Kontroverse

Peter Kunz: «Kinderlose dürfen bezahlen und werden dann noch wie Deppen behandelt»

Während Eltern glorifiziert und von Staat und Politik unterstützt werden, ernten Kinderlose nur Geringschätzung, kritisiert Jurist Peter Kunz.

«Kinderlose dürfen bezahlen und werden dann noch wie Deppen behandelt»

Während Eltern glorifiziert und von Staat und Politik unterstützt werden, ernten Kinderlose nur Geringschätzung, kritisiert Jurist Peter Kunz. Die wichtigsten Momente aus der Sendung «TalkTäglich» im Zusammenschnitt.

Peter Kunz brachte mit seiner Kolumne «Kinderlos und glücklich» eine Debatte über den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit Kinderlosen ins Rollen. Im «TalkTäglich» stiess er auf Kontrahentin Chantal Galladé.

Peter Kunz schreckt in seiner Kolumne nicht davor zurück, Kritik an einer gesamten Gesellschaftsgruppe auszuüben  - und zwar an den Eltern, die seiner Meinung nach total überschätzt sind. Der Umstand, Kinder zu haben, sei weder ein Leistungsnachweis noch eine Auszeichnung, daher seien sie nicht besser als Nicht-Eltern. Trotzdem müssen sich Letztere immer rechtfertigen - das stösst ihm auf.

Seine Kolumne schlug so hohe Wellen, dass sich dem Thema auch die Sendung «TalkTäglich» annahm, unter der Moderation von Markus Gilli. Es diskutieren Peter Kunz, Jurist und Professor an der Universität Bern, und Chantal Galladè, SP-Nationalrätin aus dem Kanton Zürich.

«Warum denn nicht?»

Von Anfang an fällt auf: Peter Kunz tritt in der Sendung nicht als Jurist oder Mann mit politischen Ambitionen auf, sondern in erster Linie als Ehemann, der seinen Familienstand häufig rechtfertigen muss - zu häufig nach seinem Geschmack. Obwohl er sich selbst nicht als Opfer sieht, «als Mann kann ich immer meine Karriere als Grund anbringen», stört ihn vor allem die Tatsache, «dass viele kinderlose Frauen, darunter auch meine Frau, ständig mit der Frage 'warum hast du keine Kinder' konfrontiert werden».

In diesem Punkt stimmt ihm Chantal Galladè vollkommen überein: «Niemand hat das Recht über ein Modell zu urteilen und sich in andere Leben einzumischen». Sehr bedenklich findet Galladè jedoch seine Äusserung, dass auch kinderlose Paare öffentliche Schulen mitfinanzieren müssen. «Sie waren auch mal ein Kind und genossen eine gute Ausbildung. Unabhängig ob man eigene Kinder hat oder nicht, sollte man doch daran Interesse haben, dass die zukünftige Bevölkerung gut gebildet ist. Sie zahlen später auch unsere AHV». Das AHV-Argument ist für Kunz ein «Blödsinn», da es ein persönlich-intimer Entscheid zwischen zwei Erwachsenen sei und keine staatliche Vorgabe. 

Auf den Lebensstandard neidisch?

Auf Gillis Frage, sind Eltern neidisch auf kinderlose Paare - bejaht Kunz. Denn heute würden viele Eltern auf nichts verzichten, sagt Kunz. «Sie wollen zurück in ihren Job, zwei Autos und teure Ferien. Man ist nicht mehr bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen.» Der Staat müsse aber nicht dafür sorgen, dass Familien mit Kindern ihren alten Lebensstandard zu 100% weiterführen können.

Für Galladè ist es hingegen Kunz, der die verschiedenen Familienmodelle gegeneinander ausspielt, indem er unter anderem berufstätige Mütter kritisiert.

«Mir geht es um die Frage des Respekts», gibt der Jurist gegen Ende des Gesprächs zu, «entweder wird man als kinderlose Person bedauert oder als Egoist hingestellt.» Das sei nicht Recht, «da Kinderlose zahlen müssen und trotzdem wie Deppen behandelt werden». Seitens der Regierung sieht er allgemein die Tendenz, Familien mit Kindern zu privilegieren. 

Hier können Sie die «TalkTäglich»-Sendung noch in voller Länge ansehen:

Diskriminierung von Kinderlosen

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