Herr Hofstetter, ursprünglich gingen Sie von 8000 Zuschauern an der «GymRock-Night» im Hallenstadion aus. Ihre Annahme wurde jedoch nach unten auf 6000 Besucher korrigiert. Warum?

Peter Hofstetter: Wir schaffen es zu wenig, Menschen, die nichts mit dem Turnen zu tun haben, zu mobilisieren und für unsere Leistungen zu interessieren. Sie wissen nicht so recht, was wir darzubieten haben. Es fehlen uns auch die finanziellen Mittel für Werbung, die eine Show wie «Art on Ice» hat.

Aber «Art on Ice» brauchte auch 20 Jahre, um den Bekanntheitsgrad derart zu steigern. Die «GymRock-Night» findet nach 2010 erst zum zweiten Mal statt. Sind sie in 20 Jahren so weit wie «Art on Ice»?

Nein, das glaube ich nicht. Für einen kantonalen Turnverband ist es schon eine sehr grosse Nummer. Eine Zusammenarbeit mit «GymMotion», der Show des nationalen Turnverbandes, wäre eine Möglichkeit.

Sie wirken jetzt, rund eine Woche vor dem Event, sehr entspannt.

Es gibt schon Dinge, die mich nervös machen. Zum Beispiel die Programmhefte. Diese kommen druckfrisch ins Hallenstadion, weil zeitlich alles sehr knapp war. Dies rührt daher, dass wir uns erst vor Weihnachten für den definitiven Druck entscheiden konnten. Dies war so, weil sich die Sponsoren teilweise viel Zeit für die Entscheidung liessen, ob sie nun mitmachen oder nicht.

Warum so kurzfristig? Sie sind doch bereits seit über zwei Jahren mit der Organisation beschäftigt?

Die Suche nach Sponsoren erwies sich als schwierig. Wahrscheinlich, weil ein mehrmals stattfindender Anlass für sie attraktiver wäre. Wir werden mit dem Budget von 500 000 Franken durchkommen, aber keinen Gewinn erzielen.

Auf der Website der «GymRock-Night» steht, dass die Faszination des heutigen Turnens gezeigt wird. Was ist heute anders als noch vor 20 oder 50 Jahren?

Heute machen vom 7-jährigen Mädchen bis zum 77-jährigen Mann alle mit.

War das früher nicht so?

Nein. Am eidgenössischen Turnfest von 1984 in Winterthur turnten Frauen und Männer noch nicht gemeinsam. Auch hat die Musik an Stellenwert gewonnen. Früher wurde der Rhythmus vom Tambourin oder vom Klavier vorgegeben. Heute treten schweizweit bekannte Stars wie Caroline Chevin oder Myron mit den Turnenden auf. Natürlich hat sich der Turnsport nicht komplett verändert.

Haben einige ältere Mitglieder der Turnvereine nicht Mühe mit diesen Neuerungen?

Nein. Überhaupt nicht. Eine Turngruppe, die aus 45- bis 70-jährigen Männern besteht, macht ganz ausgeflippte Nummern. Das letzte Mal benutzten sie Autoreifen, diesmal Leitern. Ich glaube eher, dass die Jungen Probleme haben, etwas Unkonventionelles zu machen und über den eigenen Schatten zu springen.

Stichwort Junge: Viele Vereine beklagen Mitgliederschwund. Wie steht es um die Zürcher Turnvereine?

Es steht gut um sie. Jedoch muss ich sagen, dass ich Mühe mit dem Wort Mitgliederschwund habe. Entscheidend ist doch, wie der Turnverein geleitet wird. Wenn der Vorstand mit viel Engagement und Innovation hinter dem Verein steht, dann hat dieser auch keine Nachwuchsprobleme. Beim Geräteturnverein Birmensdorf sind die Leiter mit Herzblut dabei. Dies hat zur Folge, dass junge Mädchen und Buben für Probetrainings Schlange stehen.

Dann sind die anderen Vereine, die keinen Nachwuchs finden, einfach schlecht geführt?

Ja. Ich war über Jahre im Vorstand des neuen Kantonalverbandes der Turnvereine, wo ich die Finanzen betreute. Im Kontakt mit den regionalen Sektionen zeigte sich, dass nicht das Geld das Problem war, sondern die Motivation der Leute. Es ist wie in der Privatwirtschaft, wo einige Betriebe erfolgreicher als andere sind. Werden Vereine zeitgemäss geführt, sterben sie nicht aus.

Es würde also reichen, die Führung zu verbessern, um einen Verein zu retten?

Ja, ich glaube schon. Turnvereine könnten es einfacher haben, da sie seit jeher in der DNA der Schweizer sind. Allen Vereinen ist jedoch gemeinsam, dass sie auf das Entgegenkommen der Gemeinden, der Politik im Generellen angewiesen sind.

Warum werden am kommenden Samstag keine Turnvereine aus dem Limmattal im Hallenstadion auftreten?

Das Limmattal ist ein städtisch geprägter Lebensraum. Es ist so, dass die Turnvereine es in ländlichen Gebieten einfacher haben, Mitglieder zu finden. Im Zürcher Oberland oder in der Region Winterthur hat es mehr engagierte Turnerinnen und Turner als in der Region Limmattal.

Liegt es auch hier an der Leitung?

Dass sich keine Gruppe aus dem Limmattal beworben hat, wird wohl an der mangelnden Begeisterung für diesen Anlass liegen. Aber wir erhalten auch positives Feedback aus der Region. So werden uns die Männer aus dem Turnverein Birmensdorf beim Aufbau im Hallenstadion helfen.

Wie muss man sich den Einsatz der Birmensdorfer vorstellen?

Ab Donnerstag um 20 Uhr übernehmen wir das Hallenstadion. Dann beginnen die freiwilligen Helfer, das Eis abzudecken. Danach bemalen wir den Boden. Dies wird sicherlich bis morgens um 5 oder 6 Uhr dauern. Die meisten müssen am Folgetag wieder zur Arbeit. Am Freitag werden die Tontechnik und die Beleuchtung installiert, sodass am Samstag die Hauptprobe und die Aufführung über die Bühne gehen können. Was die Birmensdorfer genau machen, weiss ich jedoch nicht. Ich weiss aber, dass dieses Projekt ohne die Unterstützung vieler Freiwilliger nicht realisierbar wäre.

Ist es schwierig, mit Show-Laien zusammenzuarbeiten?

Wir – auch vom OK – sind alle Laien. Unsere «GymRock-Night» kann man aber in der Tat nicht mit einer Show vergleichen, die ausschliesslich von Profis bestritten wird. Aber das macht vermutlich auch den Charme unseres Events aus.