"Ein Unglück kommt selten allein": So lässt sich der Vorfall von Anfang Dezember 2016 bei der Haltestelle Strassenverkehrsamt in Zürich zusammenfassen. Involviert waren ein Zweiwegefahrzeug der VBZ, eine Schranke und ein Unglücksrabe, der an der Haltestelle wartete.

Das Zweiwegefahrzeug der VBZ ist quasi ein Amphibienfahrzeug der Schienen. Dank einem zweiachsigen Schienenfahrwerk kann der Lastwagen, der über einen Aufbau für den Unterhalt der Fahrleitungen verfügt, auch auf Tramschienen fahren.

Dazu wird beim sogenannten "Eingleisen" das Schienenfahrwerk abgesenkt und das Fahrzeug wird angehoben, bis sich die Strassenräder rund 15 cm über dem Strassenbelag befinden.

Mitte 2016 musste das Fahrzeug nach Deutschland in die Revision. Dort wurden beim Schienenfahrwerk verschiedene Teile durch neue ersetzt, wie es im am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST heisst.

"Pleiten, Pech und Pannen" beim Härtetest

Nach zufriedenstellenden Bremsversuchen in Deutschland und auf dem Werksgelände der VBZ folgte der ultimative Härtetest: Eine Fahrt auf den Schienen vom Albisgüetli zum Strassenverkehrsamt, dem Abschnitt mit dem grössten Gefälle auf dem Streckennetz der VBZ. Ein Test, der unter der Kategorie "Pleiten, Pech und Pannen" verbucht werden muss.

Die Pleite: Der Fahrer leitete bei einer Geschwindigkeit von 6 km/h eine Bremsung ein. Gemäss SUST-Bericht blockierten sofort alle Schienenräder und das Fahrzeug geriet ins Gleiten. Eine Bremswirkung gab es keine, das Gefährt schlitterte der noch rund 150 Meter entfernten Haltestelle entgegen.

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Das Pech: Bei dieser waren Bauarbeiten im Gang. Eine Schranke über der Schiene sorgte dafür, dass Strassenfahrzeuge um die Haltestelle herumfuhren. Kam ein Tram, dann wurde die Schranke über den gehobenen Stromabnehmer und eine Detektionseinrichtung an der Fahrleitung geöffnet. Das Zweiwegefahrzeug hatte keinen Stromabnehmer gehoben - die Schranke blieb geschlossen.

Die Panne: Als der Fahrer merkte, dass er nicht rechtzeitig anhalten konnte, leitete er den Hebevorgang des Schienenfahrwerks ein. Zu spät - die Räder hatten nicht mehr rechtzeitig Bodenkontakt und das Fahrzeug kollidierte mit der Schranke. Diese schleuderte gegen eine Person, die an der Haltestelle wartete und durch die Planke leicht verletzt wurde. Gleich darauf hatten die Räder Bodenkontakt, und das Gefährt hielt an.

Inzwischen wurden die Parameter für die Bremssteuerung korrigiert, "das Bremsen kann wieder kontrolliert erfolgen". Da die Bauart des Fahrzeugs selten ist und kein systemischer Mangel besteht, verzichtet die SUST auf weitere Untersuchungshandlungen. Die Untersuchungen wurden abgeschlossen.