Bezirksgericht Zürich
Pfleger wegen Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwoch einen Pfleger der Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Seine Nachtwachenhilfe, die während der Tat anwesend war, wurde vom Vorwurf der Unterlassung freigesprochen.

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Der Pfleger wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 70 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. (Archivbild)

Der Pfleger wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 70 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. (Archivbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein heute 36-jähriger Mann zwei damals 15-jährigen Pflegebedürftigen im Laufe des Umlagerns einen Finger in den Anus gesteckt hat.

Es verurteilte den Pfleger zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 70 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren. Den Geschädigten muss er je eine Genugtuung von 1500 Franken und Prozessentschädigungen von insgesamt 13'000 Franken bezahlen.

Damit blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 80 Franken sowie eine Busse von 2000 Franken verlangt. Ausserdem hatte sie ein Tätigkeitsverbot für den Pfleger gefordert.

Davon sah das Gericht ab. Der Beschuldigte sei als Spassvogel aufgetreten und für seine derben Sprüche bekannt. Er habe ein kollegiales Verhältnis mit den behinderten Jungen gehabt und die Tat nicht geplant. Aber ebenso wenig habe er die Grenzüberschreitung wahrgenommen.

Für sie war er "ein cooler Typ"

Vorgefallen war dies: Die beiden Jungen leben in einem Zürcher Heim und teilen sich ein Zimmer. Sie leiden beide an einer genetischen Krankheit, bei der sich Muskeln in Fettgewebe umwandeln. Sie können nur Kopf und Arme bewegen. Regelmässig müssen sie umgelagert werden, um sich nicht wund zu liegen.

Der Pfleger war bei den Jungen beliebt, sie hielten ihn für einen "coolen Typen". Er beschrieb das Verhältnis während der Untersuchung ähnlich dem zwischen grossem und kleinem Bruder. Er riss Sprüche, um eine gute Stimmung herzustellen, wie er erklärte. So auch während dieser Nachtwache, als er zusammen mit der Mitangeklagten das Zimmer der Jungen betrat um sie umzulagern.

Während den Witzen, die sich unter anderem um Einläufe drehten, steckte er unerwartet einen Finger in den Anus des einen Jungen, der immer nackt schläft. Der andere Junge bat kurz darauf, dass er gedreht würde und der Pfleger drehte aus Jux das ganze Bett. Beim anschliessenden Umbetten soll er auch den Anus dieses Jungen mit dem Finger penetriert haben, obwohl dieser ein Pyjama trug.

Die Übergriffe dauerten nur wenige Sekunden. Das Gericht befand, der Nachtwachenhilfe könne deshalb nicht der Vorwurf der Unterlassung gemacht werden, weil sie keine Zeit gehabt habe, etwas zu verhindern.

Nicht nur "angestupst"

Die Verteidiger verlangten jeweils einen Freispruch. Unter anderem deshalb, weil während der Untersuchung Fehler geschehen seien, welche die Aussagen der Geschädigten rechtlich nicht verwertbar machten. Diese Auffassung teilte das Gericht nicht.

Es schenkte auch den Ausführungen des Beschuldigten keinen Glauben, der die Übergriffe leugnete. Er erklärte, die Jungen nur an den Hinterbacken angestupst zu haben. Und er sagte: Eine Penetration unter Zuhilfenahme nur einer Hand sei anatomisch nicht möglich.

Die Verteidigung verlangte auch, dass die Geschädigten für eine Befragung vor Gericht erscheinen sollten. Deshalb war der Prozess zu einem früheren Zeitpunkt bereits einmal vertagt worden. In der Zwischenzeit waren beim Gericht Atteste eingegangen, die den Geschädigten eine Verhandlungsunfähigkeit bescheinigen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann an die nächste Instanz weitergezogen werden