SBB
Pendler-Chaos wegen Brandstiftung: Jetzt fährt auch die S-Bahn wieder

Die seit Dienstagmorgen unterbrochene Bahnstrecke zwischen Zürich Flughafen und Oerlikon ist seit 19 Uhr wieder für den Bahnverkehr freigegeben – eine Stunde früher als geplant. Erste Testzüge konnten den Abschnitt bereits befahren.

Merken
Drucken
Teilen

Die Störung im Zugverkehr um Zürich ist behoben: Seit 19 Uhr verkehren wieder Fernverkehrszüge. Seit 20 Uhr wird auch der S-Bahn-Verkehr schrittweise wieder aufgenommen, wie die SBB mitteilte.

Die unbekannten Täter, die in Zürich Nord die Bahnkabel in Brand gesetzt hatten, richteten nicht nur ein grosses Pendler-Chaos an, sondern verursachten auch grossen finanziellen Schaden. Die Kosten für die Kabel-Reparatur sowie die Ausfälle im Zugsverkehr dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Die Polizei hofft nun, dass Zeugen den oder die Täter bei ihrer nächtlichen Aktion beobachteten. Gemäss Polizeiangaben wurde der Brand absichtlich gelegt. Die Täter hinterliessen Spuren, die nun von Spezialisten ausgewertet werden.

Gegen 3 Uhr in der Nacht auf Dienstag wurde der Brand, der technische Anlagen der SBB beschädigt hat, an der Schärenmoosstrasse in Zürich Nord festgestellt.

Pendlerchaos: An den Gleisen stehen hunderte Wartende
5 Bilder
Gedränge aufs 10er Tram.
Das 10er Tram ist die einzige Verbindung zum Zürcher Flughafen.
Der Brand eines Kabels legt den gesamten Zugverkehr lahm
Überall warten Pendler.

Pendlerchaos: An den Gleisen stehen hunderte Wartende

Keystone

Die Flammen waren kein grosses Problem – die Einsatzkräfte konnten das Feuer noch vor dem Einsetzen des Pendlerverkehrs löschen. Wie die Stadtpolizei Zürich dem "Tagesanzeiger" mitteilte, ist die unbekannte Täterschaft in SBB-Gebiet eingedrungen, wo Zutrittsverbot herrscht. Offenbar gingen die Saboteure sehr gezielt vor: Sie drangen auf Geländer der Bahn ein und beschädigten entlang von zwei Gleisen Kabel, welche am Boden verlaufen.

Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.
11 Bilder
Dienstag, 7. Juni 2016: Ein absichtlich gelegtes Feuer in einem Kabelschacht nahe des Bahnhofs Zürich Oerlikon, bemerkt um 3 Uhr morgens, beschädigte technische Anlagen der SBB und löst ein Pendlerchaos aus.
Die Auswirkungen sind massiv: Die Strecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg und die Strecke zwischen Oerlikon und Flughafen waren stundenlang unterbrochen.
Zahlreiche Verbindungen mussten umgeleitet werden oder fielen gleich komplett aus. Hier warten Pendler auf Pendler am Bahnhof Glattbrugg auf ein Ersatztransportmittel.
Eine Frau studiert die Abfahrtspläne am Hauptbahnhof - an diesem Tag sind diese mit Vorsicht zu geniessen.
Pendler warten auf einen Ersatzbus - solche Szenen gab es am Dienstag zuhauf.
Auch am Hauptbahnhof Zürich müssen sich Pendler umorganisieren oder Verspätungen in Kauf nehmen.
Schwierig zu erreichen war vor allem der Flughafen Zürich aus Richtung HB Zürich.
Pendler warten auf ein Tram.
SBB-Arbeiter verlegen nach dem Brand neue Kabel in Zürich Oerlikon - die Auswirkungen des Brandes sind aber noch abends im Bahnverkehr spürbar.
Die Brandstifter mussten für ihren Sabotageakt in umzäuntes Gelände einbrechen.

Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Keystone

Der Brand beeinträchtigte den Bahnverkehr massiv. Gemäss SBB-Medienstelle fielen gewisse technische Anlagen aus. Die Bahnstrecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg war über den Morgen unterbrochen. Danach war die Verbindung wieder befahrbar, die Situation an den Bahnhöfen Oerlikon und Glattbrugg normalisierte sich – über den Morgen waren tausende Pendler dort gestrandet.

"Wir sind zwar auf solche Extremsituationen vorbereitet, aber die Auswirkungen lassen sich nicht sofort beheben. Das dauert einige Stunden", sagt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, im Interview mit "keystone".

Mehr Trams und Shuttle-Züge

Um vom Zürcher Hauptbahnhof zum Flughafen zu gelangen, mussten Reisende einen Umweg via Winterthur oder Effretikon in Kauf nehmen. Alternativen waren die Stadtzürcher Tramlinien 10 und 12. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) hatten den Fahrplan der Linie 10 mit 7 zusätzlichen Kursen verdichtet und so die Kapazität erhöht.

Das Tram war bis zum Abend die einzige öV-Verbindung zum Flughafen Kloten. Die Trams der betroffenen Linie waren komplett überfüllt. In Oerlikon gab es an der Haltestelle kaum Platz für alle Wartenden, Touristen waren hilflos und überfordert mit der Situation.

Wegen der Unterbrechung zwischen Oerlikon und Flughafen wurden die Züge nach München und Konstanz umgeleitet und fuhren nicht mehr über den Flughafen. Zudem fielen im Bereich Zürich Nord zahlreiche S-Bahnlinien aus oder werden umgeleitet.

Über 100 Passagiere verpassten Flug

Viele Pendler, die in Richtung Flughafen unterwegs waren, strandeten unterwegs. Die SBB richteten Shuttle-Züge ab Winterthur ein. Der Umweg über Winterthur verlängerte den Anreiseweg allerdings um etwa eine Stunde. Gemäss Angaben des Flughafens verpassten zwischen 120 und 130 Passagiere ihren Flug.

SBB-Kundenlenker kümmerten sich den ganzen Tag um gestrandete Reisende und halfen ihnen, von A nach B zu gelangen. Ob die SBB Rückerstattungen leistet, ist noch unklar. Im Vordergrund habe am Dienstag die Störungsbewältigung gestanden, hiess es bei der SBB.(az/sda)