Zürich

Platznot: Bibliotheken lagern ihre Bücher aus

Die Webcam zeigt: Der Bibliotheksbau in Büron kommt voran.

Die Webcam zeigt: Der Bibliotheksbau in Büron kommt voran.

Die Zentralbibliothek Zürich und fünf weitere Ausleihstätten legen einen Teil ihrer Bestände zusammen und weichen aufs Land aus – denn ihre Regale quellen über.

Trotz Internet und E-Books: In den Bibliotheken wird es eng. Die Zentralbibliothek in Zürich spricht von «akuter Platznot». Ende dieses Jahres seien ihre Magazine voll. «Aufgrund der grossen Zahl neuer Medien, die wir laufend erwerben, gerät unser Standort an seine Kapazitätsgrenzen.»

Mit ähnlichen Problemen kämpfen weitere Bibliotheken. Die Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern hat einen Teil ihrer Bestände ebenfalls längst in provisorischen Aussenlagern platziert. Auch in der Basler Universitätsbibliothek, in den Kantonsbibliotheken von Aargau und Solothurn sowie an der Uni Zürich quellen die Bücherregale über.

Nur noch ein Exemplar

Diese sechs Bibliotheken spannen nun zusammen. In Büron, im Norden des Kantons Luzern, realisieren sie ein gemeinsames Lager. Der Bau der «kooperativen Speicherbibliothek» ist weit vorangeschritten; Anfang 2016 soll sie ihren Betrieb aufnehmen.

Lagerung in Behältern –und bis unter die Decke. Bilder: ZVG

Lagerung in Behältern –und bis unter die Decke. Bilder: ZVG

In dieser Speicherbibliothek, die auf dem Land auf der grünen Wiese erstellt wird und von aussen nicht wie eine ehrwürdige Uni-Bibliothek daherkommt, sondern an eine grosse Industriehalle erinnert, werden die sechs beteiligen Partner einerseits individuell Bücher einlagern. Es wird sich insbesondere um solche handeln, die sie nur selten ausleihen und die damit unnötig Platz wegnehmen. Andererseits werden sie auch einen Teil ihrer Bestände zusammenlegen und «kooperativ lagern». In einem ersten Schritt werden vor allem die wissenschaftlichen Zeitschriften in Büron zentral verwaltet. Während heute dieselbe Ausgabe gleichzeitig sowohl in der ZB in Zürich als auch in der Luzerner Bibliothek archiviert werden kann, werden die sechs Bibliotheken inskünftig jeweils nur noch ein Exemplar physisch erhalten.

Das ermöglicht auch beim bereits vorhandenen Bestand aufzuräumen. Dank dieser sogenannten «Dedoublierung», dem Bereinigen der doppelten Ausgaben, wird Platz eingespart. In einer Modellrechnung gehen die sechs Bibliotheken davon aus, dass sie von den über 923 000 Bänden, die sie im Rahmen der «Erst-Einlagerung» gemeinsam nach Büron verfrachten werden, deren 66 000 «makulieren», also einstampfen, können. Die ZB Zürich hatte schon im Jahresbericht 2014 auf die mögliche Kosteneinsparung hingewiesen: Durch die geplante «Einlagerung dedoublierter Bestände – statt der parallelen Einlagerung von gleichen Beständen – kann jährlich ungefähr eine Million Franken Lagerungskosten eingespart werden.»

Versand innerhalb eines Tages

Auch wenn die Zeitschriften inskünftig im Luzernischen archiviert werden; Studenten und Interessierte werden ihre gesuchten Artikel weiterhin rasch vor sich haben. Die Bestände, die kooperativ gesammelt werden, werden in der Regel zwar nicht mehr physisch herausgegeben; die Artikel werden aber gescannt und per E-Mail verschickt oder auf Papier kopiert und per Post versandt. «Bestellungen werden innerhalb eines Arbeitstages erledigt», heisst es bei der ZB Zürich. In Büron entsteht nun der erste Teil der interkantonalen «kooperativen Speicherbibliothek». Dieser bietet Platz für 3,1 Millionen Bände. Das Gebäude lässt sich durch den Anbau von weiteren Hallen modular erweitern. Im Endausbau böte sich «Speicherraum» für bis zu 14 Millionen Bände. Die Bücher werden dabei nicht in herkömmlichen Regalen aufgereiht, sondern in Behältern in einem teilautomatisierten Hochregallager bis unter die Decke der Halle verstaut.

Dank des Neubaus und der teilweisen Auslagerung nach Büron gewinnt die ZB Zürich an ihrem Stammsitz wieder Raum für Neuanschaffungen. Doch auch das wird nicht ausreichen: Wie es auf der ZB-Internetseite heisst, plant sie, «im Grossraum Zürich – zusätzlich zum bereits bestehenden Aussenlager am Milchbuck – ein weiteres Aussenmagazin zu beziehen.»

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