuerungsbereinigten Objektkredit. Das komme einer "Punktlandung" gleich, freute sich Blöchlinger.

Mit den Bauarbeiten gestartet werden soll im Mai. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Vergabe nicht angefochten wird. Ein allfälliger Gang einer der Mitkonkurrenten vors Verwaltungsgericht würde den Baubeginn auf unbestimmte Zeit verzögern, räumte der Projektdelegierte ein. Verläuft alles nach Plan, soll das PJZ Ende 2020 etappenweise bezogen werden.

700 Millionen Franken Totalkosten

Für spezielle Einrichtungen sowie Projektänderungen hat der Regierungsrat zusätzlich 122 Millionen Franken für gebundene Ausgaben bewilligt. 77 Millionen Franken entfallen auf Laboreinrichtungen des Forensischen Instituts, Schulungseinrichtungen der Polizeischule, die Schiessanlage der Kantonspolizei, Informatik- und Kommunikationsanlagen sowie ein Drittel der Mobiliarkosten.

21,9 Millionen Franken verschlingen Projektergänzungen. So wird die Einsatzzentrale, die heute auf dem Kasernenareal untergebracht ist, nun doch ins PJZ integriert. Um weitere 23 Millionen Franken verteuert wurde das Projekt, weil die Planung 2012 neu gestartet werden musste. Unter dem Strich kostet das PJZ damit alles in allem rund 700 Millionen Franken.

Mit dem PJZ werden über 30 Standorte von Polizei und Justiz unter einem Dach vereint. Rund 1800 Personen werden im 280 Meter langen, 80 bis 120 Meter breiten und 35 Meter hohen Gebäude dereinst arbeiten.

Es handle sich um ein hoch komplexes Projekt, das im Verlaufe der Planung zahlreiche Änderungen und Ergänzungen erfahren habe, sagte Blöchlinger. Durch Optimierungen sei es gelungen, minimale Raumreserven zu schaffen, damit das PJZ bei Betriebsaufnahme nicht bereits voll ausgelastet sei.

Anpassungen am Projekt waren zudem aufgrund der technischen Entwicklung nötig. Das Umfeld von Polizei und Justiz habe sich vor allem im Informatik-Bereich rasant verändert, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr. So sei beispielsweise Cyber-Crime vor 15 Jahren noch kaum ein Thema gewesen.

Für Justizdirektorin Jacqueline Fehr wird das PJZ zukunftsweisend sein. Dank flexiblen Strukturen biete es die grosse Chance für neue Zusammenarbeitsformen zwischen verschiedenen Disziplinen. Das sei zukunftsweisend.

Lange Vorgeschichte

Das PJZ-Projekt hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Zum ersten Mal stimmte die Zürcher Bevölkerung 2003 über die Zusammenlegung von Polizei und Justiz auf dem ehemaligen SBB-Güterbahnhof ab.

In der Detailplanung verteuerte sich das Projekt allerdings auf 700 Millionen Franken. Es wurde deshalb 2010 vom Kantonsrat gestoppt. In einer zweiten Abstimmung entschied das Volk 2011, an dem vom Kantonsparlament auf 570 Millionen Franken abgespeckten Projekt festzuhalten.

Das Ja der Stimmberechtigten kam allerdings nur deshalb zustande, weil der Regierungsrat die Zusicherung abgegeben hatte, dass das gesamte Kasernenareal frei werde. Im Laufe der Zeit rückte er davon jedoch wieder ab.

Dies sorgt seither für Missstimmung. Anfang Januar sprach sich der Kantonsrat für eine Parlamentarische Initiative von FDP, GLP und SP aus. Damit soll im PJZ-Gesetz zwingend verankert werden, dass die vollständige Freigabe des Kasernenareals und aller Gebäude erfolgt, wenn der Neubau dereinst steht und bezogen ist.

Zu diesem Vorstoss wollten sich die Regierungsmitglieder an der Medienkonferenz explizit nicht äussern.

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