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Piloten der Airberlin-Tochter Belair drohen mit Streik

Bei Belair, der Schweizer Tochter der deutschen Fluggesellschaft Airberlin, stehen die Zeichen auf Sturm: Die Pilotengewerkschaft droht wegen gescheiterten Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen mit einem Streik.

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Airberlin-Tochter Belair (Themenbild).

Airberlin-Tochter Belair (Themenbild).

Keystone

Bei Belair, der Schweizer Tochter der deutschen Fluggesellschaft Airberlin, stehen die Zeichen auf Sturm: Die Pilotengewerkschaft droht wegen gescheiterten Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen mit einem Streik.

Belair habe die Arbeitsbedingungen der Piloten massiv verschlechtert, heisst es in einer Mitteilung der Pilotenvereinigung belpers vom Dienstag. Die Piloten hätten mit den neuen Arbeitsverträgen im Schnitt Einkommenseinbussen von über 30 Prozent. Zusätzlich sei die mögliche Arbeitszeit - gemessen an den Anzahl Arbeitstagen pro Jahr - durchschnittlich um 18 Prozent erhöht worden.

Die Unternehmensleitung habe Gespräche mit der Pilotenvereinigung über einen Gesamtarbeitsvertrag bislang abgelehnt, obwohl die Piloten auf diesem Weg substantielle Einsparungen offerierten. Ein Vermittlungsverfahren vor dem kantonalen Einigungsamt Zürich sei gescheitert.

"Es werden keine gemeinsamen Lösungen gesucht, sondern Veränderungen nach den Vorstellungen des Managements einseitig erzwungen", heisst es in der Mitteilung. Die Existenzängste und die Abhängigkeit der Piloten vom Arbeitgeber würden ausgenützt. "In der Schweiz sind kaum freie Stellen vorhanden, und in den seltensten Fällen wird die gesammelte Berufserfahrung anerkannt."

In einer Urabstimmung hätten 92 Prozent der stimmberechtigten Mitgliedern Arbeitskampfmassnahmen zugestimmt, teilte belpers weiter mit. Die Vereinigung habe rund 80 Mitglieder mit Stimmrecht, sagte Präsident Arne von Schneidemesser auf Anfrage. Wie belpers in der Mitteilung schreibt, reichen die Möglichkeiten "bis hin zur vollständigen Bestreikung der Airberlin-Flüge ab der Schweiz".

Kosten stiegen wegen starkem Franken

Airberlin sei in einem Restrukturierungsprozess, begründete Sprecher Aage Dünhaupt auf Anfrage die neuen Arbeitsverträge. Die Rahmenkonditionen im gesamten Unternehmen müssten wettbewerbsfähig sein.

Airberlin habe die Arbeitsbedingungen auch angepasst, weil die Kosten der Belair wegen des stärkeren Frankenkurses in den letzten Jahren gestiegen seien. Die Arbeitszeit ist gemäss Dünhaupt erhöht worden, weil Belair bislang den Piloten mehr Freizeit gewährte als gesetzlich nötig.

Mehrheit stimmte neuen Verträgen zu

Die Pilotenvereinigung hatte laut dem Sprecher vorbehaltlose Gespräche über die Arbeitsbedingungen verlangt. Airberlin sei zwar gesprächsbereit, aber nur mit der Restrukturierung als Gesprächsbasis.

"Ein grosse Mehrheit der Piloten hat den neuen Verträgen bereits zugestimmt", sagte Dünhaupt. Das gleiche gelte für die übrigen Mitarbeitenden von Belair. Das Unternehmen beschäftigt 288 Mitarbeitende, darunter etwas weniger als 100 Piloten.

Die deutsche Billigfluggesellschaft besitzt Belair seit 2009 vollständig. Die Schweizer Tochter betreibt 6 Airbus A320 und 2 Airbus A319, die alle unter dem Airberlin-Logo fliegen.

Airberlin auf Sparkurs

Airberlin steckt seit Jahren finanziell in Turbulenzen. Neben einer Verkleinerung von Flotte und Flugangebot halten millionenschwere Finanzspritzen des Grossaktionärs Etihad Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft in der Luft.

Das neuste Sparpaket stellte Airberlin im letzten November vor: Bis 2016 soll sich das Ergebnis dadurch um 400 Millionen Euro verbessern. Rund 60 Prozent davon will das Management durch Einsparungen, Effizienzgewinne und einen Umbau des Streckennetzes erreichen. Der Rest soll aus einem verbesserten Vertrieb und zusätzlichen Erträgen kommen.

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