Leben mit Corona

Partymacher hat in Zürich den ersten Maskenautomaten aufgestellt – und will schon bald expandieren

Styn Haueter vor dem ersten Maskenautomaten der Schweiz an der Uraniastrasse 20 in Zürich.

Styn Haueter vor dem ersten Maskenautomaten der Schweiz an der Uraniastrasse 20 in Zürich.

Eigentlich ist er Geschäftsführer eines Clubs. Aber mit dem Party machen ist es in Corona-Zeiten ja so eine Sache. Deshalb hatte Styn Haueter eine neue Geschäftsidee.

An der Uraniastrasse 20, mitten in der Zürcher City, steht seit Donnerstag der laut Styn Haueter schweizweit erste Maskenautomat. Wer das nötige Kleingeld dabei hat, kann sich hier rund um die Uhr mit Atemschutzmasken versorgen – in Coronazeiten eine praktische Sache.

Haueter ist eigentlich Geschäftsführer des Clubs «Gallery» am Paradeplatz. Doch Mitte März, als der Lockdown auch das Nachtleben zum Erliegen brachte, stieg der 29-Jährige zusammen mit Marco Stettler und Pascal Wyden ins Maskengeschäft ein. Ihr Hauptanliegen: «Wir wollen Masken so preisgünstig wie möglich verfügbar machen», erklärt Haueter. Zunächst zogen die drei einen Onlineshop auf. Doch bald kam die Idee für Maskenautomaten auf.

Ein Beitrag zum Erhalt der Spontaneität

«Meistens fehlt einem die Maske ja bei spontanen Aktivitäten», so Haueter. «Um diese Sicherheitslücke zu schliessen, haben wir den Automaten entwickelt.» Ein chinesischer Hersteller baute ihn. Auch die Masken kommen aus China. Für fünf Franken spuckt der Automat ein Zehnerpack TÜV-geprüfter Hygienemasken vom Typ IIR aus.

Ziel sei es, in der ganzen Schweiz solche Automaten aufzustellen. Ein weiterer Standort ist bereits gefunden: In Winterthur, nahe beim Bahnhof an der Zürcherstrasse 124, soll am Freitag der zweite Automat in Betrieb gehen.

Haueter, Stettler und Wyden suchen Standorte auf privatem Eigentum, damit keine aufwändigen behördlichen Bewilligungsverfahren nötig sind. In Zürich etwa hat ein Bekannter von Haueter, der an der Uraniastrasse ein italienisches Restaurant führt, den Standplatz zur Verfügung gestellt. In Winterthur ist es eine Baufirma.

Einer der Entwickler zeigt, wies geht: Styn Haueter demonstriert in Zürich den schweizweit ersten Schutzmaskenautomat

Einer der Entwickler zeigt, wies geht: Styn Haueter demonstriert in Zürich den schweizweit ersten Schutzmaskenautomaten.

Haueter betont: «Reich werden wir nicht mit diesen Automaten.» Das Engagement sei eher ideeller als kommerzieller Natur. Man könnte auch sagen: Es leistet einen Beitrag zum viel beschworenen Leben mit dem Virus, auf das wir uns mittelfristig einstellen müssen – zumindest, bis ein wirksamer Impfstoff verfügbar ist.

Auch Haueters Leben wurde durch das Coronavirus umgekrempelt. «Vorher war ich jeweils am Freitag und Samstag bis frühmorgens im Club», sagt der «Gallery»-Geschäftsführer. Nun ist der Club geschlossen. Zwar konnte er im Juni nach dem Lockdown seine Türen wieder öffnen, und das Partyvolk kam zunächst in Scharen. Doch bald darauf machten die ersten Fälle Schlagzeilen, bei denen sich Partygänger in Clubs mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Danach kamen laut Haueter kaum noch Gäste. «Die Leute sind verängstigt», sagt der 29-Jährige. Manchen Kollegen hätten ihre Arbeitgeber mit Entlassung gedroht, falls sie weiter an Partys gingen. 

Sein Herz schlägt mehr fürs Partymachen

«Ich hätte nichts gegen eine Maskenpflicht in Clubs, selbst wenn sie sich nicht hundertprozentig durchsetzen liesse», sagt Haueter. Trinken, beispielsweise, gehe mit Maske nicht. Oder jemanden kennenlernen.

Er blickt der geplanten Wiedereröffnung des «Gallery»-Clubs im September verhalten optimistisch entgegen: «Wir versuchen das Beste daraus zu machen.» Sein Herz schlägt mehr fürs Partymachen als fürs Maskengeschäft. «Ich habe nichts gegen Masken, aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn sie möglichst schnell nicht mehr nötig wären», sagt Haueter. Bis dahin handeln die drei Jungunternehmer damit – online und per Automat.

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