Es dreht sich alles um die Mobilität der Zukunft: Die drei Finalisten des diesjährigen ZKB Pionierpreises Technopark 2018 fokussieren darauf, wie sich Menschen künftig fortbewegen, wie betagte und eingeschränkte Personen von einem Ort zum anderen gelangen und wo künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen kann.

«Wir haben die Finalisten ausgewählt, weil sie etwas umsetzen, das auf dem Markt Bestand haben kann», sagte Gian Luca Bona, Stiftungsratspräsident des Technoparks Zürich, Vorsitzender der Pionierpreis-Jury und Direktor der Forschungsinstitution Empa, am Freitag vor den Medien. Allen drei Zürcher Jungunternehmen attestiert Bona «besonderen Pioniergeist» sowie «soziale Relevanz».

Ein Team aus drei Studenten der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste setzen diese Kriterien mit ihrem treppensteigenden Rollstuhl um. Das Gefährt ist wie ein Segway selbstbalancierend und kann deshalb unebenes Terrain, wie nicht ebenerdige Tramtrassees oder Waldwege, befahren, ist mit der 360-Grad-Drehungs-Funktion beweglich und kann mit dem integrierten Raupensystem Treppen hinauf- und hinunterfahren.

Scewo stellt einen treppensteigenden Rollstuhl her

Scewo stellt einen treppensteigenden Rollstuhl her.

Der Rollstuhl des Zürcher Start-ups funktioniert wie ein Segway inklusive Raupensystem.

Für Mitgründer Thomas Gemperle ist die Bedarfslücke bei Rollstuhlgängern offensichtlich: «Wir verbessern die Lebensqualität von Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Freiheit erreicht man lediglich mit Selbstständigkeit.» So hat das dreiköpfige Team seit 2014 im Austausch mit Ärzten, Betroffenen und Ingenieuren den «Rollstuhl der Zukunft» entwickelt, dessen Batterie für eine Strecke von bis zu
25 Kilometern reicht.

Der Prototyp weist den Weg

Dem Motto Unabhängigkeit und Agilität hat sich auch das Zürcher Jungunternehmen Myoswiss verschrieben: «Wo alltägliche Aktivitäten wie das Aufstehen von einem Stuhl oder das Treppensteigen grosse Anstrengungen bedeuten, setzen wir mit unserem Anzug an», sagte Mitgründer Kai Schmidt.

Die Myoswiss AG verbessert die Mobilität von betagten, muskelschwachen Menschen

Die Myoswiss AG verbessert die Mobilität von betagten, muskelschwachen Menschen mit einem funktionellen Anzug, der mittels Robotertechnologie funktioniert.

Die vom Start-up entwickelte Hose kombiniert Roboter- mit Textiltechnologie und soll betagten, muskelschwachen Menschen weiterhin Bewegungsfreiheit ermöglichen. Dies funktioniert dank eines rund ein Kilogramm schweren Batterie- und Technikrucksacks sowie Sensoren an Knien und Hüften.

Sie erkennen, welche Bewegung ausgeführt werden soll, indem sie unterstützenden Schub geben. So verleiht der intelligente Anzug Auftrieb, wenn eine Person eine Treppe hinaufsteigt, oder unterstützt sie beim Hinsetzen.

Der geräuschintensive Prototyp des Start-ups konkurrenziert mit seinen fünf Kilogramm Gewicht die deutlich schwereren Exoskelette – sogenannte Stützorthesen, die bis zu 20 Kilogramm wiegen. Dennoch ist das Anziehen des Anzugs noch relativ schwierig, wie Schmidt sagte. «Bei den Test stellte sich heraus, dass sich die Klettverschlüsse im Hüft- und Kniebereich nicht für motorisch schwache Personen eignen.»

Die Hose mit integrierter Robotertechnologie soll betagten, muskelschwachen Menschen Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Die Hose mit integrierter Robotertechnologie soll betagten, muskelschwachen Menschen Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Entsprechend soll der Anzug bei der Markteinführung primär im klinischen Bereich als Trainingsgerät eingesetzt werden. Zu den aktuellen Partnern zählt das Jungunternehmen bereits das Universitätsspital Zürich sowie die Universitätsklinik Balgrist.

Den Menschen ersetzen

Nicht der Fortbewegung am Boden, dafür jener in der Luft widmet sich der dritte Finalist im Rennen um den Pionierpreis. Das Zürcher Start-up Daedalean entwickelt unter Luuk van Dijk ein Autopilotsystem, das den menschlichen Piloten vollständig ersetzen kann. Ziel der Firma ist es, selbstfliegende Kleinflugzeuge zu entwickeln, die kaum teurer sind als ein Sportwagen.

Daedalean will mit künstlicher Intelligenz Piloten ersetzen

Daedalean will mit künstlicher Intelligenz Piloten ersetzen.

Das Zürcher Jungunternehmen rechnet damit, dass in rund drei Jahren, die ersten selbstfliegende Passagierflugzuege auf den Markt kommen.

Van Dijk ist vom Erfolg des Autopiloten überzeugt: «75 Prozent der Unfälle in der Luft geschehen durch menschliche Fehler.» Der Vorteil künstlicher Intelligenz sei, dass ein Autopilot Flugerfahrung kumuliere, die mehr Trainingsstunden umfasse, als ein Mensch in seinem Leben überhaupt je sammeln könne.

Welcher der drei Finalisten gemäss Jury am meisten Pioniergeist versprüht, zeigt sich am Dienstag, wenn der mit knapp 100 000 Franken dotierte Preis überreicht wird.