Zürich
Passagier fährt Fährenmitarbeiter ins Knie

Ein Lieferwagenlenker touchierte beim Einreihen auf der Fähre mit seinem Wagen einen Mitarbeiter, welcher daraufhin eine Muskelzerrung am Knie und durfte drei Tage nicht arbeiten. Das Bezirksgericht Meilen fällte nun ein Urteil.

Pascal Jäggi
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Ein Lieferwagenlenker touchierte im März 2018 beim Einreihen auf der Fähre einen Mitarbeiter. (Symbolbild)

Ein Lieferwagenlenker touchierte im März 2018 beim Einreihen auf der Fähre einen Mitarbeiter. (Symbolbild)

Martin Rütschi

Absicht oder nicht? Das ist die entscheidende Frage gestern am Bezirksgericht Meilen. Unbestritten ist, dass ein 49-jähriger Lieferwagenlenker beim Einreihen auf der Fähre mit seinem Wagen einen Mitarbeiter touchiert hat. Dieser erlitt eine Muskelzerrung am Knie und musste für drei Tage krankgeschrieben werden.

Die Version des Mitarbeiters geht so: Es war am 29. März während der morgendlichen Stosszeit auf der Fähre in Meilen. Er stand auf dem Streifen zwischen den beiden Mittelspuren der Fähre. Hinter ihm ein Lastwagen, der beide Spuren besetzte. Der Lieferwagen kam ihm direkt entgegen, fuhr also nicht auf einer der beiden Spuren, sondern dazwischen. Mit der Hand deutete der Fährenmitarbeiter dem Lenker, auf die linke der beiden Mittelspuren zu fahren. Doch dieser habe nicht reagiert.

Also sei der Mitarbeiter zur Fahrerseite und habe dem Mann gesagt, er solle nach links fahren. Als er sich wieder vor das Fahrzeug begab, im Abstand von zwei Schritten, sei der Lenker einfach geradeaus weitergefahren bis der Wagen das Knie des Einweisers touchiert hat. Auf die Hinweise und Handzeichen habe der Lenker nur die Hände verworfen und gemeint, er wisse schon, wie er sich auf der Fähre hinstellen müsse. Weil noch weitere Fahrzeuge nachkamen und die Fähren in der Stosszeit gut gefüllt sein müssen, wäre es nötig gewesen, dass der Lieferwagen sich für eine Spur entscheidet, sagt der Mitarbeiter aus.

Etwas anders klingt es, wenn der Beschuldigte die Situation erklärt. Bevor er auf die Fähre fahren konnte, habe ihn ein Mitarbeiter angehalten. Kurz darauf sei er dann doch auf die Fähre geschickt worden. Als Letzter, so hat er es wahrgenommen. Es habe fast keinen Platz mehr gehabt, also sei er direkt hinter den Lastwagen gefahren.

Happige Strafe gefordert

Die Situation sei stressig gewesen, die Fähre sollte doch bald losfahren. Die Handzeichen des Einweisers habe er nicht verstanden oder wenn, dann nur so, dass er näher aufschliessen sollte. Nachdem ihn dieser gestoppt und ihm etwas gesagt hatte, sei er wieder losgefahren. Dabei sei ihm nicht bewusst gewesen, wo der Einweiser stand. «Ich habe nichts gesehen oder gemerkt. Aber ich entschuldige mich», sagte der 49-Jährige.

Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat der Lenker die Zeichen gesehen, wollte aber seinen Standplatz erzwingen. Das bringt ihm eine Anklage wegen Körperverletzung und Nötigung ein. Die geforderte Strafe ist happig: Eine unbedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 140 Franken. Zusätzlich soll eine Vorstrafe wegen illegaler Beschäftigung eines Mitarbeiters widerrufen werden.

Der Verteidiger des Beschuldigten geht von fahrlässiger Körperverletzung aus. Der Einweiser sei rechts vor dem Auto gestanden. Sein Mandant habe ihn nicht mehr gesehen beim Manövrieren. Die Situation sei hektisch gewesen, alles musste schnell gehen. Für die fahrlässige Körperverletzung verlangt der Verteidiger eine bedingte Geldstrafe von
10 Tagessätzen à 140 Franken. Eine Entschädigungsforderung des Einweisers von 500 Franken akzeptiere sein Mandant.

Die Richterin geht von Unaufmerksamkeit und entsprechend fahrlässiger Körperverletzung aus. Sie verurteilt den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 30 mal 200 Franken bei einer dreijährigen Probezeit. Der Lenker sei zu wenig sorgfältig vorgegangen. Die Situation sei zwar hektisch gewesen, aber dass nicht mehr passiert ist, sei nur Glück.