Kanton Zürich
Patienten bleiben zu lange im Spital – Gesundheitsdirektor Heiniger will hier Kosten sparen

Regierungsrat Thomas Heiniger präsentierte am Freitag den neusten Bericht über die Gesundheitsversorgung. Der FDP-Politiker legte den Fokus auf die Qualität und das Wohl der Patienten.

Patrick Gut
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Rund 10 statt 5,5 Tage im Spital: Patienten, die nach dem Austritt in die Reha oder ins Pflegeheim gehen statt direkt nach Hause. Keystone

Rund 10 statt 5,5 Tage im Spital: Patienten, die nach dem Austritt in die Reha oder ins Pflegeheim gehen statt direkt nach Hause. Keystone

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Geht es ums Gesundheitswesen, würden häufig in erster Linie die Kosten thematisiert. Das stellte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger am Freitag an einem Mediengespräch fest. Da frage man sich manchmal, wo die Diskussion um die Qualität bleibe. In der Folge erläuterte der scheidende FDP-Regierungsrat laufende Projekte, welche die Qualität der Gesundheitsversorgung erhöhen sollen. Und er zeigte auf, dass höhere Qualität sogar mit sinkenden Kosten einhergehen kann.

Besondere Aufmerksamkeit will die Gesundheitsdirektion den sogenannten Schnittstellen schenken. Was im ersten Moment papierig tönen mag, hat es durchaus in sich. Ein Beispiel ist der Übertritt von der stationären Behandlung im Spital in eine stationäre Rehabilitation oder ins Pflegeheim. Im Kanton Zürich betrifft dies pro Jahr rund 20 000 Patientinnen und Patienten. Sie kehren also beim Spitalaustritt nicht in ihre gewohnte Umgebung zurück.

Eine Auswertung der Daten durch die Gesundheitsdirektion hat nun Interessantes zu Tage gefördert: Im Durchschnitt tritt ein stationärer Patient nach 5,5 Tagen wieder aus dem Spital aus. Ganz anders sieht es bei Menschen aus, die nach dem Spitalaufenthalt in die Reha oder ein Pflegeheim wechseln. Eine Person, welche in die Reha übertritt, verbleibt im Mittel 3,8 Tage länger im Akutspital. Beim Übertritt ins Pflegeheim sind es gar 4,6 Tage mehr. Die Dauer des Spitalaufenthalts verdoppelt sich also nahezu. Das Alter der Patienten und die Komplexität der Fälle sind dabei jeweils vergleichbar.

Nicht medizinische Gründe

Entscheidender Punkt: Der längere Aufenthalt erfolgt nicht aus medizinischen Gründen. Für Thomas Heiniger ist klar: «Das ist nicht im Sinne des Patientenwohls.» Auch aus Kostengründen ist ein Aufenthalt im Akutspital, der länger dauert als medizinisch sinnvoll, nicht wünschenswert.

Die Gesundheitsdirektion will diese Thematik nun genauer anschauen. Noch scheint nicht restlos geklärt, wie es zu dieser Diskrepanz kommt. Im Vordergrund stehen administrative Gründe. Möglich ist etwa, dass die Suche nach einem geeigneten Reha-Platz viel Zeit in Anspruch nimmt. Auch Abklärungen und Absprachen mit Angehörigen können zeitintensiv sein. Oder man muss auf eine Kostengutsprache durch die Krankenkasse warten.

Hürden abbauen

Bereits sind ein paar Lösungsansätze vorhanden. So sollen die Krankenversicherer bei gewissen Indikationen stillschweigend Kostengutsprache gewähren. Erfolg verspricht sich Heiniger von Kooperationen und Netzwerken zwischen den Leistungserbringern. «Es muss gute Standleitungen geben zwischen Spitälern und Pflegeheimen sowie zwischen Spitälern und Rehakliniken», sagte Heiniger. Nützlich wäre sodann die Einführung und Verbreitung des elektronischen Patientendossiers. Heiniger sprach davon, Hürden abzubauen.

Qualitätsförderung: Rettungswesen und Demenz als Herausforderungen

Umfragen zeigen seit Jahren eine hohe Zufriedenheit der Zürcher Bevölkerung mit dem Gesundheitswesen. Die Gesundheitsdirektion sieht dennoch Verbesserungspotenzial. Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger griff im Rahmen eines Mediengesprächs ein paar Themen heraus:

- Rettungswesen: Ein Projekt der Gesundheitsdirektion befasst sich mit der Optimierung des Rettungswesens. Zwei Aspekte stehen im Vordergrund. Zunächst sollen die unterschiedlichen Standards und Qualitätsniveaus der Rettungsdienste vereinheitlicht werden. Es könne zum Beispiel nicht sein, dass ein Patient vom Krankenwagen in den Schockraum eines Spitals gebracht würde und dann zuerst die Infusionen umgesteckt werden müssten, weil das Material nicht zusammenpasse. Die Gesundheitsdirektion hat am 1. Juli dieses Jahres eine Verordnung über das Rettungswesen in Kraft gesetzt, welche Standards verbindlich festschreibt. Etwa bezüglich Ausrüstung der Rettungswagen und Ausbildung der Einsatzkräfte.

- Disposition der Rettungsmittel: Über den ganzen Kanton gesehen sind die Rettungskräfte heute in 91 Prozent der Fälle innert 15 Minuten am Einsatzort. Mit der Nächst-Best-Strategie will man diese Zeit senken. Seit dem 1. Juli muss der Einsatzort nicht mehr im Einsatzgebiet des aufgebotenen Rettungsfahrzeugs liegen. Die Einsatzleitzentrale setzt jenen Rettungswagen oder jenen Helikopter ein, der am schnellsten am Einsatzort ist. In gewissen Einsätzen bringt der Rettungswagen die Patienten nicht in sein Standortspital, sondern in den nächstgelegenen. Die Massnahme zeigt offenbar erste Erfolge. Zahlen liegen allerdings erst im ersten Quartal 2019 vor.

- Demenz: Weiteres Schwerpunktthema am Mediengespräch war die Demenz. 2017 lebten im Kanton Zürich rund 25 000 Menschen mit Demenz. Diese Zahl wird bis 2040 auf etwa 50 000 ansteigen. Zusammen mit den Angehörigen gibt es im Kanton dann 100 000 Betroffene. Ziel ist es, dass die Erkrankten in der Gesellschaft integriert bleiben. Die Herausforderung Demenz muss laut Heiniger gesamtgesellschaftlich angegangen werden. In mehreren Projekten will man verschiedene Direktionen aber auch Fachleute vernetzen. (pag)