Die SBB sind eigentlich mehrere Unternehmen. Transport, Infrastruktur, Güterverkehr, Immobilien  der Konzern ist in vier Divisionen und acht weitere Bereiche aufgeteilt. Das kann den Dialog mit Politik und Verwaltung erschweren. Wer ist zuständig? Wer koordiniert im konkreten Projekt? Ist das nicht klar, kann das für beide Seiten unangenehm sein. Die SBB habe daher den Regionen Gesamtplanungen angeboten – staatlicherseits ist man gerne darauf eingestiegen. So erklärte es der Zürcher Kantonsplaner Wilhelm Natrup auf Anfrage.

Das Resultat dieser Planung wurde am Freitag nun feierlich unterzeichnet, unter anderem von Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP), Baudirektor Markus Kägi (SVP) und SBB-CEO Andreas Meyer. Das Dokument trägt den Titel «Gesamtperspektive Zürich». Sie ist die mittlerweile siebte, welche die SBB mit einer Region verfasst haben. Wobei Zürich die einzige ist, die nur einen Kanton umfasst.

Zeichen stehen auf Wachstum

Carmen Walker Späh verwies auf die grossen Herausforderungen, die sich dem Kanton Zürich bis 2030 stellen: ein vorausgesagtes Plus an Einwohnern von 15 Prozent, eine Zunahme der Pendlerströme um 22 Prozent und der Güterverkehrsleistung um 20 Prozent. Dabei soll eine weitere Zersiedelung möglichst vermieden werden, verlangt der kantonale Richtplan. Die Entwicklung soll nach innen erfolgen, rund 80 Prozent des Bevölkerungswachstums im urbanen Raum stattfinden. Hinzu kommt das Gesamtverkehrskonzept des Kanton Zürich. Es sieht eine Steigerung des öV-Anteils am Gesamtverkehr von 30 auf 40 Prozent vor. Somit sei eine gute Zusammenarbeit mit den SBB äusserst wichtig, betonte Walker Späh. Es gehe darum, dass der Kanton Zürich als Standort attraktiv bleibe.

Dass man sich der Bedeutung Zürichs bewusst ist, unterstrich CEO Meyer mit dem Verweis darauf, dass die SBB bis 2030 drei Milliarden Franken im Kanton Investieren werden: davon eine ins Rollmaterial, eine in die Infrastruktur und eine in die Erneuerung von Bahnhöfen.

Fünf Schwerpunkte

Fünf Schwerpunkte wurden für die Zusammenarbeit definiert:

  • Aktives Mobilitätsmanagement zusammen mit Unternehmen, Schulen und weiteren Institutionen. Ziel: Die Auslastung des öV in Spitzenzeiten reduzieren.
  • Bahnhofsnahe SBB-Areale sollen auch unter dem Aspekt von Standortattraktivität und Lebensqualität entwickelt werden. Als konkretes Beispiel wurde gestern eine entsprechende Vereinbarung der SBB mit der Stadt Dietikon erwähnt. Generell sollen Gemeinden und Bevölkerung bei Arealentwicklungen aktiv einbezogen werden.
  • Die Infrastrukturen an Bahnhöfen soll auf bestmögliche Umsteigemöglichkeiten hin koordiniert sein. Es sollen direkte Zugänge für Fussgänger und Velofahrer sichergestellt sein. Als Beispiel angeführt wurde eine erfolgreiche Testplanung für den HB Winterthur ab 2050.
  • Der Transport von Gütern soll wirtschaftlich, leistungsfähig und umweltgerecht erfolgen. Bis 2019 erstellt der Kanton Konzepte zu Kies- und Aushubverkehr sowie zum Güterumschlag.
  • Innovative und individualisierbare Mobilitätslösungen werden vorangetrieben. Die Stichworte dazu: einfache Planbarkeit einer Reise; von Tür zu Tür mit verschiedenen Verkehrsträgern. Bis 2020 wollen SBB und Kanton Standorte und Funktionen von Mobilitäts-Hubs festlegen.

Dem unterzeichneten Papier (auffindbar auf der Website der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion über das Suchwort «Gesamtperspektive») ist ein Arbeitsprogramm angehängt. Dieses umfasst 45 laufende Planungen.

Dem Akt der Unterzeichnung war eine Fahrt im neuen SBB-Doppelstöcker von Bombardier vorangegangen. Sie begann in Oberwinterthur und führte auf einer eigens zusammengestellten Route an einer Anzahl der Planungsobjekte vorbei, etwa: Winterthur Gleisraum (Arealentwicklung), Effretikon (Entwicklung Bahnhofareal), Regensdorf-Watt (Aufwertung Bahnhofgebiet), Zürich Altstetten (städtebauliche und verkehrsfunktionale Neugestaltung), Zürich Hardfeld (Arealentwicklung mit Mehrfachnutzung).

Erst der Anfang

An der Fahrt nahmen neben Vertretern der Medien solche von Verwaltung und SBB teil. Der Winterthurer Stadtbaumeister Jens Andersen war als einer von wenigen kommunalen Amtsträgern mit dabei. Er wies darauf hin, dass der Bahnhof Winterthur mit dem geplanten Brüttenertunnel (mögliche Fertigstellung 2035) fast doppelt so viele Passagiere erhielte. Er zeigte sich beeindruckt, wie sehr man mit der Gesamtperspektive schon ins Detail gelangte.

Auch Kantonsplaner Wilhelm Natrup betonte, dass der Prozess Hand und Fuss habe und nun auch weiterverfolgt werde. Vier Sitzungen auf Amtschefebene seien schon vereinbart. Es gibt einen Steuerungsausschuss. Auf Stufe Regierung/Konzernleitung soll mindestens ein Treffen pro Jahr stattfinden.