Picassos Werke zusammengetrommelt

Kunsthaus Die Riesensucharbeit vor der Eröffnung der Jubiläumsausstellung ist beendet

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Picassos Werke zusammengetrommelt

Picassos Werke zusammengetrommelt

Limmattaler Zeitung

alfred borter

Tobia Bezzola, der Kurator des Kunsthauses, der für die Picasso-Ausstellung verantwortlich zeichnet, ist froh: Eine Arbeit, die vor fünf Jahren begonnen hat, kommt zu einem Abschluss. Damals wälzte man erste Pläne, was man dem Publikum zum 100-Jahr-Jubiläum Besonderes bieten wolle, und kam zum Schluss, es wäre toll, die aufsehenerregende Picasso-Ausstellung von 1932 nochmals zum Leben zu erwecken.

Diese hatte damals innerhalb von neun Wochen 34000Leute angelockt – ein Grosserfolg in der damaligen Zeit. Picasso selber hatte die Werke ausgewählt und gleich 56 aus eigenem Besitz beigesteuert, und das Kunsthaus hatte seine sämtlichen Ausstellungsräume freigemacht, um für die insgesamt 225Gemälde, weitere Arbeiten auf Papier und vier Skulpturen Platz zu schaffen.

Es war klar, dass man die damalige Ausstellung nicht einfach eins zu eins wieder ins Kunsthaus holen konnte. So wusste man bei weitem nicht von allen Werken, wo sie mittlerweile gelandet waren. Ferner wollte man die Ausstellung diesmal im 1958 neu dazugekommenen Bührle-Saal durchführen, und schliesslich waren auch finanzielle Vorgaben zu beachten: Es wäre schlicht zu kostspielig geworden, hätte man alles, dessen man habhaft werden konnte, zeigen wollen.

Aber Bezzola ist sehr zufrieden: Was man zeige, ist nach seinen Worten grossartig. Es ist ihm und dem ganzen Team gelungen, 75Gemälde und alle vier Skulpturen nach Zürich zu holen. Dafür liess er alle seine Beziehungen spielen und reiste in der halben Welt herum, um Museen und private Sammler von einer Teilnahme zu überzeugen, nachdem in mühevoller Kleinarbeit eruiert worden war, wo denn die Kunstwerke heute stecken. Im Ausstellungskatalog von 1932 war zwar von jedem Bild angegeben, in wessen Besitz es sich damals befand, aber inzwischen hatten die meisten die Hand gewechselt, viele sogar mehrmals.

Picasso logierte im «Baur au Lac»

Laut Bezzola hatten damals erst wenige Museen Werke von Picasso in ihrem Besitz, weil er und seine Malweise vielerorts dem Ziel der Sammlungen nicht entsprachen, obschon er 1932 bereits recht etabliert war und – dies nur ein Detail – in Zürich standesgemäss im «Baur au Lac» logierte. Das Zürcher Kunsthaus hingegen öffnete schon damals der Avantgarde gern seine Tore und kaufte nach dem Ende der Ausstellung eines der Bilder: «Guitare sur un guéridon».

Bedenken wegen des Transports

Jetzt weiss man von den meisten damals gezeigten Werken, wo sie sind, aber einige sind als Kapitalanlage in Banksafes verschwunden, bei anderen hatten die Museumsleiter Bedenken, sie den Gefahren eines Transports auszusetzen, obschon man sie in klimatisierten Kisten und mit luftgefederten Lastwagen herumfährt, damit ihnen nichts geschieht. Besonders dankbar ist Bezzola dafür, dass es gelungen ist, das mit über zwei mal zwei Meter 1932 grösste gezeigte Bild, das sich im Besitz des Contemporary Museum of Art in Teheran befindet, zu bekommen.

Wurmt es ihn nicht, dass die grosse Picasso-Ausstellung nicht über das Jahr 1932 hinausblickt? Der Kurator verneint. Picasso sei damals auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. «Natürlich stammen von ihm auch später noch grossartige Meisterwerke», erklärt er, aber grundsätzlich Neues habe er nicht mehr geschaffen, sondern – durchaus virtuos – auf der ihm zur Verfügung stehenden Klaviatur gespielt und Bisheriges variiert.

Wird die neue Ausstellung wie 1932 wieder zum Erfolg? Bezzola hofft dies natürlich. Ein Modell des Ausstellungssaals gibt Auskunft, wo genau die Bilder gehängt werden, die nun in den nächsten Tagen angeliefert werden. Bezzola hat sich für eine chronologische Ordnung entschieden, dank der ausgeklügelten Stellung der Wände gibt es aber auch spannende Bezüge zwischen den einzelnen Bildern.

Die Ausstellung dauert vom 15.Oktober 2010 bis 30.Januar 2011. www.kunsthaus.ch/picasso/index.php