Patenschaften
Patenschafts-Projekt: «Wie ein Sechser im Lotto»

Ein Projekt der Zürcher Gemeinschaftszentren vermittelt Patengrosseltern an Familien. Bisher sind etliche Patenschaften entstanden. «Wir könnten fast endlos Familien vermitteln», sagt Vakidis. Grosseltern zu finden, sei hingegen viel schwieriger.

Alfred Borter
Merken
Drucken
Teilen

Entstanden ist das Projekt der Zürcher Gemeinschaftszentren vor vier Jahren im Gemeinschaftszentrum (GZ) Affoltern. Inzwischen sind auch das GZ Leimbach und die Nachbarschaftshilfe Schwamendingen mit von der Partie, wie Projektleiterin Erika Vakidis erwähnt.

Läuft es jedoch so gut wie zwischen den Patengrosseltern Gertrud und Eugen Schmid und der zweijährigen Liv, dann stellt sie mit Befriedigung fest: Der Aufwand lohnt sich. Die Patengrosseltern haben Freude an der kleinen Liv, diese wiederum geniesst jeden Freitag, an dem sie zu dritt etwas unternehmen. Sie suchen etwa den Spielplatz auf, wo Schaukel, Rutschbahn und Sandkasten locken. Oder sie legen zusammen ein Puzzle oder spielen Karten.

Liv hat zwar auch leibliche Grosseltern, aber die wohnen weit weg im Norden Deutschlands; Livs Eltern sind aus Deutschland in die Schweiz gekommen und arbeiten beide. Sie schätzen es, dass sich die Patengrosseltern Zeit für ihre kleine Tochter nehmen, und besonders gut finden sie es, dass diese mit ihr Schweizerdeutsch reden. Ausserdem ist ihnen dank dem Kontakt mit den Patengrosseltern die Schweizer Mentalität etwas weniger fremd geworden.

Für die Projektleiterin ist es wichtig, dass die Beziehungen andauern. «Ich verstehe mich als Anwältin der Kinder», betont sie. Sie sollen davon profitieren, dass ihnen die Patengrosseltern dank ihrer Lebenserfahrung etwas Besonderes mitgeben können.

Natürlich sei es ein Geben und Nehmen, versichert Vakidis. Einerseits setzen die Patengrosseltern Zeit für ihre Patenenkel ein, weil ihnen das Zusammensein mit ihnen Spass macht. Anderseits kommt es auch vor, dass die Eltern der Patengrosskinder im Gegenzug die eine oder andere Dienstleistung erbringen, etwa schwere Möbel rücken, was das Patengrosi allein nicht mehr tun kann. Es kommt auch vor, dass die Patengrosseltern zu einem Essen eingeladen werden oder Theaterkarten erhalten. Und grössere Kinder sind durchaus bereit, dem Patenopa zu erklären, wie das neue Handy funktioniert.

Die meisten Patengrosseltern sind 50 bis 65 Jahre alt, aber es sind auch jüngere und ältere darunter. Die Kinder sollten nicht älter als 12 Jahre alt sein. Erika Vakidis überlegt sich genau, wen sie mit wem in Verbindung bringt. «Die Chemie muss stimmen», sagt sie. Auch muss klar sein, wie viel Nähe oder Distanz die beteiligten Personen wünschen. Toleranz und gegenseitiger Respekt sind wichtig. Ferner muss klar sein, dass die Patengrosseltern nicht einfach ein Gratisersatz für die Krippe sein können.

Vakidis begleitet ihre Klienten und Klientinnen am Anfang relativ eng, bis sich das Zusammenwirken eingespielt hat. Dass das Projekt für die Beteiligten sehr hilfreich ist, hat sie immer wieder erfahren können. «Das ist wie ein Sechser im Lotto für mich», hörte sie kürzlich von einer Mutter mit zwei Söhnen im Vorschulalter. Es sei ein ganz besonderes Geschenk für ihre Kinder und sie, dass sie eine so tolle «Grossmutter» gefunden hätten, die sie alle so akzeptiere, wie sie seien, «mit all unseren kleinen Eigenheiten». Weiter meinte die Mutter: «Wir haben sie einfach gern.»

Das Projekt in Zürich wird vom städtischen Sozialdepartement mitfinanziert und steht daher allein der Stadtzürcher Bevölkerung offen. Allerdings sind auch andere Gemeinden interessiert. Im Bezirk Meilen am Zürichsee gibt es ein ähnliches Projekt, ebenso in Wohlen. Und auch in Bern und in Basel ist man daran, etwas Ähnliches aufzugleisen.

Weitere Informationen finden sich unter www.gz-zh.ch