Fremdspracheninitiative
Plakatsujet spaltet Initiativgegner

FDP und Linke fahren separate Kampagnen.

Matthias Scharrer
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Umstritten: Das Plakat der FDP-Kampagne gegen die Fremdspracheninitiative.

Umstritten: Das Plakat der FDP-Kampagne gegen die Fremdspracheninitiative.

KEYSTONE

Nach den Befürwortern der von Lehrerverbänden lancierten Volksinitiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule» trat gestern auch das Nein-Komitee vor die Medien. Auffällig: Am Tisch sassen zwei FDP-Vertreterinnen und ein Wirtschaftsvertreter. Vertreter der Linken, die die Initiative ebenfalls bekämpfen, fehlten jedoch.

Darauf angesprochen, sagte FDP-Kantonsrätin Cäcilia Hänni, es seien auch Grüne in ihrem Komitee. Und die CVP werde sich erst an ihrer Delegiertenversammlung am 10. April auf ihre Parole festlegen. Hänni weiter: «SP, AL und VPOD fahren ihre eigene Schiene. Ihnen gefiel das Plakatsujet nicht so gut. Zudem legen sie das Schwergewicht darauf, dass zwei Fremdsprachen an der Primarschule erhalten bleiben.» Anders die FDP-Kampagne: Sie läuft unter dem Motto «Keine Abschaffung von Früh-‹English›». Gezeigt wird dazu ein blonder Junge mit weissem Hemd, roter Fliege, riesiger Brille und erhobenem Zeigefinger.

Katrin Meier von der Gewerkschaft VPOD bestätigt: Der FDP-Fokus aufs Frühenglisch sei ein Grund, warum die Linke nun ihre eigene Nein-Kampagne fahre. Auch über das Plakatsujet habe man sich mit der FDP nicht einigen können: «Es gibt nicht nur diese eine Art von Kind, sondern Kinder mit verschiedenen kulturellen und Bildungs-Hintergründen.» Das Ziel der Linken sei aber dasselbe: Auch nach der kantonalen Abstimmung am 21. Mai sollen an Zürcher Primarschulen Englisch und Französisch unterrichtet werden.

FDP-Kantonsrätin Hänni zeigte sich überzeugt, dass bei einem Ja zur Initiative der Englisch-Unterricht aus der Primarschule verbannt werde. Darauf liessen Äusserungen des Bundesrats schliessen, der dann das Heft in die Hand nähme. Auch die Zürcher Regierung hat sich dahin gehend geäussert. Frühenglisch sei aber für den Wirtschafts- und Forschungsstandort Zürich «essenziell», so Hänni. Und Französisch bleibe als zweite Landessprache wichtig.

«Mehrheit ist nicht überfordert»

Die Hauptargumente der Initianten lauten: Schüler seien mit zwei Fremdsprachen an der Primarschule oft überfordert, der Primarschul-Lehrplan sei überfrachtet – und am Ende der Schulzeit wären die Sprachkenntnisse mindestens gleich gut, wenn die zweite Fremdsprache erst ab Sekundarstufe unterrichtet würde. Die FDP-Vertreterinnen Hänni und Vera Lang, die auch Präsidentin des Verbands Zürcher Schulpräsidien ist, versuchten dies mit Verweis auf wissenschaftliche Studien zu entkräften: «Die grosse Mehrheit der Kinder ist mit zwei Fremdsprachen nicht überfordert», sagte Hänni.

Lang doppelte nach: Kinder, die in der 3. Klasse mit Englisch starteten, würden auch beim anschliessenden Französischunterricht besser reüssieren. Hänni weiter: «Der Lehrplan ist nicht überfrachtet.» Schliesslich sehe er vor, dass die Lernziele in 80 Prozent der in der Primarschule verfügbaren Zeit vermittelt würden. 20 Prozent stünden für weitere Inhalte zur Verfügung.

Zudem kämen mit dem Lehrplan 21 ab 2018 noch die Fächer Medien und Informatik hinzu, so Lang. Und für Informatik brauche man ebenfalls Englisch-Kenntnisse. «An Englisch führt kein Weg vorbei», bilanzierte Andres Iten, Vorstandsmitglied der Zürcher Handelskammer. «Und je früher man damit anfängt, desto mehr wird es verinnerlicht.» Die Wirtschaft stehe hinter Frühenglisch. Neben der Handelskammer zählt auch der kantonale Gewerbeverband zum FDP-geführten Komitee.