Stehen zu wenig Parkmöglichkeiten zur Verfügung, führt dies zu sogenanntem Suchverkehr. Autofahrer, die Ausschau nach einer Abstellmöglichkeit halten, fahren – eigentlich unnötig – durch die Stadt und verstopfen die Strassen.

Laut Studien von Verkehrsexperten gilt eine Quote von rund 15 Prozent freien Parkfeldern in einem Gebiet als ideal. So stünden genügend Abstellmöglichkeiten zur Verfügung, während die Parkplatzbelegung nicht allzu stark eingeschränkt werde.

Der Preis soll’s richten

Die Gemeinderäte Martin Probst (Grüne) und Guido Trevisan (Grünliberale) wollen genau diese Quote nun in der Zürcher Innenstadt erreichen. In einem Postulat fordern sie, dass ein Pilotprojekt mit «flexiblen Parkplatzgebühren» vorangetrieben wird.

Dies, sagt Probst, könnte die stets emotional geführte Parkplatzdebatte versachlichen. «Stehen zu jeder Zeit freie Parkplätze zur Verfügung, profitieren alle.» Und um dies zu erreichen, müssten nicht, wie von bürgerlicher oder gewerblicher Seite stets vorgebracht, mehr Abstellplätze erstellt werden – die bestehenden sollen vielmehr über den Preis besser reguliert werden.

Eine Idee, die auf bürgerlicher und gewerblicher Seite, die seit Jahrzehnten im links-grünen Zürich um jedes einzelne Parkfeld verbissen streitet, nicht gut ankommen dürfte. Probst versteht dies nicht: Indem der Markt spiele und der Preis über Nachfrage und Angebot geregelt werde, würde ja einer urliberalen Forderung nachgekommen.

So hat auch der wirtschaftsfreundliche Think Tank «Avenir Suisse» schon vor zwei Jahren «lageabhängige Parkgebühren auf öffentlichem Grund» angeregt. Die optimale Frei-Quote von 15 Prozent «könnte am besten über den Preis erreicht werden», hielt Avenir-Suisse-Projektleiter Marco Salvi fest. Denn Stau und Suchverkehr in der Innenstadt bei gleichzeitig schlecht belegten Parkhäusern «sind ein unverkennbares Symptom zu tiefer Gebühren für Parkplätze am Strassenrand.»

Laut einer Studie, welche die Stadt in Auftrag gegeben hatte, waren 2010 in den Strassen der Zürcher Innenstadt an einem Donnerstag durchschnittlich neun Prozent der Parkfelder frei, am Samstag waren es nur drei Prozent.

In den Quartieren Oerlikon und Wipkingen waren hingegen jeweils bis zu 20 Prozent der Abstellplätze unbelegt. Und sowohl in der Innenstadt als auch in den Quartierzentren wiesen die Parkhäuser gegenüber der Strassenparkierung deutlich mehr freie Plätze auf.

Um nun überall auf einen Wert von rund 15 Prozent freier Parkfelder zu kommen, stellen sich Martin Probst und Guido Trevisan ein System vor, bei dem die Parkgebühren variabel sind – je mehr Felder besetzt sind, desto teurer werden die weniger werdenden freien Parkplätze.

Günstiger an der Peripherie

Laut Probst soll so der Suchverkehr reduziert werden, und damit der Verkehr auf den Strassen generell reduziert und verflüssigt werden. Dass Autolenker, die vor einem Parkhaus stehen, das plötzlich teurer geworden ist, doch wieder durch die Quartiere fahren, um eine günstigere Abstellmöglichkeit zu finden, glaubt der grüne Politiker nicht.

Es werde sich einspielen, ist Probst überzeugt. «Wer in einer Spitzenzeit in die gut vom öffentlichen Verkehr erschlossene Innenstadt will, der leistet sich diesen Luxus bewusst – oder er stellt sein Auto von Beginn an in der günstigeren Peripherie ab und fährt mit Bahn oder Tram in die City.» 

Für Handwerker oder Servicebeauftragte schlagen die Postulanten eine Sonderregelung vor. Sie denken etwa an umgenutzte Bereiche, in denen Fahrzeuge für den Güterumschlag oder für Handwerkereinsätze kurzzeitig halten dürfen.

Probst und Trevisan hoffen nun auf eine sachliche Parkplatzdiskussion in Zürich. Und sie glauben, dass sich die Zürcher Innenstadt für ein Pilotprojekt ideal eignen würde. Avenir-Suisse-Projektleiter Salvi hatte seinen Text, der unter dem Titel «Parken leicht gemacht» stand, eher skeptisch geschlossen: «In der Verkehrspolitik werden marktbasierte Steuerungsinstrumente leider noch immer mehr als Gefahr denn als Chance betrachtet.» In San Francisco (siehe Box) läuft ein ähnlicher Versuch erfolgreich.