Konfirmation

Pfarrer rüttelt an der Pflicht zum Religionsunterricht

Bereits ab der 2. Klasse müssen die Kinder die «Mini-Chile» besuchen.

«Mir passt dieser gesetzliche Ansatz nicht. Es gibt keinen Grund, jemandem den Segen Gottes zu verweigern», sagt Lukas Maurer. Nun hat er in der Reformierten Kirchensynode ein Postulat eingereicht, das sich gegen die Verbindlichkeit des Konfirmationsunterrichts wendet.

Den Segen Gottes in der Konfirmation gibt es nicht umsonst. Wer konfirmiert werden will, muss bereits ab der 2. Klasse die «Mini-Chile» besuchen; dann den «3.-Klass-Unti», den «Club 4», die «Juki» und den Konf-Unterricht. Auf dem Weg zur Konfirmation sind das 192 Stunden. So gibt es die Kirchenordnung und das religionspädagogische Gesamtkonzept (RPG) vor, das die reformierte Kirche Kanton Zürich 2004 schrittweise eingeführt hat.

Lukas Maurer findet die RPG-Module gut. Den Pfarrer aus Rüti stört bloss, dass sie Voraussetzung sind, um konfirmiert zu werden. «Mir passt dieser gesetzliche Ansatz nicht. Es gibt keinen Grund, jemandem den Segen Gottes zu verweigern.» In einem Postulat fordert er deshalb eine Kirchenordnung, welche die RPG-Angebote «loslöst von der Drohung, nicht konfirmiert zu werden».

Maurer sagt: «Ob die Kinder in die Stunden kommen oder nicht, hängt wesentlich davon ab, wie man den Unterricht gestaltet.» Von Zwang hält er nichts. «Wenn mir ein Schüler sagt, er müsse eine neue Hose kaufen und bleibe dem Unti fern, dann akzeptiere ich das. Das ist mir lieber, als wenn jemand Kopfweh vorgibt, unmotiviert ist oder gar nicht mehr kommt.»

Der 60-jährige Maurer hatte viele Jahre eine feste Pfarrstelle, seit zwölf Jahren übernimmt er Vertretungen. Mit seiner – wie er sagt – freiheitlichen Auslegung der Unti-Pflicht habe er nie Ärger bekommen. «Wenn es Kritik gab, dann von Eltern, die es ungerecht fanden, dass nicht alle gleich viele Stunden vorweisen mussten. Die Kinder selber hat das nie gestört.»

Bibel und Beheimatung

Der Kirchenrat sieht das anders. Der Reformierten Kirchensynode von morgen Dienstag empfiehlt die Exekutive, Maurers Postulat abzulehnen. «Würde die Landeskirche heute die Konfirmation von einer verbindlichen religiösen Bildung lösen», schreibt der Kirchenrat in seinem Bericht zum Vorstoss, «dann stellte sich die Frage, wie junge Mitglieder unserer Landeskirche mit ihrem Recht auf religiöse Bildung und Beheimatung ernst genommen und mit den zentralen Glaubenstraditionen der Bibel vertraut gemacht werden».

Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich mit Fragen des Glaubens, christlichen Werten und der eigenen religiösen Haltung auseinanderzusetzen, geschehe nicht individuell, sondern wesentlich in der christlichen Gemeinschaft, heisst es weiter.

Lukas Maurer denkt, dass es dem Kirchenrat um anderes geht. «Vermutlich hat er einfach Angst, dass die Angebote ohne das Zückerli Konfirmation nicht mehr besucht würden.»
Doch diese Befürchtung sei aus seiner Erfahrung unbegründet: «Ohne Pflicht werden die Angebote vielleicht nicht immer so zahlreich besucht, aber dafür kommen die Kinder mit Begeisterung. So war es jedenfalls bei mir.»

2004 knapp gescheitert

Maurer hat schon vor der Einführung des RPG im Jahr 2004 gegen eine Unti-Pflicht gekämpft. «Und ich hätte eine Mehrheit gefunden, wenn der damalige Synodalpräsident nicht die Debatte im Rat abgebrochen hätte.»

Maurer, der im Sommer altershalber aus der Synode austritt, gibt seinem neuen Anlauf geringere Chancen. Zwar hat der Kirchenrat das Postulat vor zwei Jahren entgegen genommen. Doch selbst in Maurers Fraktion, der linksgerichteten Religiös-Sozialen, stehen nicht alle hinter dem Vorstoss. Auch die Liberale Fraktion ist geteilt. Zudem setzt sich die Synode selten gegen den Kirchenrat durch.

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