Es war 1967, als Pierre-François Bocion das erste Mal regelmässig nach Basel zu pendeln begann, als Angestellter der damaligen Ciba AG. Damals gab es sie noch, die direkte Verbindung Winterthur–Basel, die bis Anfang der 1990er-Jahre verkehrte. Die Strecke führte über Bülach, Koblenz, Laufenburg und Rheinfelden nach Basel. Die Trassen bestehen noch heute. Sie werden aber nur noch teilweise genutzt und wenn, dann vom Güterverkehr.

Das soll sich jetzt wieder ändern. Seit rund einem Monat ist derselbe Pierre-François Bocion, mittlerweile pensionierter Pflanzenwissenschafter und alt Gemeinderat von Winterthur, im Einsatz für die Wiederaufnahme der Direktverbindung zwischen Basel und Winterthur, dem fünftgrössten Ballungsraum der Schweiz. Und das mit Vollgas: Der FDP-Politiker mobilisiert derzeit, wen er nur kann, um Druck aufzusetzen. «Der Entscheid wird ein politischer sein und keiner der SBB», sagt er. Denn diese zeigten sich bislang sehr zögerlich, eine Linie zu reaktivieren, die kaum wirtschaftlich ist. Auch wenn der neue alte Eilzug zu einem zusätzlichen «Pharma-Express» zwischen Basel und dem Osten werden könnte.

Ost-Optimierung willkommen

Vorgestern erschien im «Tages-Anzeiger» ein entsprechender Artikel. Auslöser war eine Anfrage des Zürcher SP-Nationalrats Thomas Hardegger, der vom Bundesrat wissen will, ob diese Bahnlinie nicht wieder in Betrieb genommen werden könnte, um diese zusätzliche, direkte Schnellzugverbindung von Basel in die Ostschweiz einzurichten.
In Basel wird der Einsatz Bocions für eine Bahnlinie, die hier kaum mehr jemand kennt, überrascht zur Kenntnis genommen. Bocion sagt, er habe mehrere Regierungen angeschrieben. Das Basler Präsidialdepartement hat er per E-Mail auf den «Tagi»-Artikel aufmerksam gemacht. Stellung dazu nimmt aber das Bau- und Verkehrsdepartement: «Grundsätzlich würden wir eine bessere und vor allem schnellere Direktverbindung von Basel in die Ostschweiz begrüssen», sagt dessen Sprecherin Nicole Stocker.

Bisher sei aber weniger die vor rund Jahren eingestellte Linie ein Thema, sondern vielmehr eine Verbesserung der bestehenden direkten Verbindung Basel–Zürich–Flughafen–Winterthur–St. Gallen. «Die lange Standzeit von 17 Minuten im Hauptbahnhof Zürich ist heute sehr unattraktiv für Bahnkunden.» Verbindungen zwischen Basel und Winterthur mit Umsteigen in Zürich seien heute bis zu 24 Minuten schneller als das Angebot ohne Umsteigen. «Hier sehen wir grossen Bedarf für Optimierungen», so Stocker.

Der Aargau könnte profitieren

Interessanter als für Basel-Stadt kann die Linie für den Aargau werden. Dort hat sich die Regierung bereits bei Bocion gemeldet, sein Schreiben sei ans Bau-, Verkehrs- und Umweltdepartement weitergeleitet worden. Für die Aargauer eröffnet die Wiederaufnahme der Rheinlinie auf Schweizer Seite neue Möglichkeiten: Die Ballungsräume zwischen Rheinfelden, Laufenburg und Koblenz würden auf einen Schlag mehr Verbindungen in Richtung Basel und Winterthur gleichermassen erhalten. Vorsichtiger äusserte sich SBB-Sprecher Oli Dischoe allerdings gegenüber dem «Tagi». Er wies darauf hin, dass der einstige «Eilzug» nur unregelmässig gefahren sei und länger als die heutigen Verbindungen gebraucht habe. Selbst der Winterthurer Stadtrat bleibt skeptisch. Doch Bocion findet auch in Basel eine politische Befürworterin: die Basta-Nationalrätin Sibel Arslan. «Ich fände eine solche Verbindung zwischen der Ost- und Nordschweiz sehr hilfreich», sagt sie. Eine direktere Verbindung zwischen den Regionen habe aus ihrer Sicht vielerlei Vorteile: «Deshalb kann ich mir gut vorstellen, das Anliegen auch zu unterstützen.»