Uster

Pause im Seilziehen um den Altherr-Turm

Der 12 Tonnen schwere Koloss im Nebeneinander mit anderen Nutzungen wie etwa Urban Gardening.

Der 12 Tonnen schwere Koloss im Nebeneinander mit anderen Nutzungen wie etwa Urban Gardening.

Das 18-Meter-Werk des Künstlers Jürg Altherr fand im Ustermer Zeughaus eine neue Heimat auf Zeit.

Das brachiale Werk passt ziemlich gut an seinen neuen Standort. Schliesslich wurden im Ustermer Zeughaus früher Waffen gelagert. Mit 18 Metern ragt der Turm des verstorbenen Plastikers Jürg Altherr aus der weitläufigen Wiese im Hof, wohin er vergangene Woche transportiert wurde. Zwar endet die langwierige Suche nach einem Standort für eines der wichtigsten Werke des Künstlers der Schlieremer Arbeitsgruppe Zürcher Bildhauer (AZB) nicht. Ein wichtiger Zwischenstopp konnte jedoch eingelegt werden.

Das grünliche Rohr besteht aus Polyester und schwebt auf der Wiese. Das Kunstwerk bringt es insgesamt auf ein Gewicht von 12 Tonnen, was vorwiegend an den Stahlseilen liegt, die den Turm im Gleichgewicht halten. Mit seinem jetzigen Standort erhält das Werk viel Aufmerksamkeit, denn das Zeughaus zieht Besucher an. Im Gebäude und in Teilen des Hofs wird eine Bar betrieben, Hochbeete zeugen von Urban Gardening und der Zirkus Filacro errichtete hier sein Zelt.

Kunst, die man sehen soll

Für den vor rund einem Jahr verstorbenen Altherr war es wichtig, dass die Kunst und die Bevölkerung miteinander interagieren. Über viele Jahrzehnte war er AZB-Mitglied und im nördlichen Zipfel des Schlieremer Gaswerk-Areals tätig. Die dort von den über 30 Mitgliedern erschaffenen Plastiken waren für die Bevölkerung jedoch über weite Strecken nicht sichtbar, weshalb Altherr, nachdem er zum Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft wurde, das Projekt «Skulpturen in Schlieren» ins Leben rief. Im Rahmen dessen stellen die Künstlerinnen und Künstler des AZB seit 2006 ausgewählte Werke im öffentlichen Raum aus.

Derart willkommen wie im Limmattal sind die Arbeiten des renommierten Künstlers im Zürcher Oberland nicht. Vor mittlerweile 12 Jahren wurde das Werk erstmals in Fällanden aufgestellt. Am nächsten Standort bei der ehemaligen Weberei Hueb in Wald, wo zwischenzeitlich Wohnungen entstanden waren, sorgte der Turm für grosse Entrüstung. Dabei hatte Architekt Hannes Strebel das sperrige Werk eigens für diesen Standort in Auftrag gegeben. Der Widerstand war jedoch zu gross und der Turm wurde abgebaut und beim örtlichen Bahnhof zwischengelagert, bevor es nach Dübendorf kam. 2014 schliesslich schenkte Strebel den Turm der Stadt Uster mit der Auflage, er müsse der Öffentlichkeit gezeigt werden. Doch auch hier gestaltete sich die Standortsuche als grosse Herausforderung. Zahlreiche Möglichkeiten wurden geprüft, bis man sich auf das Loren-Quartier festlegte. Aufgestellt werden konnte er auch hier nicht – diesmal aus baurechtlichen Gründen. Seinen jetzigen Standort wird der Altherr-Trum in rund fünf Jahren wieder räumen müssen, da die Stadt das Areal entwickeln will. Wo er danach aufgestellt werden wird, ist nicht bekannt.

Vor Widerstand waren Altherrs Werke aber auch im Limmattal nicht gefeit. Jenes, das er 2010 beim Gemeinschaftsgrab des Friedhofs Albisrieden aufstellte, ist wohl vielen in Erinnerung. Senkrecht in den Himmel ragende Eisenstangen brachten die Volksseele zum Kochen. Es wurde gar verlangt, dass über Kunstwerke künftig abgestimmt werden solle.

Die sechs Meter hohe Skulptur «Schlitz», die 2013 vor dem Schlieremer Stadthaus aufgestellt wurde, irritierte ebenfalls einige Einwohner. «Sie sehen, wie sie schräg dasteht und denken, sie falle um. Sie staunen, dass das grosse Ding überhaupt stehen kann», sagte Altherr im selben Jahr in einem Interview mit der Limmattaler Zeitung. Auf die Frage, warum denn so viele seiner Werke derart gross seien, erklärte er: «Erst wenn die Werke eine gewisse Grösse haben, wird die Wirkung des Gleichgewichts nicht nur sichtbar, sondern auch körperlich erfahrbar.»

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