Gleich mehrere illegale Partys verärgerten am Wochenende lärmgeplagte Anwohner. Bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag musste die Polizei nach Beschwerden zwei Mal ausrücken. Doch die je rund 200 bis 300 Gäste an den beiden Partys am Letten-Viadukt liessen sich nicht beirren und feierten trotz Warnung weiter. Nachdem die Frist zum ungehinderten Abzug ungenutzt verstrichen war, wurden sie mit Megafon aufgefordert, das Areal zu verlassen. Als sie die Polizei jedoch mit Steinen und Falschen zu bewerfen begannen, sah diese sich gezwungen, das Areal mithilfe von Wasserwerfer und dem Einsatz von Gummischrot und Reizstoffen zu räumen.

Auch beim Koch-Areal wurde am Samstagnacht bis in die Morgenstunden eine rauschende Party gefeiert. Doch im Gegensatz zu den Feierndenbeim Viadukt, griff die Polizei weder ein, noch informierte sie die Öffentlichkeit darüber. Die Anwohner, welche sich über den Lärm beschwerten, spiesen sie lediglich mit "wir nehmens ins Protokoll auf" ab - unternommen wurde nichts weiter.

"Die Party beim Viadukt ist nur aufgelöst worden, weil Polizeivorsteher Richard Wolff ein paar hundert Meter Luftlinien entfernt wohnt", behaupten nun böse Zungen gemäss "TeleZüri". Dass die Besetzer vom Koch-Areal ungestört rauschende Partys feiern dürfen, ist kein Novum. Immer wieder verlangen Anwohner die Räumung des Koch-Areals - doch das ist nicht so einfach, wie Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei erklärt.

Polizeieinsatz muss gut überlegt sein

"Es sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe", sagt er gegenüber "TeleZüri". Die Letten-Party sei auf öffentlichem Raum veranstaltet worden, beim Koch-Areal handele es sich jedoch um eine besetzte Liegenschaft. Ein Polizeieinsatz in einer Bausubstanz, wie sie dort anzutreffen ist, müsse sehr gut überlegt sein.

"Zum anderen spielt auch die Haltung der Eigentümerin eine entscheidende Rolle", so Cortesi. Und diese setze auf den Weg des Dialogs. Damit hat er jedoch nicht erwähnt, dass die Arealbesitzerin nicht etwa eine Privatperson, sondern die Stadt Zürich selbst ist.  

Nicht nur die Anwohner, sondern auch FDP-Fraktionspräsident Michael Schmid sieht Handlungsbedarf. "Die Stadt ist in diesem Fall doppelt gefordert", so der FDP-Fraktionspräsident. Einerseits gehe es um die Durchsetzung des Gewaltmonopols, was Aufgabe der Polizei sei, andererseits müsse die Stadt als Liegenschafteneigentümerin dafür sorgen, dass Anwohner nicht belästigt werden. 

Mit dem Polizeieinsatz beim Letten-Viadukt könnte nun auch der Druck steigen, dass das Recht auch beim Koch-Areal konsequent durchgesetzt wird.