Lohndumping
Personalvermittler wehren sich gegen Lohndumping-Vorwürfe

Die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Osteuropa lockt auch osteuropäische Personalvermittler in die Schweiz. An einer Tagung in Zürich wehrten sie sich gegen Lohndumping-Vorwürfe.

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Lohndumping kommt immer wieder vor (Symbolbild)

Lohndumping kommt immer wieder vor (Symbolbild)

Keystone

Die Tagung hatte bereits im Vorfeld hohe Wellen geworfen. «Volle Freizügigkeit für Arbeitskräfte - neue Chancen bei der Personalrekrutierung und der Reduktion von Personalkosten für Schweizer Unternehmen», lautete der Titel der Veranstaltung vom Donnerstag.

Verantwortlich für den Anlass zeichneten der Verband Mittel- und Osteuropäischer Unternehmen in der Schweiz (VMO) und der europaweit tätige Personalvermittlungsdienst «Personnel International» (IP).

Für Brisanz gesorgt hatte die Ankündigung, man wolle den Arbeitgebern aufzeigen, «wie es möglich ist, mit Hilfe von Personaldienstleistern die Personalkosten um 20 bis 30 Prozent zu reduzieren».
Die Gewerkschaft Unia witterte dahinter eine «Aufforderung zu Lohndumping» und verurteilte die Veranstaltung aufs Schärfste. Die Anleitung unterlaufe die Bemühungen, anständige Löhne für alle Arbeitnehmenden in der Schweiz zu garantieren.

Auf Vortrag verzichtet

Aufgrund der Kritik in den Medien liess VMO-Vertreter Jacek Gremlik seine Präsentation kurzerhand ausfallen. Das Ganze sei völlig missverstanden worden, stellte er fest. Er habe nur aufzeigen wollen, wie mit betriebswirtschaftlichen Methoden, wie sie an jeder Hochschule gelehrt würden, Personalkosten gesenkt werden könnten.

Gremlik räumte aber ein, dass die Formulierung in der Einladung unglücklich gewesen sei. Der VMO sei ganz entschieden gegen jede Form von Lohndumping und Schwarzarbeit. «Wer etwas anderes schreibt, ist ein Lügner».

Er schäme sich für Betriebe, die Schwarzarbeiter beschäftigen und Arbeitskräfte ausnutzen», erklärte Gremlik. Davon betroffen seien vor allem Arbeitskräfte aus Polen. Die Personenfreizügigkeit und die flankierenden Massnahmen zur Verhinderung von Lohn- und Sozialdumping seien eine «gute Sache».

Schnellbleiche für polnische Arbeiter

Der VMO und IP wollten in der Schweiz gute Arbeit leisten und nicht in eine Sackgasse geraten, versicherte auch IP-Vertreter Jerzy Golbik. Der Personaldienstleister sorge dafür, dass polnische Arbeitnehmende sich auf dem Schweizer Arbeitsmarkt besser zurechtfinden könnten.

So würden Facharbeitern in einer viermonatigen Zusatzausbildung fehlende Elemente und Sprachkenntnisse vermittelt. Die Kosten von 800 bis 1300 Euro würden dabei von IP übernommen. Im Gegenzug würden die vermittelten Arbeitskräfte mit einem Zweijahresvertrag an IP gebunden. Der Personaldienstleiter erfülle damit einen sozialen Auftrag und erziele damit einen «kleinen Gewinn».

Für Empörung gesorgt hatte im Vorfeld der Tagung, dass als Mitorganisatoren auch die Handelskammer Schweiz-Mitteleuropa (SEC) und die Zürcher Handelskammer aufgeführt waren. Beide Organisationen distanzierten sich vom Anlass.

Eine angekündigte Rede von Peter Flückiger, dem stellvertretenden Leiter Aussenwirtschaft von des Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, zur Bedeutung der Personenfreizügigkeit für die Schweizer Wirtschaft fiel an der Tagung ohne Angaben von Gründen aus.

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