Flughafen Zürich
Pistenverlängerung erleidet im Kantonsrat eine Bruchlandung

Bruchlandung für die Pistenverlängerungen am Flughafen Zürich: Der Kantonsrat hat am Montag überraschend den Eintrag für mögliche Pistenausbauten aus dem Richtplan gekippt. Bern hatte mit diesem Richtplaneintrag eigentlich fest gerechnet.

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Trotz der Entscheidung vom Montag wird der Bund das letzte Wort über mögliche Pistenverlängerungen haben.

Trotz der Entscheidung vom Montag wird der Bund das letzte Wort über mögliche Pistenverlängerungen haben.

Keystone

Auf der Suche nach einem neuen An- und Abflugregime ist es für den Bund eigentlich klar, dass die Westpiste 10/28 um 450 Meter und die Piste 14/32 um 400 Meter verlängert werden müssen. Auch nach Ansicht des Flughafens sind die Ausbauten unverzichtbar, damit die heutige Kapazität unter dem neuen Staatsvertrag mit Deutschland aufrechterhalten werden kann.

Doch während der Regierungsrat und die vorberatende Kommission bereit waren, das Land für allfällige Verlängerungen zu sichern, stellte sich der Kantonsrat am Montag quer: Er lehnte den Eintrag mit 93 zu 76 Stimmen ab. Der Streichungs-Antrag kam von den Grünen, die eine Pistenverlängerung bereits im Ansatz verhindern wollten.

Zum Durchbruch verhalfen ihm aber ein gutes Dutzend Abweichler aus den bürgerlichen Reihen, die alle persönlich von längeren Pisten betroffen wären. So beispielsweise Ursula Moor (SVP) aus Höri. Sie bezeichnete die Verlängerungen als unnötig. "Der Flughafen kann auch mit dem heutigen Pistensystem wachsen."

Stocker : "Ein schlechtes Zeichen nach Bern"

Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) versuchte vergeblich, den Parlamentarierinnen und Parlamentariern ins Gewissen zu reden. "Denken Sie nicht nur an Ihr Heimetli und Ihren Gartenzaun." Der Landesflughafen Zürich sei eine gesamtschweizerische Angelegenheit. Sage Zürich Nein, sei das ein ganz schlechtes Zeichen nach Bern.

Sein Appell nützte nichts. Der Richtplan wurde schliesslich mit 130 zu 40 Stimmen gutgeheissen - einfach ohne die Knacknuss Pistenverlängerungen. Verunmöglicht sind Ausbauten mit diesem Entscheid allerdings nicht: Das letzte Wort hat hier nämlich der Bundesrat, der diesen Richtplan noch genehmigen muss. Ob er dies tun wird, zeigt sich in den kommenden Monaten.

Der Bundesrat werde die Streichung der Pistenverlängerung sicher "genau und kritisch" anschauen, sagte Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL), auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Stocker befürchtet, dass sich das Zürcher Nein langfristig als Bumerang erweisen könnte. Es gebe Kräfte in Bern, die lieber ganz allein über den Flughafen entscheiden wollten - ohne die Zürcher zu fragen. "Und diese Kräfte werden stärker, je komplizierter die Situation hier wird."

Nebeneffekt des gekippten Richtplaneintrags ist auch, dass das Volk seine Meinung dazu nicht abgeben kann. Flughafenfreundliche Kreise haben deshalb bereits eine Pisten-Initiative angekündigt. So erhalte das Volk doch noch die Gelegenheit, sich zu Ausbauten zu äussern, sagte FDP-Kantonsrätin Carmen Walker Späh (Zürich).

Den Initianten geht es dabei aber nicht zuletzt darum, die Verlängerungen doch noch im Richtplan unterzubringen. Bei vergangenen Flughafenabstimmungen äusserte sich das Zürcher Volk meist sehr wachstumsfreundlich.

Neue Grenze für belärmtes Gebiet

Ganz nach Plan lief es für den Regierungsrat hingegen beim Richtplaneintrag für die Abgrenzungslinie (AGL). Diese legt künftig die Grenze für das stark belärmte Gebiet um den Flughafen fest. Die AGL wurde so gelegt, wie sie der Betriebsvariante E DVO entspricht - jener Variante, die auch der Bund vorläufig vorzieht. Dieses An- und Abflugregime würde vor allem für den Osten mehr Lärm bedeuten.

Innerhalb dieser Linie soll kein neues Siedlungsgebiet eingezont werden. Wenn gebaut wird, ist dies nur noch mit Lärmschutzmassnahmen erlaubt. Damit sind nicht nur Schallschutzfenster gemeint, sondern auch lärmschützende Gebäudehüllen und Komfortlüftungen, damit die Bewohner die Fenster nicht öffnen müssen.

Der Haken an der AGL: Diese Grenze ist nicht fix, sondern kann vom Bund je nach Entwicklung nach aussen oder nach innen verschoben werden. "Natürlich sieht langfristige und sichere Planung anders aus", räumte Stocker ein. Aber man wolle das Gebiet immerhin so gut wie möglich definieren.