Schlieren
Platz für Jugendliche im öffentlichen Raum fehlt – sollen die Jungen in der Stadtmitte verweilen?

Der Kulturplatz neben dem künftigen Zentrumskreisel soll Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche bieten, findet der Schlieremer Quartierverein. Die Stadt plant jedoch etwas für alle Generationen.

Alex Rudolf
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Auf der linken Seite wird dereinst ein Kulturplatz gebaut. Eigentlich hätte der Stadtsaal gebaut werden sollen. Die Stimmberechtigten sagten im März jedoch Nein zum Kredit für einen Architekturwettbewerb.

Auf der linken Seite wird dereinst ein Kulturplatz gebaut. Eigentlich hätte der Stadtsaal gebaut werden sollen. Die Stimmberechtigten sagten im März jedoch Nein zum Kredit für einen Architekturwettbewerb.

Sandro Barbieri/ ZVG

Dieser Tage jährt sich das Nein zum Skatepark im Zelgli-Quartier zum zweiten Mal. Das Schlieremer Parlament verweigerte im Juli 2016 einen Nachtragskredit in der Höhe von 231'000 Franken für das Freizeit-Angebot für Jugendliche. Dieses Geld wäre notwendig geworden, weil Einsprachen durch Anwohner das Unterfangen verteuerten. 15 Gemeinderäte von Mitte-links sprachen sich damals für den Zusatzkredit aus, 15 Gemeinderäte von der bürgerlichen Seite dagegen. Der damalige Parlamentspräsident hatte den Stichentscheid zu fällen und sandte das Vorhaben – ursprünglich hatte es 350'000 Franken gekostet – bachab.

Während der Debatte streiften sich Gaby Niederer (Quartierverein) und ihre beiden Fraktionskollegen Baseball-Mützen über, um Solidarität mit den Jugendlichen zu zeigen. An der Sitzung vom vergangenen Montag rückte Niederer abermals den Fokus auf den fehlenden Platz für Jugendliche im öffentlichen Raum – diesmal, ohne eine Baseball-Mütze zu tragen.

Kulturplatz für die Jugend?

Weil Niederers Anliegen im Vorfeld der letzten Fragestunde nicht richtig weitergeleitet wurde, erhielt sie nun am Montag eine Gelegenheit, ihre Vorstellungen beim Stadtrat zu platzieren und Antworten zu fordern. Sie stellte fest, dass es nur für fussballspielende Jugendliche viele Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum gebe. Alle anderen hätten dies nicht. Weiter verwies sie auf den vom Schlieremer Stimmvolk Anfang März abgelehnten Architektur-Kredit für einen Stadtsaal. Dieser hätte westlich des derzeit im Bau befindlichen Zentrumskreisel mit Flügeldach auf dem sogenannten Kulturplatz erstellt werden sollen. «Nun muss dieses Stück Land neu gestaltet werden», so Niederer. Sie wollte sogleich wissen, ob die Stadt Pläne für die Jugend habe.

Aus der FDP und aus dem QV kamen in jüngster Zeit Vorstösse, die eine Erweiterung des Freizeit-Angebots für die Jungen forderten. Neben einem Seilpark im Schlieremer Wald wurde auch ein Biketrail gefordert. Diese Vorhaben scheiterten jedoch.

Dass der Kulturplatz dereinst ein Treffpunkt für die Schlieremer Jugend wird, ist jedoch nicht das Ziel des Stadtrats. Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) sagte in der Sitzung von Montagabend, dass der Kulturplatz kein exklusiver Platz sein werde. «Er soll von möglichst vielen Personen genutzt werden, somit multifunktional sein.» Das angedachte Angebot sei aber dennoch jugendfreundlich. «Die Stadt sieht vor, Laufstrecken und eine Aussenbühne zu erstellen, wo dereinst Konzerte, auch für Junge, stattfinden können», so Bärtschiger weiter. Auch sei geplant, ein niederschwelliges Konsumangebot zu lancieren.» Intern werde dieses «KioskPlus» genannt, wie Bärtschiger erklärte. Dort soll mehr als nur Schleckware erhältlich sein. Der Planungsprozess sei jedoch noch lange nicht abgeschlossen und die Schlieremerinnen und Schlieremer seien eingeladen, ihre Ideen und Wünsche der Stadt mitzuteilen. Auch werden Parlament und Volk sicher das letzte Wort haben. Denn: «Das Projekt Kulturplatz wird etwas kosten», so Bärtschiger.

Mit dieser Antwort zeigte sich Niederer gestern auf Anfrage soweit zufrieden, wenn auch die Vorschläge noch wenig konkret seien. «Ich hatte mir beispielsweise vorgestellt, dass man ein eingezäuntes Spielfeld für verschiedene Sportarten machen könnte», sagt sie. Doch stecke die Planung in den Kinderschuhen: «Vieles ist noch offen. Wir sind bei der Ideenfindung gerne dabei und wollen mitgestalten.»

Stadt muss Lösungen suchen

Obwohl der Stadtplatz bereits im kommenden Herbst und die Verlängerung der Tramlinie 2 zwischen Zürich Farbhof und Schlieren Geissweid ein Jahr später in Betrieb genommen werden, dauert es noch eine Weile, bis der Kulturplatz fertig ist. Wie anlässlich der letzten Fragestunde des Schlieremer Parlaments bekannt wurde, mietet die Limmattalbahn AG den Kulturplatz noch für weitere Jahre als Installationsplatz. Spätestens im Jahr 2023 sollten die letzten Bagger abgezogen sein. «Es bleibt natürlich die Hoffnung, dass der Platz schon früher nicht mehr als Abstellplatz genutzt wird», so Bärtschiger.

Dies findet Niederer problematisch. Denn: «Dass man diesen Platz noch über Jahre hinweg mit Baumaschinen zugestellt lassen will, verhindert das Leben im Zentrum.» Hier müsse die Stadt nach Lösungen suchen.