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Patienten wissen viel zu wenig Bescheid über ihre Krankheiten

Akademie In Zürich lassen sich Interessierte über Demenz, Diabetes und andere Krankheiten aufklären. Viele Patienten wissen nur ungenügend Bescheid über ihre Krankheit, und die Prävention könnte sowieso verbessert werden.

Alfred Borter
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Patienten fragen zu wenig und wissen zu wenig über ihre eigene Krankheit – die Patientenakademie inZürich schliesst diesen Missstand mit regelmässigen Vorträgen zu ausgesuchten Themen. KEY

Patienten fragen zu wenig und wissen zu wenig über ihre eigene Krankheit – die Patientenakademie inZürich schliesst diesen Missstand mit regelmässigen Vorträgen zu ausgesuchten Themen. KEY

Um diesem Mangel entgegenzuwirken, hat Karl Ehrenbaum in Zürich die erste Schweizer Patientenakademie ins Leben gerufen. Mit dem Erfolg des ersten Quartals ist er zufrieden.

Hannover Model in Zürich

Ehrenbaum hat in verschiedenen Positionen im Gesundheitswesen auf breiter Basis Erfahrungen gesammelt und bringt diese nun in seiner in Zürich domizilierten Firma Ehrenbaum Health Consulting GmbH zur Anwendung.

In Hannover sah er, dass an der Medizinischen Hochschule eine Patientenuniversität eingerichtet worden ist, an der die Hörerinnen und Hörer jeweils fundiert über wichtige Themen aus dem Gesundheitsbereich informiert werden. «Das kommt dort extrem gut an», stellte er fest und fand, diese Idee müsste eigentlich auch in der Schweiz auf Anklang stossen.

Mithilfe des von ihm gegründeten Vereins Gesundheitsbildung Schweiz hat er in Zürich etwas Ähnliches initiiert. Seine Patientenakademie hat das erste Quartal erfolgreich hinter sich gebracht. Die an der Pädagogischen Hochschule durchgeführten Kursabende seien, so sagt er, jeweils von mehreren Dutzend Interessenten besucht worden. Sie liessen sich informieren über Themen wie Schlaganfall, Demenz, Diabetes, Antibiotika oder Burnout.

Wege aus der Sackgasse

Er selber sprach am ersten Kursabend über die Frage, ob das Gesundheitswesen in einer Sackgasse stecke. Seine Beurteilung: Man läuft auf eine Sackgasse zu, wenn man bloss auf «Reparaturmedizin» setze, aber er sieht zahlreiche Auswege.

Für besonders wichtig hält er etwa die These, dass man das Gesundheitswesen nicht einseitig aus Kostenträgersicht beurteilen darf, denn nicht allein die Aufwendungen für Arzt und Spital fallen ins Gewicht, sondern auch die Kosten, die nach einer zu sehr auf Sparsamkeit ausgerichteten Behandlung etwa bei der Invalidenversicherung anfallen. «Es braucht eine Gesamtschau», sagt er.

Er ist überzeugt, dass es gelingen muss, den Patienten das Wissen zu vermitteln, das nötig ist, dass sie mit ihrem Arzt über die Gesunderhaltung, über Heilmethoden und mögliche Alternativen diskutieren können, statt dass sie sich einfach vom Arzt sagen lassen, was nun zu geschehen habe.

Für das Präsidium und den wissenschaftlichen Beirat des Vereins Gesundheitsbildung Schweiz hat Ehrenbaum Professor Viktor Meyer, ehemaliger ärztlicher Direktor am Universitätsspital Zürich, und Gerd Folkers, Professor für pharmazeutische Chemie an der ETH Zürich, sowie weitere Fachleute gewinnen können. Sie sollen garantieren, dass die Kurse auf hohem Niveau durchgeführt werden – und trotzdem verständlich sind.

70 Themen – umfassend informiert

Insgesamt haben Ehrenbaum und seine Fachleute rund 70 Themen evaluiert, die sich für eine vertiefte Auseinandersetzung im Rahmen der Patientenakademie eignen, wobei es auch um Ärzte- und Spitalhaftung gehen kann. Im Lauf der Zeit lasse sich eine umfassende Kenntnis im Bereich des Gesundheitswesens erwerben.

Doch braucht es überhaupt eine neue Patientenakademie, wo doch manche Spitäler selber Vorträge zu einzelnen Krankheitsbildern anbieten? Ehrenbaum bejaht, denn die Veranstaltungen an der Patientenakademie seien neutral. Beim Thema Impfen etwa kämen sowohl Nutzen wie auch Risiken zur Sprache. «Jeder soll selber entscheiden, ob er sich oder sein Kind impfen lassen will», betont er. «Aber er soll es in Kenntnis der Tatsachen tun.»

Interesse aus Basel

Die Initianten hoffen nun, dass sich die neue Möglichkeit, sich zu informieren, noch etwas mehr herumspricht. Die Themen der Vorträge im zweiten Quartal sind bereits bekannt, wobei es zum Beispiel um den Nutzen von Check-up-Untersuchungen, um Rheuma oder chronische Schmerzen geht.

Gefreut hat Ehrenbaum auch, dass aus der Universität Basel Interesse an den Ideen der Gesundheitsbildung Schweiz angemeldet wurde. Ehrenbaum kann sich durchaus vorstellen, die Idee einer Patientenakademie auch in anderen Städten aufleben zu lassen, sofern sich dafür die nötige Unterstützung finden lasse. Die Zürcher Einrichtung ist noch keineswegs selbsttragend.

www.gesundheitsbildung-schweiz.ch