Zürich Kreis 4

Politiker wollen jüdische Schule retten: «Wir fordern die EKZ zu Verhandlungen auf»

Die jüdische Tagessschule an der Schöntalstrasse im Zürcher Kreis 4 soll einem Neubau weichen.

Die jüdische Tagessschule an der Schöntalstrasse im Zürcher Kreis 4 soll einem Neubau weichen.

Kantonsräte fast aller Parteien spannen zusammen, um zu verhindern, dass die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich eine jüdische Tagesschule in Zürich abbrechen.

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) wollen eine private jüdische Tagesschule an der Schöntalstrasse im Zürcher Kreis 4 abreissen. Stattdessen planen sie dort einen Neubau mit Wohnungen. Gestern haben 85 Kantonsräte — rund die Hälfte der im Rathaus anwesenden Parlamentarier — eine gemeinsame persönliche Erklärung unterschrieben, mit der sie dies verhindern wollen. Die Erstunterzeichner decken das gesamte Parteienspektrum ab: von den Grünen über die FDP, EDU, SVP, SP, CVP, AL, EVP bis hin zur GLP.

«Mit dem Abbruch des bestehenden Schulhausgebäudes würde die Schulraumnot in der Stadt Zürich massiv verschärft», heisst es in der Erklärung. Und weiter: «Wir fordern mit dieser Petition die EKZ zu Verhandlungen auf, damit ein gleichwertiger Abtausch mit einer anderen Liegenschaft möglich wird.» Laut Erstunterzeichner Robert Brunner (Grüne, Steinmaur) wäre der jüdische Schulverein Zürich, der die Schule betreibt, in der Lage, den EKZ angemessenen Ersatz zu bieten, um andernorts eine Renditeliegenschaft zu überbauen. Auch ein Kauf der Liegenschaft wäre gemäss Brunner möglich.

Die Unterschriftensammlung solle nächste Woche weitergehen, da einige Kantonsräte sich erst einmal genauer mit der Angelegenheit befassen wollten, ehe sie unterschrieben. «Was vielen nicht in den Kopf geht: Warum wollen die EKZ in Zeiten von Schulraumnot ein bestehendes Schulhaus abreissen?», fragte Brunner. In der näheren Umgebung gebe es in Schulwegdistanz keine Schulhäuser, die die 500 Schülerinnen und Schüler aus der Schöntalstrasse aufnehmen könnten.

Von Anfang an Zwischenlösung

Die EKZ halten an ihren Plänen fest, wie ihr Sprecher Noël Graber gestern auf Anfrage sagte. Das Gebäude an der Schöntalstrasse — der ehemalige EKZ-Hauptsitz — sei der jüdischen Schule von Anfang an als befristete Zwischenlösung angeboten worden. Die Schule sei seit 2010 in dem Gebäude. Die Möglichkeit für einen Landabtausch mit Realersatz hätten die EKZ bis Ende 2016 angeboten, was zu keinem Ergebnis führte. «Es wurden Objekte angeboten, allerdings keine gleichwertigen», so Graber. Auch ein Verkauf der Liegenschaft durch die EKZ komme nicht infrage, da es Unternehmensstrategie sei, die eigenen Gebäude zu behalten und zu entwickeln.

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