Zürcher Obergericht

«Pannen-Freier» erhält eine höhere Strafe

Ein Chauffeur aus Dietikon wollte eine Prostituierte mit Falschgeldhinters Licht führen (Symbolbild/Archiv)

Ein Chauffeur aus Dietikon wollte eine Prostituierte mit Falschgeldhinters Licht führen (Symbolbild/Archiv)

Ein Chauffeur aus Dietikon wollte eine Prostituierte mit Falschgeldhinters Licht führen. Eine andere Sexarbeiterin schlug er zusammen. Am Dienstag erhielt der Freier eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Aufgrund der Anklageschrift war klar: Dieser Mann sollte künftig lieber die Finger von der käuflichen Liebe lassen. So endeten seine Abenteuer auf dem Strich unter dem Strich jeweils in einem Desaster. Fest steht, dass der heute 46-jährige Lastwagen-Chauffeur aus Dietikon im Frühjahr 2008 an seinem Computer drei falsche Banknoten zu je 1000 Franken herstellte. Ein halbes Jahr später kam er auf die Idee, die falschen 3000 Franken im Rotlicht-Milieu für Liebesdienste auszugeben. Schon bald vereinbarte er im Internet ein Treffen mit einer vermeintlichen Prostituierten aus Winterthur.

Am 14. Oktober 2008 war es so weit. Der Angeklagte fuhr zu einem Bahnhof im Raum Winterthur, wo er die Dame seiner Wahl treffen sollte. Stattdessen erlebte er eine böse Überraschung. So war die Frau in Wirklichkeit gar keine Prostituierte, sondern ein Lockvogel für eine Räuberbande, die über den Limmattaler herfiel, ihn zusammenschlug und ihm das Couvert mit den 3000 Franken entriss.

Die Schläger und ihre Komplizin bemerkten erst später, dass sie bloss wertlose Blüten erbeutet hatten. Sie wurden kurz darauf von der Polizei geschnappt und wegen Raubes angeklagt. Doch auch gegen den Dietiker wurde ein Strafverfahren eröffnet: wegen Geldfälschung.

Sex-Arbeiterin verletzt

Hinzu kam, dass sich der Angeklagte einen zweiten Fehltritt im horizontalen Gewerbe leistete. So begab er sich am 6. Mai 2009 auf den Strassenstrich am Sihlquai und lockte eine Sexarbeiterin zu einem vereinbarten Preis von 500 Franken zu einem abgelegenen Parkplatz auf dem Hönggerberg. Dort fesselte er der Geschädigten überraschend die Hände auf den Rücken. Als sie sich dagegen wehrte, schlug er ihr mehrfach mit der rechten Hand gegen ihre Nase. Wenig später band er sein Opfer los und erklärte, dass er nichts bezahlen würde. Dann liess er die Frau trotz einer erheblichen Nasenverletzung alleine am Tatort zurück.

Im Herbst 2010 wurde der mehrfach vorbestrafte «Pannen-Freier» vom Bezirksgericht Dietikon wegen Geldfälschung, Körperverletzung sowie Pornografie zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Die Hälfte davon unbedingt.

Der Angeschuldigte legte Berufung ein und verlangte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht gewichtige Teilfreisprüche. Die falschen Geldnoten habe er bloss für die Kinder seiner Schwester hergestellt, behauptete er. Sein Verteidiger verneinte gar eine Geldfälschung. So seien die Noten erbärmlich plump gefälscht worden, sagte er. Bei der verletzten Prostituierten machte der Anwalt geltend, dass die Frau freiwillig in sadomasochistische Praktiken eingewilligt habe. Im schlimmsten Fall seien eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 800 Franken Busse angemessen.

Strafe erhöht

Die zuständige Staatsanwältin verlangte nicht nur die Bestätigung der Dietiker Schuldsprüche, sondern auch eine deutliche Straferhöhung auf 24 Monate Freiheitsentzug. Davon ein Jahr unbedingt. Teilweise mit Erfolg.

So gingen auch die Oberrichter von Geldfälschung sowie einer Körperverletzung aus. Bei der Geldfälschung führten sie aus, dass auch plumpe Fälschungen den Straftatbestand erfüllen würden. Bei der Körperverletzung stützten sie sich auf die glaubhaften Belastungen des Opfers ab. Das Obergericht würdigte das Vorgehen des Freiers als hinterlistig und brutal. Sie erhöhten deshalb die Dietiker Strafe auf neu
16 Monate teilbedingt. Acht Monate soll der Freier absitzen.

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