Geht es ums Gesundheitswesen, würden häufig in erster Linie die Kosten thematisiert. Das stellte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger am Freitag an einem Mediengespräch fest. Da frage man sich manchmal, wo die Diskussion um die Qualität bleibe. In der Folge erläuterte der scheidende FDP-Regierungsrat laufende Projekte, welche die Qualität der Gesundheitsversorgung erhöhen sollen. Und er zeigte auf, dass höhere Qualität sogar mit sinkenden Kosten einhergehen kann.

Besondere Aufmerksamkeit will die Gesundheitsdirektion den sogenannten Schnittstellen schenken. Was im ersten Moment papierig tönen mag, hat es durchaus in sich. Ein Beispiel ist der Übertritt von der stationären Behandlung im Spital in eine stationäre Rehabilitation oder ins Pflegeheim. Im Kanton Zürich betrifft dies pro Jahr rund 20 000 Patientinnen und Patienten. Sie kehren also beim Spitalaustritt nicht in ihre gewohnte Umgebung zurück.

Eine Auswertung der Daten durch die Gesundheitsdirektion hat nun Interessantes zu Tage gefördert: Im Durchschnitt tritt ein stationärer Patient nach 5,5 Tagen wieder aus dem Spital aus. Ganz anders sieht es bei Menschen aus, die nach dem Spitalaufenthalt in die Reha oder ein Pflegeheim wechseln. Eine Person, welche in die Reha übertritt, verbleibt im Mittel 3,8 Tage länger im Akutspital. Beim Übertritt ins Pflegeheim sind es gar 4,6 Tage mehr. Die Dauer des Spitalaufenthalts verdoppelt sich also nahezu. Das Alter der Patienten und die Komplexität der Fälle sind dabei jeweils vergleichbar.

Nicht medizinische Gründe

Entscheidender Punkt: Der längere Aufenthalt erfolgt nicht aus medizinischen Gründen. Für Thomas Heiniger ist klar: «Das ist nicht im Sinne des Patientenwohls.» Auch aus Kostengründen ist ein Aufenthalt im Akutspital, der länger dauert als medizinisch sinnvoll, nicht wünschenswert.

Die Gesundheitsdirektion will diese Thematik nun genauer anschauen. Noch scheint nicht restlos geklärt, wie es zu dieser Diskrepanz kommt. Im Vordergrund stehen administrative Gründe. Möglich ist etwa, dass die Suche nach einem geeigneten Reha-Platz viel Zeit in Anspruch nimmt. Auch Abklärungen und Absprachen mit Angehörigen können zeitintensiv sein. Oder man muss auf eine Kostengutsprache durch die Krankenkasse warten.

Hürden abbauen

Bereits sind ein paar Lösungsansätze vorhanden. So sollen die Krankenversicherer bei gewissen Indikationen stillschweigend Kostengutsprache gewähren. Erfolg verspricht sich Heiniger von Kooperationen und Netzwerken zwischen den Leistungserbringern. «Es muss gute Standleitungen geben zwischen Spitälern und Pflegeheimen sowie zwischen Spitälern und Rehakliniken», sagte Heiniger. Nützlich wäre sodann die Einführung und Verbreitung des elektronischen Patientendossiers. Heiniger sprach davon, Hürden abzubauen.