Wenn die berüchtigten «Pink Panther» eine Bijouterie überfallen, läuft dies meist nach gleichem Muster ab: Ein Bandenmitglied nähert sich kurz nach Ladenöffnung der Eingangstür und mimt den interessierten Kunden. Kaum ist er ins Geschäft eingetreten, zückt er eine Maschinenpistole und zwingt das Verkaufspersonal auf den Boden. Zwei Mittäter rücken nach, wobei der eine die Eingangstür mit einem Gegenstand blockiert, damit sich die automatische Tür nicht schliessen kann.

Von innen räumen die bewaffneten Räuber dann die Schaufenster mit den teuersten Auslagen aus, sie zertrümmern Glasvitrinen und stopfen deren Inhalte in mitgebrachte Umhängetaschen. Nach rund ein bis drei Minuten gibt einer der Räuber das Kommando «Let’s go!». Die Täter stürmen aus dem Juwelier-Geschäft und machen sich mit einem Fahrzeug, das samt dem vierten Komplizen vor dem Geschäft bereit steht, aus dem Staub.

Unterwegs wechseln die Räuber ihr Fluchtfahrzeug ein- bis zweimal. In den zurückgelassenen Autos versprühen sie jeweils eine Flüssigkeit, welche allfällige Spuren beseitigt. Die meist PS-starken Autos haben die Räuber in den Tagen vor der Tat entwendet und mit einem gefälschten oder ebenfalls gestohlenen Nummernschild versehen.

Die «Pink Panther»-Bande soll rund 200 Mitglieder – vorwiegend aus dem ehemaligen Jugoslawien – umfassen. Sie schlagen in unterschiedlichen Zusammensetzungen weltweit zu und gelten als gewaltbereit.

Ende August steht ein mutmassliches Mitglied der «Pink Panther» vor dem Zürcher Bezirksgericht. Der heute 37-jährige Beschuldigte stammt aus Serbien. Im März 2016 verhafteten ihn Mitglieder des Grenzwachtkorps, als er am Grenzübergang Au SG nach Österreich ausreisen wollte. Der Mann sass bis Ende November 2017 in Polizei- und Untersuchungshaft. Seither befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Schmuck für 20 Millionen

Der Beschuldigte war laut Anklageschrift zwischen März 2008 und Februar 2016 an neun Raubüberfällen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Der Verkaufswert der erbeuteten Schmuckstücke und Luxus-Uhren beläuft sich auf rund 20 Millionen Franken.

Nach den Raubzügen reiste der Serbe jeweils nach Belgrad. Dort nahm er von einem weiteren Bandenmitglied seinen üblichen Lohn von 30'000 Euro entgegen.

Mit den Bijouterien Gübelin und Türler sowie dem Schmuck-Grosshandel Harry Hofmann an der Rämistrasse waren dreimal Geschäfte in Zürich Ziel der Überfälle. Wert der gesamten Beute: gut 16 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft fordert für den mutmasslichen Räuber eine unbedingte Gefängnisstrafe von 16 Jahren und einen Landesverweis von 15 Jahren.